Die geplante Verdunkelung am Westbau des Kunstmuseums Liebfrauenkloster weitet sich zum handfesten Streifall aus. Was die Befürworter Kunstprojekt nennen, ist für andere schlichtweg ein unpassendes funktionales Gestaltungselement.

Altstadt. CDU-Stadtrat Frank Schuster hat sich bereits eine feste Meinung gebildet. Die ausklappbare Verdunkelung sei erstens über Gebühr dominant am bedeutenden Bauensemble. Zweitens käme es zur Blendwirkung in gegenüberliegenden Gebäuden.

Nein, auch am nachträglichen Westbau müsse auf das romanische Baudenkmal rundherum Rücksicht genommen werden, ließ er im Bauausschuss wissen.

Dieser lehnte schließlich mit Stimmenmehrheit das geplante "Kunstprojekt Trans-Reflex" mehrheitlich ab.

Geplant: 17 Fenster mit verspiegelten Paneelen

Hinter dem Wortgebilde verbirgt sich – auf den Punkt gebracht – die zu erneuernde Verdunklung der Ausstellungsräume des Kloster-Westflügels. Aber sie sei, so Beigeordneter Rüdiger Koch in einem Gespräch mit der Volksstimme, durchaus als Kunst am Bau zu werten.

Denn: Für die Verdunkelung, die endlich die geschmacklosen Plastikjalousien ablösen soll, hat die Stadt in Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden das international renommierte Büro realities:united von Jan und Tim Endler geordert. Die Installation besteht aus beidseitig verspiegelten Paneelen je 1,6 mal 3,2 Meter, sagte er.

<6>17 Fenster sollen damit ausgestattet werden. Die jeweilige Position der Elemente wird elektrisch eingestellt. Sie dienen sowohl der Verschattung des Innenraums als auch der zusätzlichen Gestaltung der äußeren Fassade

<7>Finanziert von der Klosterbergestiftung

146 000 Euro kostet das Projekt. Es wird von der Klosterbergestiftung finanziert. Das sei angesichts knapper Kassen ein schönes Geschenk, sagt Karin Meinecke, Vorsitzende des Kulturschusses des Stadtrats. Ihr Ausschuss habe kürzlich das Projekt einstimmig gebilligt, moderne Kunst von außen, das passe durchaus zur inhaltlichen Nutzung des Liebfrauenklosters als Kunstmuseum.

<8>So jedenfalls hätten die anwesenden Räte begründet. Und im Inneren benötigen die Ausstellungsräume solide Möglichkeiten der Verschattung, sagte die Stadträtin (Die Linke).

Ähnlich argumentiert auch Olaf Czogalla (SPD), Vorsitzender des Bauausschusses.

Czogalla hatte zunächst Bedenken zur technischen Lösung. Er zog schließlich nach näheren Erläuterungen zu den technischen Ausführungen seine Einwände zurück und stimmte für die moderne Kunstversion.

Beigeordneter Rüdiger Koch erläutert zum Hintergrund: "Die in den Fensterachsen des Obergeschosses eingelassene Umgebungs-Spiegelung ist das zentrale Motiv der künstlerischen Gestaltung."

Die Visitenkarten und der Widerspruch

Koch weiter: Die spiegelnden Tafeln im Format der Fensteröffnungen würden im geschlossenen Zustand den Innenraum verdunkeln. Da sie im geöffneten Zustand in unterschiedlichem Winkel ausklappen, würden sie die Umgebung abbilden.

Das schaffe, so der Kulturbeigeordnete, eine "optisch visuelle Aktivität und Lebendigkeit". Seinen Ausführungen zufolge hätten die Künstler derartige "Medienfassaden in ähnlicher Form in Cordoba, in Graz, in Singapur gestaltet.

Aber noch nicht an einem denkmalgeschützten Gebäude von der Klasse des Liebfrauenklosters, hält Stadtrat Frank Schuster dagegen. Inzwischen hat sich zwar auch der Finanzausschuss für das Projekt ausgesprochen.

In den Fraktionen aber gehen die Meinungen weit auseinander. Am 3. März soll nun der Stadtrat über den Verdunkelungs-Streifall entscheiden.

   

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