Ein "Sex-Gänge-Menü" winkte den Passagieren der Liebesbahn am Montagabend nach der Fahrt mit einer historischen Straßenbahn durch das nächtliche Magdeburg. Was so vielversprechend klang, wollte sich natürlich niemand der rund 60 Reisenden entgehen lassen. Die aufgemotzten "Zugbegleiter" Nadja Gröschner alias Liebesgöttin Aphrodite und Frank Kornfeld alias Amor zogen am Valentinstag alle Register – zweideutige Anspielungen ließen die Zuhörer herzhaft kichern.

Die mit roten Herzen und Girlanden geschmückte Liebesbahn gondelte vom Museumsdepot Sudenburg Richtung Herrenkrug und zurück zum Ambrosiusplatz. Gespickt mit Anekdoten aus der Magdeburger Geschichte, plauderten Kornfeld und Gröschner nicht nur über den Ursprung des Valentinstages, über bekannte Magdeburger Liebespaare, allen voran Otto und Editha, sondern ebenso über das einstige Schloss von Magdeburg und heutige Justizministerium, über die Margarethensiedlung oder den Herrenkrug. Zwischendurch reichte das Duo kleine Stärkungen – Pralinen für die Linie und Schnaps für den Geist.

Nur Andreas Martini, Fahrer des historischen Triebwagens, ließ sich nicht beirren. Sicher und geübt steuerte er das besonders in den Kurven laut quietschende Gefährt durch die Straßen. Der Magdeburger, in der Hauptwerkstatt der Magdeburger Verkehrsbetriebe tätig, ist im Vorstand der Interessengemeinschaft Historischer Nahverkehr und Straßenbahnen, kurz IG Nah. Er ist ein Fan von alten Straßenbahnen: "Der erste Hechtwagen wurde übrigens 1938 in Magdeburg eingesetzt." Das halbautomatische Schaltwerk sei eine Besonderheit ebenso wie die Wagenform, die an die Kopfform des Hechts erinnert.

Zweiter Mann an Bord: Matthias Knoll, im "wirklichen Leben" Krankenpfleger, aus Interesse seit zweieinhalb Jahren Mitglied der IG Nah: "Ich habe mich schon immer für Straßenbahnen interessiert." Neugierig waren auch die Mitfahrer, meist Pärchen, die sich am Valentinstag diesen besonderen Ausflug gönnten. "Wir machen eigentlich fast jede Führung von Frank Kornfeld und Nadja Gröschner mit", lobten Roswitha und Wilfried Tittel: "Man erfährt so viel Neues über Magdeburg."

Andreas Rojek und Bernd Schubert wurden jeweils von ihren Frauen überrascht: "Na es ist mal etwas Besonderes." Letzterer schwärmt nicht nur für seine Heimatstadt, sondern auch für Paris. Seit 20 Jahren fährt Bernd Schubert jedes Jahr in die französische Hauptstadt. Sein Traum: "Ich möchte gerne eine Fotoserie über alle Stadtbezirke machen."

<6>Krönender Abschluss der Liebestour: Ein Sechs-Gänge-Menü bei Kerzenschein und Klaviermusik im Café Hirsch in der Feuerwache. Auch die Speisekarte ließ tief blicken: Als ersten Bissen gab‘s ein frivoles Pfläumchen, als 2. Gang eine Meeresfrucht im Kräutergarten, es folgte eine heiße Tomatensuppe mit aphrodisierenden Gewürzen, die Krönung mit Putengeschnetzeltem, eine Atempause mit Absinth und das glückliche Finale mit geeisten Himbeeren. (jha)<7><8><9><10>

   

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