Heute um 12.30 Uhr wird damit begonnen, dem "blauen Riesen" im Breiten Weg wieder Leben einzuhauchen. Dann soll offizieller Baustart für die Sanierung des "Hauses der Lehrer" sein. Bauminister Karl-Heinz Daehre, OB Lutz Trümper und Wobau-Chef Heinrich Sonsalla wollen den Heilungsprozess symbolisch in Gang bringen.

Altstadt. Das "Haus der Lehrer" stand vom ersten Tag an im Blickpunkt der Magdeburger, nicht nur wegen seiner tatsächlich herausragenden Position im Breiten Weg, sondern auch wegen seiner Funktion. Für Kultur und Volksbildung, Schulpolitik, aber auch für Freizeit und Unterhaltung stand das moderne Gebäude, das am 12. Juni 1970 seiner Bestimmung übergeben wurde. Wo einst die Türme der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Katharinenkirche gen Himmel ragten, erhob sich dann der 12-Geschosser "Haus der Lehrer" als höchstes Gebäude im Breiten Weg. Blick- und Treffpunkt war der architektonische "Monolith" und seine Bauweise galt 1970 als modern, wovon der Architekturführer "Magdeburg – Architektur und Städtebau" zu berichten weiß. Klub- und Seminarräume, ein Amateurfilmstudio, ein großer Mehrzwecksaal, Büros und Gaststätten, beispielsweise der bei den Magdeburgern beliebte Weinkeller "… in vino veritas", waren im "HDL" zu finden, eine Mischung aus offizieller Schulpolitik und buntem Kulturleben.

Nach der Wende dann begann der Niedergang des blauen Riesen im Breiten Weg. Er schien überflüssig zu sein. Ein paar Jahre beherbergte er noch Teile des Kultusministeriums von Sachsen-Anhalt, dann war Schluss. Der Baukörper litt zusehends an der Menschenleere, um Wandalen abzuwehren, mussten die Untergeschosse massiv gesichert werden. Einzig als Plakatwand war das "Haus der Lehrer" noch von Nutzen. Oder als Mahnmal, wie bei einer großen Fotoaktion, bei der in jedem Fenster ein Bürger "Gesicht gegen Rechts" zeigte.

Immer wieder gab es Investoren mit Konzepten, die aber alle am Geld scheiterten. Im Rathaus und bei der Eigentümerin, der Magdeburger Wobau, schlich sich langsam Resignation ein. Bis zum vergangenen Jahr. Da entschloss sich die Wobau, nicht mehr auf die Gunst von Investoren zu setzen, sondern den markanten, denkmalgeschützten 12-Geschosser selbst zu retten. Er wird zukünftig "Katharinenturm" heißen, sogar noch um zwei Stockwerke wachsen und eine Bar auf dem Dach bekommen. Wohnungen sollen entstehen und Geschäfte und an die ehemalige Katharinenkirche werden ein Tor und die symbolische Darstellung des Kirchengrundrisses erinnern.

Damit ist das "HDL" als das höchste Gebäude im Breiten Weg gerettet. Ob es auch wieder zu einem kulturellen Fixpunkt wird, bleibt offen.<6><7><8>

   

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