Erst im Nachhinein stellte sich heraus, wie wichtig der unerwartete 2:1-Triumph von Fußball-Regionalligist 1. FC Magdeburg über RasenBallsport Leipzig am Sonntag war. Denn der Abstiegskampf spitzt sich, nachdem selbst der nach dem Trainerwechsel (André Breitenreiter für Jürgen Stoffregen) wiedererstarkte Tabellenvorletzte TSV Havelse wieder Mut schöpft, dramatisch zu.

Magdeburg. Nun war es gewiss nicht so, dass der FCM gegen Leipzig ein wahres Feuerwerk abbrannte. Nein, spielerisch blieben erneut viele Wünsche offen und vor allem nach der Pause die Konter schon im Ansatz stecken. Doch dafür stimmten Einstellung, Zweikampfverhalten und Moral, was auch von den Zuschauern honoriert wurde.

Trainer Ruud Kaiser hatte schon im Vorfeld betont, dass ein qualitativ besserer Gegner nur dann zu schlagen ist, wenn an einem solchen Tag alles zusammenpasst. Der Holländer stufte den Auftritt seiner Schützlinge auch deswegen so hoch ein, weil der Start zunächst gründlich danebenging und der Club nach einer Viertelstunde wieder einmal zurücklag: "Doch die Mannschaft ist, nachdem der Gegner wie schon wie so oft in der laufenden Saison mit der ersten Chance gleich ein Tor macht, diesmal nicht eingebrochen, hat in der Defensive die Ordnung und Organisation behalten."

Und der 50-Jährige blickte sogleich nach vorn: "So muss es jetzt am kommenden Sonn-abend in Wolfsburg weitergehen. Aber nicht nur dort, sondern die Mannschaft muss auch in den nächsten Wochen an diese Leistung anknüpfen."

Dass der Club dazu in der Lage ist, nachdem mit dem ersten Sieg im Jahr 2011 endlich der Bock umgestoßen wurde, unterstrich Vize-Kapitän und Torschütze Stephan Neumann: "Wir haben in den letzten Wochen soviel auf die Fresse bekommen, da ist es absolut erfreulich, dass es uns gelungen ist, ein solches Spiel noch zu drehen. Und plötzlich standen auch die Zuschauer wieder hinter uns. Das 2:1 war ein Symbol für den Trainer, für die Fans und für uns."

Der 29-Jährige verriet: "Wir hatten uns schon die ganze Woche heiß gemacht. Motto: RB ist zu diesem Zeitpunkt genau der richtige Gegner, weil wir absolut nichts zu verlieren haben." Und: "Klar rutscht man nach einem frühen Rückstand wieder in ein kleines Tief, doch dann führte mein Sonntagsschuss glücklicherweise zum 1:1."

Für Neumann war es im 263. FCM-Pflichtspiel sein neunter Treffer – allerdings nicht der bedeutendste: "Den habe ich in der Aufstiegssaison 2005/06 bei Sachsen Leipzig erzielt." (Am 6. November 2005 gewann der Club vor 10 500 Zuschauern durch ein Neumann-Tor in der 71. Minute mit 1:0/d. Red.).

Damals endete das Spieljahr mit einem Happy End. Und diesmal? Der Club schwebt weiterhin in akuter Abstiegsgefahr, muss nun gegen Wolfsburg, Lübeck und Plauen ran. Deswegen sagte Neumann auch völlig zu Recht: "Der Sieg war enorm wichtig. Aber es sind nicht mehr als drei Punkte."