Interessante Künstler gibt es nicht nur im boomenden Künstlerviertel Buckau. Als Beweis dafür steht Martin Schöbel aus Alt-Olvenstedt. Gemäß seinem Motto "Kunst ist Leben und Leben ist Kunst" ist es seine Leidenschaft, sich durch moderne Werke auszudrücken und andere für sie zu begeistern. Sogar sein Zuhause hat einen ganz eigenen Künstlercharakter. Die Volksstimme besuchte den Familienvater zu Hause im Sauren Tal.

Alt-Olvenstedt. Vor dem Schöbelschen Eigenheim stehen Plastiken und Skulpturen. Beim Eintreten ins Haus glaubt man fast, in einer Galerie gelandet zu sein. Überall sind Gemälde, Plastiken und Körperabformungen zu entdecken. Die meisten hat der Herr des Hauses, Martin Schöbel, selbst gemacht.

Stilistische Ähnlichkeiten mit dem Künstler Wassily Kandinsky sind augenfällig, zumindest was die leuchtenden Farben und die Formen angeht. Ansonsten herrscht natürlich der eigene Schöbelstil vor.

Martin Schöbel, kurze Haare, unauffällige Brille, Unterlippenbart, wirkt zurückhaltend. Er hat nichts "Ausgeflipptes", wie manch anderer Künstler. Ein sympathischer, aber eher unauffälliger Bewohner der verträumten Stadtrandsiedlung.

Collage aus "Westmüll"

Der 43-jährige gebürtige Magdeburger ist gelernter Nachrichtenelektroniker, arbeitet heute als Verwaltungsangestellter. Schöbel lebt mit seiner Lebensgefährtin Kirsten Röll und seinem 15-jährigen Sohn zusammen. Er reist gern und hat sich mit seiner kleinen Familie im Sauren Tal den Traum vom Eigenheim erfüllt. So weit, so unspektakulär.

Als er mit 18 Jahren sein erstes "Kunstwerk" anfertigte, hätte er selbst nie gedacht, dass er später einmal mit seiner Kunst erfolgreich sein würde, gibt Schöbel unumwunden zu. "Mein erstes Kunstwerk war noch zu DDR-Zeiten eine Collage aus Westmüll", sagt er und muss lachen. Kunst war einzig und allein sein Hobby.

Doch 2003 sollte alles anders kommen. In der Festung Mark stellte er einige Werke auf der Gemeinschaftsausstellung "Artdidakten" aus: "Dieser Kunstwerktausch war ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich stellte fest, dass es tatsächlich reges Interesse an meinen Bildern und Plastiken gab." Die unerwartet große Resonanz sei ein großer Anreiz für ihn gewesen, weiterzumachen. Seine Frau ist erklärtermaßen sein größter Fan. "Sie unterstützt mich, wo sie kann", sagt Schöbel.

Er hat an keiner Kunstschule gelernt, sondern sich sein künstlerisches Wissen und die nötigen Fertigkeiten selbst beigebracht. Der Autodidakt vergleicht es so: "Muss der Komiker ein Examen machen, um andere zum Lachen zu bringen?" Es brauche doch vor allem Begabung, Leidenschaft, Motivation und Erfahrung.

Vorbilder? Klar, die gibt es. Zu Martin Schöbels Idolen gehören neben Kandinsky vor allem Friedensreich Hundertwasser und Joan Miró. "Die Künstler der Moderne sind meine Welt", sagte er. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Plastiken und Körperabformungen. "Ich habe das Gefühl, mich damit am besten ausdrücken und verwirklichen zu können." Er verwende natürliche Materialien wie Holz und Stein oder einfach Dinge, die ihm im Alltag begegnen, und erwecke sie zum Leben.

Auch eine Reihe von Bildern gehören zur privaten Schöbel-Galerie. Die Motive und sein Stil wechseln. Häufig bringt er die Form des weiblichen Körpers in seine Werke ein, doch auch abstrakte und expressionistische Elemente. Die vielfältigen Farben und Formen sind kennzeichnend und lassen Raum für Fantasie. Viele Motive erkennt man erst auf den zweiten Blick.

Der Traum vom Atelier

Schöbel ist auf jedes einzelne seiner Kunstwerke stolz: "Jedes Stück hat seinen eigenen Hintergrund, seine eigene Geschichte", erklärt er. Seine Werke beschreibt er als "das Spiegelbild meiner Seele".

Auf Ausstellungen haben sich bereits einige Käufer und Anhänger seiner Kunst gefunden. Zu den für ihn persönlich wichtigsten Ausstellungen zählt er neben der besagten in der Festung Mark Ausstellungen im Kavaliershaus Pietzpuhl und im Schloss Ballenstedt.

"Ich freue mich natürlich über positive Rückmeldungen, aber auch über Kritik", sagt der Künstler. "Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich noch mehr Kunstliebhaber auf meine Arbeit einlassen und ich weitere Möglichkeiten und Angebote bekomme, meine Kunst auszustellen und zu verkaufen."

Im Moment arbeitet er zu Hause. "Mein Traum ist es, einmal mein eigenes Atelier zu haben, beispielsweise im Künstlerviertel Buckau." Doch Martin Schöbel hat sich auch schon in Alt Olvenstedt umgesehen. Hier gebe es ebenfalls Gebäude, die für ihn in Frage kommen. Vorläufig bleibt er aber einfach der "Kandinsky" vom Sauren Tal.

www.schoebels-art.de