Die Sicherung des Salbker Wasserturms und die Sanierung des Maschinenhauses rückt nach dem Kauf des Areals durch die Stadt näher. Damit geht ein alter Wunsch der Salbker in Erfüllung, dass der Turmpark wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ein neuer Film schlägt nun die Brücke zwischen Geschichte und Zukunft des Wasserturms. Nächste Woche hat der Film Premiere. Die Volksstimme sah ihn bereits.

Salbke. So sehr der Salbker Wasserturm in den Herzen der Südoster ein Wahrzeichen ist, so wenig ist im Grunde über ihn bekannt. Die dünne Faktenlage machte es den Autoren des 15-minütigen Films "Der Turmpark zu Salbke – gestern, heute, morgen" überaus schwer, Konkretes über die Funktionsweise in Erfahrung zu bringen. Doch genau das war der Anspruch von Gregor Schienemann, Bernd Werner und Marcel Wark: "Wir wollten zeigen, wozu der Turm einst diente, wie die Technik funktionierte und was es auf dem Gelände schon alles gab."

Während die Bahn nach der Schließung des RAW Salbke nahezu sämtliche alten Unterlagen in den Sperrmüll gab, fanden sich im Stadtarchiv nicht einmal eine Handvoll Fotos. Der Zufall brachte die Filmautoren zumindest stückweise voran. Denn bei einem der Ausflüge mit der Kamera zum Turmpark kamen die Autoren mit einem Spaziergänger ins Gespräch. Der frühere RAW-Angestellte verfügt über einige Originaldokumente. Auf diesen unerwarteten Schatz stützt sich die filmische Rekonstruktion der Wasserturmtechnik.

Der Turm war 1893/1894 im Auftrag der Königlich-Preußischen Eisenbahn-Gesellschaft zur Wasserversorgung für das 1895 eröffnete Reichsbahnausbesserungswerk Salbke gebaut worden. Sinn und Zweck war es, Elbwasser zu Trinkwasser zu machen, da Salbke erst um 1930 an die städtische Wasserversorgung angeschlossen wurde. Wie das technisch funktionierte, zeigt der Film eindrucksvoll anhand historischer Filmsequenzen und moderner 3-D-Animationen. Der Wasserbehälter des Turms fasste 1000 Kubikmeter Wasser und brachte es auf einen Wasserdruck zwischen 2,5 und 3,2 Bar.

Von Beginn an war der Turmpark nicht nur ein Industriegelände mit Turm, Kesselhaus oder Filterkeller, sondern stets auch ein Ort der Erholung. Denn gleich nebenan gab es eine RAW-Wohnsiedlung. Für sie wurde zwischen den Häusern eine Parkanlage geschaffen. Es gab mit der Gaststätte Turmpark ein Ausflugslokal, das später als Kantine genutzt wurde. Sogar ein Kino wurde betrieben. In einem Gebäude in der Nähe des Turms befand sich die Werkschule des RAW für den theoretischen Teil der Lehrlingsausbildung.

Nachdem der Turm seine Bedeutung für die Wasserversorgung verloren hatte, wurden die Absetzbecken als Freibad genutzt, Umkleideräume und Liegewiesen angelegt. Anfang der 1980er schloss das Freibad im Zuge der Eröffnung des Freibades am Salbker See I.

Den Bogen geschlagen

Die Filmautoren schlagen den Bogen der vielen historischen Nutzungen ins Morgen. In beeindruckenden Animationen zeigt das Trio, wie es sich eine künftige Nutzung vorstellen könnte: Im alten Maschinenhaus sehen sie Ateliers und einen Skulpturenpark, den der inzwischen gegründete Förderverein "Turmpark H2O" betreiben will. Für die Freiflächen im Park könnten sie sich Gastronomie und Veranstaltungen, einen Spielplatz und Wasserspiele im Absatzbecken vorstellen. Die frühere Berufsschule ist aus ihrer Sicht ideal geeignet für Kindergarten, Jugendtreff, Tagungsstätte, Vereinsheim oder Fahrradhotel. Im kaum bekannten Filterkeller unter der Erde, immerhin 80 mal 30 Meter groß, wäre jede Menge Platz für eine originelle Discolocation, für ein Veranstaltungs- und Konzerthaus, ja sogar für eine Bowlingbahn.

"Wir greifen den Grundgedanken der Erbauer von Turm und Turmpark wieder auf, viele Möglichkeiten für die Freizeit hier neu zu etablieren", sagt Marcel Wark.

Rathausspitze schaut zu

Sicher werden die meisten ihrer Träume nie Wirklichkeit. Doch sie überhaupt zu wagen, ist der erste Schritt, den vergessenen Turmpark Stück für Stück neu zu beleben. Dass die Stadt selbst ein profundes Interesse daran hat, beweisen nicht nur die bislang reservierten knapp 1 Million Euro für die Turmsicherung, sondern auch die Tatsache, dass das Stadtplanungsamt den Film in Auftrag gegeben und bezahlt hat.

Zudem hat sich zur offiziellen Uraufführung des Films am Donnerstag, 24. Februar, 18 Uhr, im "Gröninger Bad", Gröninger Straße, die Rathaus-Spitze angesagt. OB Lutz Trümper, Baubeigeordneter Dieter Scheidemann und Stadtplanungsamtsleiter Hans-Joachim Olbricht kommen ganz sicher. Vermutlich auch zahlreiche Landtagskandidaten und Stadträte.

Wenn alles richtig gut läuft, entspinnt sich nach der Aufführung ja sogar eine Diskussion. Erhofftes Motto: Wie könnten die Visionen des Filmtrios Realität werden?