Magdeburg. "So schlimm wie jetzt war es noch nie!" Gemeint ist die Krise von Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg und gesagt von einem Spieler, der es wissen muss – Stephan Neumann, seit 1991 bis auf eine Ausnahme (2002/03 Borussia Mönchengladbach II) ununterbrochen beim Club.

Der 29-jährige Vize-Kapitän fand nach dem schwachen 1:1 gegen den SV Wilhelmshaven deutliche Worte: "Ich hoffe, dass nun auch der letzte begriffen hat, dass wir gegen den Abstieg spielen. Zu mehr reicht es in dieser Saison nicht. Die Mannschaft steht zu Recht so weit unten, ist nicht besser als der derzeitige 13. Tabellenplatz."

Der FCM-"Dauerbrenner", der seit seinem Pflichtspiel-Debüt am 9. Dezember 2000 gegen den VfB Zittau mittlerweile stolze 261 Partien für die Blau-Weißen absolviert hat, beklagt aber nicht nur das sportliche Tief (nur ein einziger Punkt Vorsprung gegenüber den Abstiegsrängen), sondern auch die derzeit schlechte Außendarstellung des Vereins: "Es ist für uns Spieler eine ganz schwierige Situation, denn wir stehen allein da, wissen nicht, wie es weitergeht und an wen wir uns wenden sollen. Es fehlt einfach der Ansprechpartner." Und weiter: "In der Wirtschaft passiert es auch mal, dass der Chef nicht da ist, aber dann läuft der Laden trotzdem vernünftig weiter."

Gerade im Hinblick auf die neue Saison werden üblicherweise, so der gebürtige Magdeburger, in diesen Wochen die ersten Weichen gestellt. "Mit uns", stellt er lapidar fest, "hat diesbezüglich noch niemand geredet." Dabei endet auch sein Vertrag am 30. Juni des laufenden Spieljahres.

Neumann holt noch weiter aus und fühlt sich dabei in diesem Punkt voll bestätigt: "Es wird höchste Zeit, dass die Arroganz und Überheblichkeit, die bei gewissen Verantwortlichen weiterhin zu beobachten ist, endlich abgelegt wird. Ich war noch nie ein Freund davon, sondern schon immer ein Anhänger für mehr Bescheidenheit. Ich kann nur hoffen, dass sich das Ganze nicht noch extremer auf die Mannschaft auswirkt."

Die ersten 45 Minuten gegen Wilhelmshaven gehörten zu den schlechtesten in der MDCC-Arena überhaupt und dürften weitere Zuschauer vergrault haben. Neumann räumte schonungslos ein: "Kein Laufspiel, keine Ideen, kein Zweikampfverhalten, keine Emotionen!"

So jedenfalls wird es der FCM schwer haben, das nächste Abstiegsduell unbeschadet zu überstehen. Am Sonntag (13.30 Uhr) geht die Reise nach Bremen zum FC Oberneuland, wo man in der Vorsaison am 22. November 2009 mit 0:1 unterlag und damit frühzeitig das Unternehmen Aufstieg aus den Augen verlor. Diesmal geht‘s ums nackte Überleben ...