Magdeburger Schifffahrtsexperten haben zur Feder gegriffen. In dieser großangelegten Serie schildern sie das Leben und die Entwicklung am bedeutenden Strom. Heute geht es um Schiffswerften.

Altstadt. Werften in Magdeburg?" werden sich viele junge Menschen fragen! "Nie gehört, wo sind sie?"

Aber sie gab es. Eine Werft, die in der nächsten Folge noch näher beschrieben wird, stellte ihren Betrieb erst nach 1990 ein. Aber auch andere Werften, die früher existierten, werden vorgestellt. Eine weitere große Werft in Magdeburg-Rothensee stellte bereits zu DDR-Zeiten die Fertigung von Schiffen ein (am 1.1.1970) und wurde kurioserweise ein Betrieb für Entstaubungstechnik. Darüber wird in einem späteren Beitrag zu dieser Serie noch gesondert berichtet.

"Der am Wasser baut ..."

Das Schiff, in welcher Bauform auch immer, wurde auf Schiffbauplätzen (heute sagt man Werften) gebaut. Das Wort Werft ist niederländischen Ursprungs und heißt so viel wie "Der am Wasser baut". Bis Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnete man als " Werft" in manchen Gegenden auch ein Flussufer, das für den Bau und die Reparatur von Schiffen eingerichtet war.

Schiffbauplätze in Magdeburg (sie wird es wohl schon viel früher gegeben haben) sind seit 1753 nachgewiesen. Ihre Nachfolger sind verschwunden, weil die Verkehrspolitik zunehmend auf andere Verkehrsmittel gesetzt hatte.

Aber zurück zu den Werften in Magdeburg. Die Quellen für die namentlich genannten Werften sind das Buch "Schiffbau an der Elbe" von Siegbert Zesewitz sowie Beiträge von ihm in der Zeitschrift "navalis". Dort wiederum wurde auf das Wissen von Herrn Otto Zimmermann aus Magdeburg hingewiesen.

Der 1753 erstmalig genannte Schiffbauplatz lag an der Alten Elbe. Ausgehend von dem gewaltigen Wachsen der Wirtschaft, der Industrie und des Handels war es folgerichtig, dass 1837 Magdeburger Kaufleute die "Magdeburger Elb-Schiffahrtsgesellschaft" gründeten.

Das erste Schiff dieser Gesellschaft wurde mitten in Magdeburg auf dem Gelände am (Alten) Packhof zusammengesetzt (1837/38). Dieser befand sich am linken Elbufer unterhalb der Johanniskirche (erbaut 1728-31). Bauteile, wie Kessel u. dgl. für die "KRONPRINZ VON PREUSSEN" kamen von überall her (aus Festzeitschrift von 1938 zur Erinnerung an die Hundertjahr-Feier der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf).

Das Packhofgelände war aber eigentlich zu klein, um Schiffe zu bauen.

Alfred Tischbein, ursprünglich aus Rostock (ein Nachfahre des Malergeschlechtes Tischbein), inzwischen Technischer Dirigent der zuvor genannten Schifffahrtsgesellschaft, warb bei Magdeburger Kaufleuten dafür, eine Werft und Maschinenfabrik zum Bau von Kesseln und Dampfmaschinen zu errichten. In Buckau, oberhalb der alten Sülzemündung, wurde ein Ackerstück von der Kloster-Berge-Stiftung gekauft und eine Werkstatt darauf errichtet. Es war ein bescheidenes Holzhaus, wovon in vielen heutigen Publikationen eine Abbildung gezeigt wird.

Im Volksmund wurde es "Alte Bude" genannt. Das Gebäude stand nicht lange und wurde später durch große massive Gebäude ersetzt. Der Begriff "Alte Bude" ist aber bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.

Die dann 1837 als "Maschinenfabrik und Schiffswerft der Magdeburger Dampfschifffahrts- Compagnie" gegründete Firma entwickelte sich zum zweitgrößten Unternehmen dieser Branche in Preußen (nach August Borsig, Berlin), und hatte um 1847 mehr als 700 Beschäftigte.

Das erste vollständig dort auf eigener Werft in Buckau fertig gestellte Schiff war 1840 der Dampfer "STADT MAGDEBURG". Ein weiteres technikgeschichtlich bedeutendes Produkt dieser Werft war der erste in Deutschland gebaute Kettendampfer "Nr. 1" aus dem Jahr 1866, es folgten weitere 11 Kettendampfer. Zuvor, in der Zeit von 1837 bis zum ersten Kettendampfer 1866, wurden bereits mehr als 50 Schiffe verschiedener Typen fertiggestellt. 1841 fusionierte die Firma zur "Vereinigten Hamburg-Magdeburger Dampfschifffahrts-Compagnie".

Gruson stellte den Bau von Schiffen ein

Nachdem die Firma 1884 in " Maschinenfabrik Buckau AG" umbenannt worden war, wurde bereits im Jahr darauf 1885/86 der Schiffbau eingestellt.

Da der Schiffbau anscheinend anfänglich viel Erfolg versprach, gründete 1855 der Ingenieur Hermann Gruson, welcher kurz vorher Technischer Leiter in der VHMDC war, ebenfalls an der Sülzemündung ein eigenes Schiffbauunternehmen. Aus Unterlagen geht hervor, dass es sich um "eiserne" Schiffe handelte. Die Betonung auf "eiserne" Schiffe ist insofern berechtigt, da zu dieser Zeit der Holzschiffbau auch noch von großer Bedeutung war.

Allerdings war das Angebot an Werften im Bereich Mittelelbe so groß, dass bereits 1857 der Schiffbau bei der Firma Gruson wieder eingestellt wurde und daraus eine Schmiede und Eisengießerei von später internationalem Ruf entstand.

Eine weitere Werft oberhalb Magdeburgs, in Westerhüsen, war die Werft von Wilhelm Gerloff (1893 erstmals nachgewiesen). Später wechselte der Besitzer und neuer Inhaber war Gustav Becker.

Nach einem Brand 1917 wurde die Werft nicht wieder hergerichtet.

Während der Blütezeit der "Maschinenfabrik und Schiffswerft der Magdeburger Dampfschifffahrts-Compagnie" gab es aber auch noch andere Werften in Magdeburg. Die Werft des Schiffbaumeisters Adam Brand senior lag am linken Ufer der alten Elbe unterhalb der heutigen Anna-Ebert-Brücke. Diese Brücke gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Ihr Vorgänger, die "Lange Brücke" reichte fast ab Zollbrücke bis über die Alte Elbe. Später, als der Winterhafen südlich der Zollbrücke in seiner ersten Fassung gebaut wurde, Adam Brand sich um ein Grundstück bewarb und es auch erhielt, lautete die Adresse "An der Langen Brücke".

Daraus könnte geschlossen werden, dass die Werft an der Alten Elbe und eine Werft im Winterhafen beide gleichzeitig von Adam sen. und Adam jun. betrieben wurden. Nachgewiesen um 1845 für die Werft an der Alten Elbe sind 20 Gesellen. Ein weiterer Schiffbaumeister, Matthias Rose, bis 1848 am linken Elbufer nachgewiesen, trat später aber auch noch in Erscheinung im Zusammenhang mit dem Winter(schutz)hafen.

Die Aufzählung geht weiter mit Schiffbaumeistern dieser Zeit: Heinrich Hester, linkes Elbufer (Hohe Pforte); Gottfried Lösche, vermutlich Rechtes Ufer Zollelbe (Werder); Anton Rapsilber, vermutlich linkes Elbufer Bereich Wallonerkirche. Die Werft von Franz König sei noch erwähnt, die 1904 als Reparaturwerkstatt im Neustädter Hafen (Handelshafen) gegründet wurde, der Betrieb lief bis 1914, obwohl sein Hauptsitz 1908 nach Hohenwarthe verlegt wurde. Bis 1937 hatte sie Bestand. Im Jahr 1912 waren dort ca. 80 Leute beschäftigt.

Schiffsbaumeister warben um Plätze

Im Jahr 1842 wurde durch die Stadt Magdeburg der Winterschutzhafen fertiggestellt, meist kurz als Winterhafen bezeichnet.

Dieser erstreckt sich südlich der Zollbrücke als Abzweig aus der Zollelbe. An den Ufern dieses Hafens bewarben sich Schiffbaumeister, um Schiffbauplätze auf diesem städtischen Gelände errichten zu können.

Mit der Verpachtung der Parzellen war nunmehr die Bezeichnung "städtischer Schiffbauplatz" entstanden. Siegbert Zesewitz hat in seinen Schriften ausführlich dargestellt, wie sich zum Beispiel die Schiffbaumeister Adam Brand sen. und Matthias Rose aus verschiedenen Gründen bemühten, am Winterhafen weitere Schiffbauplätze errichten zu dürfen, obwohl sie ja bereits Werften in der Nähe hatten.

Nach langen Verhandlungen erhielten sie zwei unterschiedlich große Parzellen zur Pacht. 1848 wurde der Pachtvertrag zwischen Brand und der Stadt unterzeichnet. Bereits ein Jahr danach starb Rose, und Brand übernahm das gesamte Grundstück. Es wurden wahrscheinlich überwiegend Reparaturen durchgeführt.

Unterlagen in städtischen Archiven weisen nur wenig Neubauten aus. 1880 ging die Werft in Konkurs. (Fortsetzung folgt)

 

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