Brände löschen, Verletzte bergen, Fahrbahnen von Ölspuren befreien: Wer sich zum Feuerwehrmann ausbilden lassen will, muss vieles lernen. Auch das Thema Tierschutz steht auf dem zweijährigen Ausbildungsplan. Diese Woche haben 12 angehende Brandmeister das Tierheim und die Hundestaffel der Polizei besucht.

Magdeburg. Als Schäferhündin Tessa ihn erst über die Wiese jagt und dann auch noch zum Sprung ansetzt, sieht es für einen kurzen Moment so aus, als würde Danny Buhro es bereuen, sich freiwillig als Testperson für das Training mit den Polizeidiensthunden angeboten zu haben. Während sich die Hündin an seinem Arm festgebissen hat, hetzt der 33-Jährige über den begrasten Boden, will die Hündin abschütteln, verheddert sich, stürzt zu Boden. "Auf keinen Fall hinlegen", brüllt Hundeführer Frank Dornieden von Weitem. Doch da liegt er schon.

Aus sicherer Entfernung beobachten elf dunkelblau gekleidete Personen die Szene. Auf ihren Jacken sind neongelbe Aufnäher mit der Aufschrift "FEUERWEHR" angebracht. Es ist die jüngste Ausbildungsklasse der Berufsfeuerwehr Magdeburg, die an diesem Mittwochmorgen zu dem kargen Übungsplatz im Süden der Stadt gefahren ist, um sich von den Hundeführern der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord den richtigen Umgang mit Schutzhunden zeigen zu lassen.

Danny Buhro, der zwölfte Anwärter im Bunde, hat die wichtigste Lektion eben gelernt: Immer den gut gefütterten Vollschutzanzug tragen.

Nachbars Katze und angefahrene Rehe retten

Berührungspunkte zwischen der Feuerwehr und Tieren gibt es viele: Mal muss die exotische Schlange beim Wohnungsbrand gerettet, mal Nachbars Katze vom Baum geholt und mal das angefahrene Reh von der Landstraße abtransportiert werden. "Zwar passiert es nicht alle Tage, dass ein Brandmeister mit solchen Fällen zu tun hat, aber wenn, muss er gewappnet sein", sagt Olaf Illig, als Brandmeister auf der Feuerwache Nord im Bereich Tierschutz tätig.

Die zwei Tage, die für die Tierschutzausbildung angesetzt sind, sind deshalb gut gefüllt. Bereits am Morgen haben die Feuerwehr-Azubis das Magdeburger Tierheim besucht. Dort wurden sie durch nach Trockenfutter riechende Hundezwinger und Katzengehege geführt und durften Tierheimleiter Andreas Reichert mit Fragen löchern. "Denkt daran", hat dieser ihnen zum Abschied zugerufen. "Ihr seid künftig die ersten, die an Ort und Stelle sind. Ihr müsst entscheiden, ob das Tier erst zu uns oder doch gleich in die Klinik gebracht werden muss."

Einzige Feuerwehrfrau behauptet sich

Zurück auf dem Hundeübungsplatz will Alexander Müller, groß und blond, nachziehen und auf Tuchfühlung mit einem der 17 Hunde gehen, die zur Diensthundgruppe gehören. Eingewickelt in den dicken Schutzanzug fällt dem angehenden Feuerwehrmann das Gehen sichtlich schwer. "Siehst gut aus!", witzeln seine Kameraden. Doch er lässt sich nicht beirren und hält stand, als die Hündin zuschnappt.

Stephanie Neike, die einzige Frau unter den angehenden Brandmeistern, hat auch keine Berührungsängste. Die 30-Jährige Tierliebhaberin hat selbst einen Hund zu Hause und mit der Zeit gelernt, sich in dem männerdominierten Beruf durchzusetzen. "Das klappt auch ganz gut", sagt sie. "Auch wenn man den Männern erstmal beweisen muss, dass man etwas drauf hat." Das dürfte für die ausgebildete Rettungsassistentin kaum ein Problem sein: Schließlich hat sie schon vier Jahre bei der Bundeswehr gedient, war sogar im Afghanistan-Einsatz.

Sie wollte schon früher bei der Feuerwehr arbeiten. "Ich habe mich mehrmals beworben", erzählt sie. "Beim dritten Anlauf hat‘s dann geklappt." Im Bereich des Tierschutzes zu arbeiten, kann sich Stephanie gut vorstellen. Ihre Abschlussprüfung wird sie wie die anderen 2012 ablegen.

 

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