Leipziger Straße. Wie von Geisterhand bewegt sich ein Webstuhl, im Taschenlampenlicht taucht im mannshohen Panzerschrank eine weiße Gestalt mit faustgroßen und kohlrabenschwarzen Augen hervor, von irgendwo zwischen dem Schmiedehämmern, dem Grade-Flieger und der Pilotenrakete ertönt ein gellender Schrei. Ein in weißem Leinen gehüllter "Flattermann" schafft sich allein durch seine Erscheinung freie Bahn in der riesigen Schar der Kinder und Erwachsenen – Abenteuerliches im Technikmuseum am Sonnabend zur besten Sandmännchenzeit.

Auf den bärtigen Gesellen haben fast 200 Kinder verzichtet. Sie haben zwischen "sieben" und halb neun zusammen mit den Eltern, mit Oma oder Opa für die Nacht der Ungeheuer in der alten Fabrikhalle an der Dodendorfer Straße entschieden. Auch Lars und Tom (7), Jana (sechseinhalb), Paul und Amelie (6) sind begeistert. Sie gehen mit der Taschenlampe im abgedunkelten Ausstellungssaal auf die Suche nach der Pferdestraßenbahn, dem GradeFlieger, dem Eimerkettenbagger, der Lokomobile, der Uralt-Bohrmaschine. Bei der "Schatzsuche" müssen insgesamt 12 Stationen gefunden werden. Sie sind auf einem Zettel vermerkt, den es am Eingang gibt. Außer dem Gruselspaß winkt die Belohnung: Je mehr Stempel sie vorweisen können, desto größer der Preis.

Hans-Werner Schmidt, Mitglied des Kuratoriums Industriekultur, ist einer der Erfinder der "Geisterstunde". Er freut sich wie alle seine ehrenamtlichen Mitstreiter über die Resonanz. Die 3. "Nacht der Ungeheuer" am Sonnabend schlägt mit 450 Teilnehmern alle Rekorde, sagt er. Anliegen sei es, den Mädchen und Jungen recht früh und interessant Berührung mit der Welt der Technik zu vermitteln. Unter Federführung des Ingenieurs und Pädagogen im Ruhestand sind jeden Monat einmal speziell für Kinder Veranstaltungen im Museum vorgesehen. Im März beispielsweise gehe es um Bionik.

Das Museum sieht einen wesentlichen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen. Im Vorjahr waren ca. 4000 Kinder hier zu Gast.

Das gehört zum generellen Anliegen des Museums, Zeugnisse der eindrucksvollen Magdeburger Industriegeschichte der Nachwelt zu erhalten. Es wurde 1995 eröffnet. Der Schwerpunkt der Sammlungen (2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche) liegt auf Maschinenbau. Das Museum war bis Juni 2006 städtisch und wurde dann von einem Trägerverein, dem Kuratorium Industriekultur, übernommen. Dem Gremium gelang es, die drohende Schließung abzuwenden.

Seitdem wird schrittweise das neue Museumskonzept umgesetzt, sagt Hans-Werner Schmidt. Dazu zählt der Grundsatz, Technik zum Anfassen zu bieten, Maschinen können teils von Gästen bedient werden. Das zieht auch Erwachsene magisch an. Zwischen 12 000 und 15 000 Besucher haben wir jährlich, sagt Hans-Werner Schmidt stolz.