Die Rodung des nahezu kompletten Grünstreifens an der Leipziger Chaussee macht nach wie vor viele Anwohner wütend. Der Behauptung der MVB, dass vor Beginn der Fällarbeiten alle Bäume gekennzeichnet waren, widersprechen nun immer mehr Augenzeugen.

Leipziger Straße/Reform. Unter der Überschrift "Radikaler Baumschnitt macht Weg für Bahnen frei" hatte die Volksstimme am vergangenen Freitag (25. Februar) erste Fotos der Rodungsarbeiten veröffentlicht. Zudem zitierte die Redaktion MVB-Mitarbeiterin Birgit Münster-Rendel mit den Worten, dass der radikale Rückschnitt ebenso notwendig wie genehmigt ist.

Dieser Aussage widersprechen Anwohner wie Margrit Reinert aus der Straße C nicht: "Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass die Fällungen von der Naturschutzbehörde im Umweltamt genehmigt wurden, denn nach der Baumschutzsatzung der Stadt ist dies ja vorgeschrieben." Fällgenehmigungen seien für Bestände, die im Rahmen einer zeitweiligen Begrünungsmaßnahme (z.B. auf Brachflächen oder wie hier Vorhaltefläche für Straßenbahn) gepflanzt worden sind, nicht zu verhindern.

Dennoch hält Margrit Reinert einen derart radikalen Kahlschlag nicht für notwendig: "In meinen Augen ist das sogar kriminell." Schließlich sei das Umweltamt laut Satzung verpflichtet, Bäume zu schützen und nicht zum Tode zu verurteilen.

Im genannten Volksstimme-Artikel war Birgit Münster-Rendel mit dem Satz zitiert worden: "Sowohl die zu fällenden Bäume, als auch die nicht zu fällenden Bäume sind gekennzeichnet." Dem widerspricht Volksstimme-Leserin Margrit Reinert: "Das trifft nur auf den Bereich der Leipziger Chaussee zwischen Neptunweg, Straße A und Planetenweg zu. Dort wurde wirklich vorbildlich gehandelt. Aber zwischen Planetenweg und Milchstraße, entlang der Straße C wurde nicht ein einziger Baum irgendwie gekennzeichnet."

Und weiter schreibt die Leserin: "Als wir am vorletzten Mittwoch von der ausführenden Firma voller Entsetzen erfuhren, dass hier die Schilder nicht vergessen wurden oder später angebracht werden sollen, sondern in den nächsten Tagen begonnen wird, alles zu roden, wandte ich mich u.a. per E-Mail an die MVB und das Umweltamt mit der Bitte, diese Entscheidung schnellstens zu korrigieren und wenigstens eine Reihe oder einige der alten, gesunden Bäume als Schatten- und Sauerstoffspender sowie Vogelnistmöglichkeiten stehen zu lassen."

Während sie von den MVB auf die Sprechstunde am Mittwoch im Info-Container verwiesen wurde, bekam sie eine Einladung in das Umweltamt zwei Tage später. Margrit Reinert: "Da sah es bei uns aber schon aus wie auf einem Schlachtfeld. Die gefällten Bäume standen übrigens genau in der Flucht der "Stehenbleiber" an der Straße A. Sie hätten also beim Trassenbau genauso wenig gestört. Und gesund waren sie auch. Aus welchem Grund also wurden sie vom Umweltamt als nicht erhaltenswert eingestuft?"

Der Blick auf dieses Schlachtfeld mache sie unendlich traurig und wütend: "Ich überlege ebenso wie Detlef Leue, tatsächlich Strafanzeige zu stellen. Ändern kann man hier nun zwar nichts mehr, aber vielleicht durch eine Anzeige ähnliche Entscheidungen verhindern."

 

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