Am Amtsgericht hat gestern der Prozess gegen Manuel W. und Ralf S. begonnen, die mit zwei gemeinsamen Bekannten einen Ecuadorianer zusammengeschlagen haben sollen. Der erste Verhandlungstag drehte sich um die Frage, ob die Tat einen rassistischen Hintergrund hat oder das Opfer zufällig ausgewählt worden ist.

Altstadt. Dass sich Strafverteidiger und Opferanwalt einig sind, ist eine seltene Sache bei Gericht. Beim gestrigen Prozessauftakt gegen die vier Männer, die Mitte Dezember einen ecuadorianischen Studenten zusammengeschlagen haben sollen, stimmten die beiden Parteien aber in einem Wunsch überein : Die Anklage solle gleichzeitig gegen alle vier der mutmaßlichen Täter erhoben werden. Weil zwei der Beschuldigten dem Prozess fernblieben und so die Eröffnung des Verfahrens verhinderten, hatte Richterin Eichelbaum mit dem Gedanken gespielt, deren Strafverfahren von dem der Anwesenden abzutrennen.

Wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Diebstahl sollten Steven G. ( 18 ), Olaf K. ( 47 ), Ralf S. ( 28 ) und Manuel W. ( 23 ) angeklagt werden. Ihnen wird vorgeworfen, am 18. Dezember gegen 4 Uhr morgens mit dem Ziel umhergezogen zu sein, jemanden " abzuziehen ". An der Haltestelle Lübecker Straße / Kastanienstraße sollen sie auf den Ecuadorianer José Luise C. ( 24 ) getroffen sein und zugeschlagen sowie zugetreten haben, so dass dieser mit Schädel-Hirn-Trauma und Nasenbeinbruch ins Krankenhaus gebracht werden musste. Auch seine Begleiterinnen Surinam M. ( 29 ) und Monika F. ( 25 ) werden bei dem Angriff verletzt.

Bei der Polizei sagen die Opfer später aus, dass die Angreifer " Scheiß Ausländer " gerufen haben und einer von ihnen ein TShirt mit dem Aufdruck der rechtsradikalen Band " Landser " getragen haben soll. Trotzdem geht die Polizei anfangs davon aus, dass es sich vermutlich nicht um eine ausländerfeindlich motivierte Straftat handele.

Ob José Luise C. nun ein Zufallsopfer war oder nicht, wollen neben dem Gericht auch die etwa 40 Prozessbeobachter wissen, die sich am Mittwochmorgen im Amtsgerichts eingefunden haben. Viele sind Studenten, anwesend sind auch Vertreter der Ecuadorianischen Botschaft. Gegen Mittag, nachdem Richterin Eichelbaum die beiden abwesenden Beschuldigten mit einem Vorführbefehl hat suchen lassen und nicht fündig wurde, wird deren Gerichtsverfahren schließlich abgetrennt. Dabei wollte der Opferanwalt genau das vermeiden, um Zeugen die nun nötige doppelte Aussage zu ersparen ; die Strafverteidiger, weil sie Nachteile für ihre Mandanten fürchten.

Als das Verfahren mit dreieinhalbstündiger Verspätung schließlich eröffnet wird, schweigt der bereits in Untersuchungshaft sitzende Manuel W. beharrlich und beruft sich auf seine Aussage, die er einst vor dem Haftrichter tätigte. Darin hatte er zugegeben, in der besagten Nacht José Luise C. ins Gesicht getreten zu haben. Weitere Fragen will der 23-Jährige, der auf seinem Hals ein rechtsextremistisches Symbol tätowiert hat, nicht beantworten.

Der Angeklagte Ralf S ., gelernter Mediengestalter und in einem Callcenter tätig, ist da redseliger. Von seinem Verteidiger lässt er eine sechsseitige Erklärung vorlesen, in der er die Tatnacht rekonstruiert, eine rechtsextremistische Haltung vehement bestreitet und die Opfer mehrmals um Verzeihung bittet. Rechtsradikalismus sei für ihn ein rotes Tuch, heißt es etwa in seiner Erklärung.

Neben der Rekonstruktion des Tathergangs legen Richterin Eichelbaum und die Staatsanwaltschaft bei ihrer anschließenden Befragung den Schwerpunkt ebenfalls auf einen potentiellen rassistischen Tathintergrund. Von Ralf S ., der nach eigener Aussage nach der Rückkehr von einer Betriebsweihnachtsfeier in der Wohnung seines Nachbarn Steven G. Musik hörte und deswegen noch kurz vorbeischauen wollte, will die Richterin wissen, woran er die rechtsradikale Musik erkannt habe. " Wegen der Parolen im Text ", sagt Ralf S. Dass er später in der Nacht bei dem Überfall auf José Luise C. beteiligt war und das Opfer in den Rücken trat, gibt er zu.

" Wir sind zufrieden, dass die rassistische Motivation im Mittelpunkt stand ", sagt eine Mitarbeiterin der Ecuadorianischen Botschaft nach dem ersten Verhandlungstag. Eine rassistische Motivation könnte Auswirkungen auf das Strafmaß haben. Der Prozess wird am 18. März fortgesetzt.