Zum Beitrag "Fahrschein-Posse: 72-Jähriger löst ein teureres Ticket und zahlt trotzdem Strafe", Volksstimme vom 9. März, löste ein großes Leserecho aus. Die Redaktion druckt Auszüge aus Briefen:

Beim Lesen des Berichts reibt sich der verständige Bürger Magdeburgs verwundert die Augen. Gab es da von irgendeinem Vorgesetzten die Zielvorgabe zu beweisen, dass die MVB fester Bestandteil der Service- und Dienstleistungswüste Deutschland sind? Was in dem vorgestellten Fall Kundenorientierung oder "Kulanz" ist, wird wohl auf ewig das Geheimnis der MVB bleiben.

Im Ernst, als Jurist stellt man sich die Frage, was der Nutzer der MVB dieser denn überhaupt als Gegenleistung für die Beförderung schuldet? Man sollte meinen, die Entrichtung eines der Fahrtstrecke entsprechenden Beförderungsentgeltes.

Oder sollte es statt dessen vielmehr der Besitz eines ganz bestimmten bunten Zettelchens sein und die Zahlung des Fahrpreises völlig nebensächlich? Und wehe, man hat das falsche Zettelchen erwischt …?

Ich befürchte, die MVB würden in einem solchen Fall vor einem Zivil- und Strafrichter eine hübsche Niederlage einfahren, denn um ein "Schwarzfahren" handelt es sich hier gerade nicht. Oder wollen die MVB dem Rentner auch noch unterstellen, er hätte die Absicht gehabt, das Beförderungsentgelt nicht zu entrichten, obwohl er nachweislich mehr gezahlt hat als notwendig? Absurd!

Käme es auf das besagte bestimmte bunte Zettelchen an, könnten die MVB ihre Schwarzfahrerquote beliebig erhöhen, indem sie möglichst komplizierte Automaten mit vielen verschiedenen Tasten aufstellten, durch die der ungeübte Fahrgast möglichst nicht durchsteigt. Den richtigen Preis bezahlt, aber die falsche Taste gedrückt und schon darf man ein erhöhtes Benutzerentgelt zahlen. Ich kann nur hoffen, dass ich selbst niemals in die Fänge der MVB gerate, da Schilda dort ja allgegenwärtig zu sein scheint. Obwohl, eigentlich könnte man den Prozess ja beruhigt abwarten …

Thorsten Führing, Magdeburg


Ein Rentner drückt einen falschen Knopf. Er fährt nicht schwarz und hat sogar für seine Strecke zu viel Geld bezahlt. "Wir haben Verständnis für die Verärgerung", sagt eine MVB- Sprecherin, kassiert vom kleinen Rentner aber 22 Euro. Hat sie mal darüber nachgedacht, wie viel Geld das für die meisten Rentner ist? Die Kontrolleure unserer öffentlichen Verkehrssysteme sollten mal überlegen, ob es nötig ist, solch einen Fall anzuzeigen u. ä. Wo bleibt die Menschlichkeit?

Christina v. Barnekow, 39291 Lostau


Nach dem Lesen des Beitrages kann ich einfach nicht anders: "Ich schäme mich für die MVB und fühle mich ganz erbärmlich!!!" Herr Hans-Georg Loesche ist eindeutig kein Schwarzfahrer, denn er hatte ja einen Fahrschein, nur einen falschen! Und: Er hatte auch eine nachvollziehbare Erklärung dafür!! Und: Er hatte mehr bezahlt als nötig!!

Da wäre es doch tatsächlich zu erwarten, dass man dort – zumindest bei den MVB – Kulanz walten lässt. Ich bin gegen Schwarzfahrer, aber gegen richtige Schwarzfahrer! Es ist zudem eine "einzelfallgeregelte" Frechheit, sich hinter der Auslegung zu verstecken, dass kein richtiger Fahrschein automatisch kein Fahrschein ist, wo bleibt da das menschliche Verständnis für die alltäglichen Situationen. Ich habe es selbst schon mehrfach erlebt, dass ältere Bürger und Brillenträger Probleme haben, die Fahr- scheinautomaten zu bedienen.

Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Herr Hans-Georg Loesche es wegen der geschilderten Kurvenfahrt und seines unsicheren Standes nicht geschafft hätte, überhaupt ein Ticket zu lösen bevor der Kontrolleur gekommen wäre … Was wäre dann? Schwarzfahrer oder was? Wo bleibt die Achtung vor den Menschen und vor dem Alter?

In der Holffnung, dass sich da doch etwas bewegt

Erich Rollert, Magdeburg


Als ich die Zeitung aufschlug, schaute ich erst einmal auf das Datum.

Nein, der 1. April ist noch weit weg, der Artikel zur Fahrschein-Posse hätte aber besser zu diesem Datum gepasst.

Liebe MVB: Wie unwillig muss man eigentlich sein um dazuzulernen? Aus welcher Position heraus verstehen sich die MVB als "Dienstleister"?

Es gibt eine Stelle, die sich "MVB-Marketing" nennt. Offensichtlich wird hier alles unternommen, um einen Platz als Kabarett 1. Klasse zu belegen. Marketing bedeutet Kunden zu gewinnen und die Firma nach außen zu vertreten, Produkte so anzubieten, dass der Kunde gern diese Produkte kauft und damit zufrieden ist.

Üblicherweise wechselt der Kunde den Anbieter, wenn ihn die Qualität der Produkte nicht zufriedenstellt. Nun sind die MVB in der bequemen Situation als alleinige Anbieter im Stadtgebiet das Monopol für den Nahverkehr anzubieten. Und damit ist meiner Meinung nach alles erklärt. "Kaufen oder laufen!", soll das das Motto der MVB sein?

Versucht es doch einmal mit "Fahren und sparen!" Der Artikel zeigt mir die Arroganz in bestimmten Führungsetagen zur Lage der MVB. Hagelte es in letzter Zeit Kritik an den neuen Fahrplänen – die MVB sehen keinerlei Grund zu regulieren oder zu korrigieren.

Mit einer solchen, offensichtlich gewollten Basta-Mentalität gewinnt man keine neuen Kunden. Wer kann, fährt weiter Auto – versprochen!

Oberste Priorität einer Firma sollte immer die Frage sein "Was mache ich besser, oder was kann ich besser machen als die Konkurrenz?"

Leider gibt es diese nicht und so bleibt alles beim Alten, immer nach dem Motto: Das war schon immer so! Übrigens, in anderen Bundesländern kann ich mit einem Sonntagsticket (durchaus erschwinglich!) den ganzen Tag mit Tram, U-Bahn oder Bus in einer Stadt fahren – und sogar mit diesem Ticket viele Museen besuchen, die Karte gilt gleichzeitig als Eintrittskarte.

Hier in Magdeburg bezahle ich ein kleines Vermögen, wenn ich sonntags die Fähren mit Fahrrädern und Kindern nutze. Gut, dass es in anderen Städten funktionierendes Marketing gibt.

Den Magdeburger Verkehrsbetrieben kann ich nur empfehlen, ein solches Seminar vor der nächsten Preisanpassung zu belegen. Zum Artikel bleibt mir nur ein Kopfschütteln übrig!

Ralph Huber, 39114 Magdeburg


Am besten die MVB ergänzen ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen mit dem Hinweis: Ein Fahrausweis ist nur gültig in Verbindung mit roten Schuhen und einer Narrenkappe. Da könnten sich doch noch viel mehr Strafgebühren eintreiben lassen. Unglaublich der Vorfall!

Peter Schmidt, Oschersleben


Ich wusste es doch, die Schildbürger leben noch und zwar gut bezahlt und gehegt und gepflegt, direkt hier in unserer schönen Landeshauptstadt Magdeburg. Ich schlage vor, damit sich alle anderen Magdeburger an diesen putzigen Exemplaren erfreuen können, die Bilder von ihnen in entsprechender Größe und gut sichtbar in allen Bahnen und Bussen auszuhängen. In der Reihenfolge: der Kontrolleur, die Dame aus dem Kundenzentrum und zum guten Schluss die hinzugezogene Vorgesetzte.

Wollen wir doch mal sehen, ob sich so eine Posse dann noch einmal wiederholt oder ob man so was wie den gesunden Menschenverstand in Zukunft auch hier bei uns und vor allem in den MVB statt der Geldgier den Vorzug gibt.

In der guten Hoffnung auf ein Wunder!
Silvia Oelze, 39110 Magdeburg