Totgesagte leben länger – das gilt auch im Fall der schon legendären "Lebensmitte" in Olvenstedt. Der einstige Arbeitslosen- und Stadtteiltreffpunkt für Jung und Alt ist zwar Geschichte, doch die Idee lebt weiter. Und mit ihr die engagierten "Lebensmittler", wie sie sich nennen. "Wir sind wieder da!", sagt kämpferisch Marina Gräf, Urgestein der Olvenstedter Bewegung, die 1999 entstanden, im vergangenen Jahr aber von der Bildfläche verschwunden war.

Neu-Olvenstedt. Es ist Frauentag, und die "Lebensmittler", Frauen und Männer, feiern am vergangenen Montag gemeinsam in Olvenstedt. "Die Männer haben für leckere Speisen gesorgt, um uns Frauen eine Freude zu bereiten", erzählt Marina Gräf, deren Name eng mit der "Lebensmitte", dem Bürgerprojekt von Olvenstedtern für Olvenstedter, verbunden ist.

Andere bekannte "Lebensmitte"-Gesichter sind in der Runde schnell auszumachen. "Aber Sie sehen: Vom Kleinkind bis zum Rentner sind alle Generationen dabei, wie ge- habt", sagt Marina Gräf.

Neuer Mut

Alte und neue "Lebensmittler" treffen sich seit Jahresbeginn jeden zweiten Montag im Stadtteilcafé des Trägers "Die Brücke" am Bruno-Taut-Ring 178. Denn eigene Räume hat die "Lebensmitte" schon lange nicht mehr. "Viele von uns standen aber weiter in Kontakt, und auch bei mir haben sich immer wieder Leute gemeldet und gesagt: ,Wir wollen uns unbedingt wieder treffen.‘", erzählt Marina Gräf. "Dabei wohnen viele von uns durch den Stadtumbau nicht mehr in Olvenstedt, aber die Verbindung zum Stadtteil ist nach wie vor eine enge."

Rückblick: Im November 1999 hatten Stadtteilbewohner mit Unterstützung der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Bürgerinitiative Olvenstedt die "Lebensmitte" aus der Taufe gehoben. In einer ehemaligen Kita am Rennebogen krempelten sie die Ärmel hoch, um sich einen Treff zu schaffen und Hilfe zur Selbsthilfe, insbesondere für Arbeitslose, zu organisieren und Nachbarschaftsstrukturen wiederzubeleben. Sie traten gegen Einsamkeit und Mutlosigkeit an.

Die "Lebensmitte" wurde mit der Zeit ein stadtbekanntes Olvenstedter Vorzeigeprojekt, das manchen Nachahmer fand und von der Hochschule mit einem Forschungsprojekt begleitet wurde. Über viele Jahre von einem kleinen Verein und vor allem vom großen ehrenamtlichen Engagement getragen, wechselte die Lebensmitte 2006 in die Trägerschaft der Caritas.

Einsatz im Stadtteil

Mit der Eröffnung eines sozialen Zentrums der Caritas am Bruno-Beye-Ring (ehemalige Wobau-Geschäftsstelle) zog auch die "Lebensmitte" 2009 zu ihrem zehnten Geburtstag dort mit ein. Doch einige Monate nach der großen Feier sagte Marina Gräf: "Viele Ehrenamtliche der ,Lebensmitte‘ haben sich inzwischen zurückgezogen. Wir fühlen uns nicht mehr zu Hause in der Begegnungsstätte."

Zu den Ursachen gab es von beiden Seiten verschiedene Erklärungen. Für Marina Gräf gipfelte die Misere jedoch in der offiziellen Streichung des Namens "Lebensmitte". Seither heißt der Treff am Bruno-Beye-Ring "Begegnungsstätte Jung & Alt".

Die "Lebensmitte" ist nun am anderen Ende des Stadtteils wieder aufgetaucht. Mit der "Brücke"-Geschäftsführung habe es nach einem Gespräch rasch die Einigung gegeben, dass die "Lebensmitte", nunmehr ein loser Zusammenschluss von Magdeburgern, sich erst einmal regelmäßig dort im Stadtteilcafé treffen darf. Zunächst bis zum Juni dieses Jahres haben Gräf und Co. ein Veranstaltungsprogramm aufgestellt.

"Wir sind wieder da!" – Das wollen die "Lebensmittler" am 19. März demonstrieren. "Da werden wir uns am Frühjahrs- putz in Olvenstedt beteiligen", kündigt Gräf an.