Abiturienten aus den alten Bundesländern zum Studieren an die Elbe locken, davon träumen Universität, Hochschule und die Stadt. Mit den Campus Days 2011 versuchen sie gemeinsam, Argumente für den Studienort Magdeburg gen Westen zu tragen. Denn Zuziehende, so die einhellige Meinung, bereichern sowohl Stadtbild als auch Wirtschaft.

Magdeburg. Als Antonia Reinecke aus dem nordrhein-westfälischen Bad Driburg beschloss, zum Studieren ins knapp 200 Kilometer entfernte Magdeburg zu ziehen, war ihr Umfeld überrascht: "Was? Du gehst in den Osten?", wunderten sich Freunde und Bekannte. Doch für die 22-jährige VWL-Studentin war es die richtige Entscheidung, an die Elbe zu ziehen: "Keine Studiengebühren, alles bequem zu Fuß erreichbar und nette und sympathische Menschen." Magdeburg, so ihr Fazit nach drei Studienjahren, werde außerhalb "echt unterschätzt".

Abiturienten wie Antonia, die in den alten Bundesländern zu Hause sind und zum Studium in Richtung Osten, respektive nach Magdeburg, aufbrechen, sind wichtig für Uni, Hochschule und Stadt. Und ihre Bedeutung wird weiter wachsen. Auf Grund der demografischen Entwicklung sinkt die Zahl der hiesigen Abiturienten stetig, gegenüber 2009 nahm sie in Sachsen-Anhalt bereits um 50 Prozent ab.

Damit die Hörsäle auch in künftigen Jahren gut gefüllt sind, bemühen sich die Otto-von-Guericke-Universität, die Hochschule Magdeburg-Stendal und auch die Stadt selbst bereits seit einigen Jahren um auswärtige Abiturienten. Mit den diesjährigen "Campus Days" gehen sie einen Schritt weiter: Erstmals werben die Institutionen gemeinsam für ein Schnupperwochenende an der Elbe, um Campus, Stadt und Menschen kennenzulernen. Auf dem Programm stehen Lehrveranstaltungen, geführte Touren, etwa zum Müllheizkraftwerk, und eine große Abschlussparty.

Besonderer Clou: ein extra eingerichtetes virtuelles Reisebüro, das potenziellen Studenten ihren persönlichen Magdeburger Reiseleiter vermittelt. Etwa 160 Studierende haben sich bereits im Internet angemeldet und warten gespannt auf die Auswärtigen, denen sie – ganz nach persönlichen Interessen – Campus, Stadtpark oder die Kneipenszene am Hasselbachplatz zeigen können.

Außerdem soll eine groß angelegte Flyer- und Plakatoffensive, schwerpunktmäßig in Bayern und Niedersachsen, für die Campus Days und den Studienort Magdeburg werben: denn in beiden Bundesländern wird es 2011 einen doppelten Abiturjahrgang geben.

"Die Studenten haben für Magdeburg einen unschätzbaren Wert", sagt Oberbürgermeister Lutz Trümper anlässlich des Kampagnenstarts. Das mache sich besonders im Sommer bemerkbar, wenn die Studenten wegen der Semesterferien Magdeburg verlassen. "Dann ist das ein ganz anderes Stadtbild", so der OB.

Auch für die lokale Wirtschaft haben die Studenten eine große Bedeutung. "Wenn jeder Student monatlich 600 Euro in Magdeburg ausgibt", rechnet Trümper vor, "sind das bei knapp 20 000 Studenten beinahe 12 Millionen Euro." Geld, das z. B. bei lokalen Vermietern, Kneipen und Kultureinrichtungen ankommt. "Das ist ein riesengroßer Wirtschaftsfaktor", so der OB.

Doch Klaus Erich Pollmann, Rektor der Guericke-Universität, weiß um die Schwierigkeit, junge Menschen von auswärts von den hiesigen Vorzügen zu überzeugen. "Abiturienten haben die Neigung, in einem Umkreis von maximal 100 Kilometern ihres Heimatortes zu studieren", sagt er. Und Andreas Geiger, Rektor der Hochschule Magdeburg-Stendal, ergänzt: "Das Image der Stadt ist entscheidend. Wir müssen Vorurteile abbauen."

Bei Britt Launspach aus Niedersachsen ist das geglückt: Als die 22-Jährige einen Studienplatz suchte, "war Magdeburg meine letzte Wahl". Doch inzwischen ist sie vom Leben an der Elbe so begeistert, dass sie als Reiseleiterin bei den "Campus Days" auch andere Skeptiker überzeugen will.

   

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