Seit Jahren streiten Befürworter und Gegner über den Wiederaufbau der Ulrichskirche. Unterm Strich ist anzuerkennen: Beide Seiten werben für ihre Positionen mit besten Absichten für die Stadtentwicklung. 12 Tage vor der Wahl startet die Volksstimme ihre Serie zum Bürgerentscheid. Bis zum Wahltag werden wir die Vorbereitungen begleiten und Prominente in Gastbeiträgen zu Wort kommen lassen. Gestern besuchte die Volksstimme das Briefwahllokal.

Altstadt. "Bitte hier entlang." Karl Reidemeister und seine Kollegen haben dieser Tage viel zu tun. In den engen Verwaltungsräumen Am Katzensprung 2 (Rückseite Neues Rathaus) empfängt der Mitarbeiter der Briefwahlstelle Magdeburger, die sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht erst am Wahltag, sondern schon jetzt an Bürgerentscheid und Landtagswahl beteiligen wollen.

Knapp 9000 Elbestädter haben ihre Entscheidungen schon getroffen. Viele von ihnen sogar persönlich vor Ort, die von Karl Reidemeister und seinen Kollegen bei Bedarf zum Prozedere, aber nicht zur Wahlentscheidung beraten werden. "Am ersten Tag gab‘s sogar eine richtige Schlange", weiß Kreiswahlleiter Holger Platz zu berichten, der sich über das Gedränge freut. "Wir hoffen natürlich auf eine möglichst hohe Beteiligung an Bürgerentscheid und Landtagswahl." Nach den ersten Tagen und rund 9000 abgegebenen Stimmen sieht die Prognose recht gut aus. Bisher sind mehr Briefwahlstimmen eingegangen als bei der vergangenen Landtagswahl ohne einen zeitgleichen Bürgerentscheid. Das sei ein gutes Zeichen, aber noch kein sicheres für eine höhere Wahlbeteiligung, so Holger Platz, weil sich ganz allgemein immer mehr Leute für eine Briefwahl entschieden. Fakt ist: Wer nicht bis zum 20. März warten will oder kann, ist im Katzensprung 2 richtig. Mit der Wahlbenachrichtigung kann vor Ort sofort abgestimmt werden. Das Prozedere für die Briefwahl ist in der Wahlbenachrichtigung genau erklärt. Aufpassen muss jeder Wähler trotzdem, weil die Fragestellung beim Bürgerentscheid "Sind Sie gegen den Wiederaufbau der Ulrichskirche?" anfällig ist für Missverständnisse. Das fand auch Wählerin Birte Löffler. "Ich musste zweimal überlegen, wie die Frage gemeint ist", sagte sie nach dem Wahlgang der Volksstimme.

"Ja" heißt "Nein" zum Wiederaufbau, "Nein" das Gegenteil …

(* Nachfolgend startet die Serie mit Gastbeiträgen von Personen des öffentlichen Lebens. Die Bischöfe der evangelischen und katholischen Kirche lehnten das Angebot der Volksstimme ab.)<6>

   

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