Die Zukunft des Neustädter Bahnhofs bewegt noch immer die Gemüter der Anwohner. Laut Objektverwalter soll es jedoch noch in diesem Jahr in der Vorhalle Bewegung geben. Der Bahnhof selbst wartet aber weiterhin auf positive Veränderungen.

Alte Neustadt. Betritt man die Bahnhofsvorhalle durch eine der beiden türenlosen und damit permanent offenstehenden Pforten, landet man beinahe in einem Laubhaufen. Fein säuberlich zusammengekehrt liegt er am Eingang des Gebäudes. Da der Wind aber ständig durch die zugige Halle pfeift, sieht es dort jedoch wenig pfleglich aus. Bei jedem Windstoß wirbeln die Blätter durch den großen Raum.

Auch der restliche Bahnhof bietet dem Reisenden einen wenig ansehnlichen Anblick. In dem kleinen Separee, wo sich der Fahrstuhl zum Bahnsteig befindet, riecht es derart streng nach Urin, dass man es dort kaum aushält. Darum ist es auch eines der Hauptanliegen der Neustädter, dass endlich wieder eine öffentliche Toilette im Bahnhof eingerichtet wird.

Zustand stört seit Jahren

Seit vielen Jahren schon liegt der klägliche Zustand des laut Stadt "wichtigsten Dreh- und Angelpunkts nach dem Hauptbahnhof" vielen Neustädtern besonders am Herzen. So wie Ralf Thiem, der ganz in der Nähe des Neustädter Bahnhofs wohnt und sich rührig um dessen Wohlergehen sorgt.

Regelmäßig schreibt er die von ihm beobachteten Missstände an die zuständigen Stellen bei der Deutschen Bahn. Nur helfen könne man ihm und dem Bahnhof dort auch nicht, heißt es immer nur, erzählt er beim Vor-Ort-Termin mit dem Volksstimme-Reporter.

Dabei hätte der Bahnhof Hilfe bitter nötig. Vor drei Jahren erwarb der internationale Investmentfonds Patron Capital Partners Hunderte Bahnhofsgebäude in Deutschland, darunter auch das 1899/1900 nach Plänen von Paul Michaelis erbaute Empfangsgebäude an der Gröperstraße.

Auf Volksstimme-Nachfrage beim Objektverwalter wollte man gestern zwar keine konkreten Angaben über mögliche Nachnutzungspläne bzw. Neuvermietungen machen. Dass es aber noch dieses Jahr zu Veränderungen kommen werde, ließ man sich dann immerhin noch entlocken. Nur wie diese aussehen werden bzw. wann genau es damit losgehen könnte, bleibt für den Moment noch offen.

Dabei bietet nicht nur die Vorhalle einen traurigen Anblick. Die wunderschönen braun, grün und cremefarben lackierten Ziegel an den Wänden bröckeln teilweise ab, besonders schlimm ist es am hinteren Aufgang zu den Gleisen 3 und 4. Die Holzgeländer an den Treppen sind morsch und splittern.

Die Tunneldecke hat mittlerweile eine tiefdunkelgrüne Farbe, da sich dort durch die ständige Feuchtigkeit Algen und Moose wohlfühlen. "Eine schöne Fahrt ins ¿Grüne‘", meint Ralf Thiem lakonisch. Die Ablaufrohre für das Regenwasser von den Bahnsteigen sind durchgerostet. "In den Löchern finden die Ratten Zuschlupf", hat er beobachtet.

"Nachdem es nun auch endlich wieder auf dem Vorplatz weitergeht", sagt Ralf Thiem mit einem Blick auf die Bauarbeiter, die derzeit die Löcher für die neuen Wartehallen ausheben, "wäre es doch noch schöner, wenn auch am Bahnhof selbst endlich etwas geschehen würde".

Moderne Pissoirs?

Bei der jüngsten Sitzung der AG Gemeinwesenarbeit (GWA) Alte Neustadt hatte der engagierte Bahnhofsfreund mit einem eigenen Dia-Vortrag erneut auf die Missstände hingewiesen. Dabei hatte er sogar einige, teilweise skurrile Vorschläge für die Toilettenmisere in petto.

Frei stehende Pissoirs mit Sichtschutz wie sie in Berlin an der Gedächtniskirche stehen, wären seiner Meinung nach eine Alternative.

Landesverkehrsminister Karl-Heinz Daehre hatte beim Spatenstich für den Bahnhofsvorplatz im Juli 2010 auch finanzielle Unterstützung von Landesseite für die Einrichtung einer öffentlichen WC-Anlage signalisiert. Und auch die Stadtverwaltung bekundete ihr Interesse daran, dass für die Notdurft der Reisenden bald etwas geschehe.

Sobald es konkrete Neuigkeiten darüber gebe, wann und wie es im Bahnhofsgebäude weitergeht, wolle man dies auch mitteilen, versprach der Objektverwalter im gestrigen Volksstimme-Gespräch.

 

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