Wie können junge Leute für Magdeburg interessiert werden? Durch einen Stadtführer beispielsweise, der allerdings die Erlebniswelt Jugendlicher widerspiegeln sollte. Und dazu gehört das Smartphone, für das es jetzt einen App-Stadtführer gibt – mit Liebeserklärungen.

Magdeburg. Im Smartphone die App Barcode Scanner aufrufen, die Handy-Kamera auf das Plakat mit dem Strichcoude richten und schon fängt Ottostadt-Botschafter Stephan Michme an zu singen und jemand sagt, warum er oder sie Magdeburg liebt. Und dazu gibt es noch einen Hinweis, wo was los ist und was ein schöner Platz in Magdeburg ist. Hört sich einfach an, ist es auch.

Entwickelt haben diesen mobilen Stadtführer Studierende der Germanistik und Medienbildner zusammen mit Corinna Pape, Dozentin an der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften. Gestern wurde er nach rund fünfmonatiger Entwicklungszeit vorgestellt.

- Das System: Mit dem Computerprogramm Layar wurde die Handy-Applikation (App, das sind kleine Programme, die ein internetfähiges Handy mit einer ganz bestimmten Internetseite verbinden) "Ich liebe Magdeburg, weil …" entwickelt. Auf der eigentlichen Internetseite www.ichliebemd.de sind zurzeit 19 Beiträge zu finden, in denen Menschen aus Magdeburg sagen, warum sie ihre Stadt lieben und warum man einen bestimmten Platz, etwa ein Café, eine Kneipe oder einen Park besuchen sollte. Zu einigen der Beiträge ist ein Song von Stephan Michme, natürlich über Magdeburg, zu hören. Der Clou dieses Stadtführers ist, dass in Magdeburg 260 Plakate von den Studierenden verteilt wurden. Diese Plakate haben einen Strichcode, der dann via Smartphone-Kamera mit einer ganz bestimmten Liebeserklärung an Magdeburg verbindet.

- Das Ziel: Mit diesem Stadtführer sollen vor allem jüngere Leute und Studierende für Magdeburg auf eine emotionale Weise interessiert werden. "Wir haben festgestellt, dass viele Studierende während des Semesters montags nach Magdeburg kommen und meistens donnerstags schon wieder nach Hause fahren. Sie kennen also Magdeburg kaum. Das wollten wir ändern", sagt Studentin Anne-Marie Kriegel. Und der Stadtführer sollte anders sein als die vorhandenen. Dabei entstand die Idee, die Menschen selbst etwas zu ihrem Magdeburg sagen zu lassen. "Wir dachten, die können das am besten", so Studentin Steffi Böhlmann. Und persönliche Aussagen sprächen Menschen meistens viel besser an.

Die "Liebeserklärungen" hat Stephan Michme in das Projekt eingebracht. Er hat bei der Produktion seiner Magdeburg-CD Magdeburger zu ihrer Stadt befragt, daraus Songs gemacht und einige angesprochen, ob sie bei dem Handy-Stadtführer mitmachen wollen.

- Wissenschaftlicher Hintergrund: Das Projekt "Mobile City", in dessen Rahmen der Handy-Stadtführer entstand, ist an der Erforschung der Auswirkungen und Möglichkeiten der mobilen Kommunikation (Handy, mobiles Internet) beteiligt. Corinna Pape forscht und entwickelt in diesem Bereich an der Uni Magdeburg.

- Perspektiven: Der "Warum-ich-Magdeburg-liebe-Stadtführer" soll noch weiter ausgebaut werden, er soll aber vorerst ein studentisches Projekt bleiben und wird auch von Studierenden betreut. Schon jetzt konnten Partner und Sponsoren gefunden werden, die Finanzierung kommt aber noch aus dem Uni-Forschungsetat. Das Projekt gehört bereits mit zur Otto-Stadt-Kampagne der Stadt. Die Plakataktion zum Start des Projekts sei nur eine Möglichkeit, um den Stadtführer bekannt zu machen, weitere sollen entwickelt werden, so Corinna Pape.

Die Plakate werden aber nicht von Dauer sein, was eigentlich schade ist, denn sie waren eine gute Idee, um den Stadtführer der Liebeserklärungen unter die Leute zu bringen.