Hilfe für Patienten, die keinen Besuch bekommen, nicht allein spazieren gehen können oder einfach jemanden zum Reden brauchen, bieten die Grünen Damen und Herren in der Universitätsklinik. 15 Ehrenamtliche gehören derzeit dazu, und sie suchen Verstärkung.

Magdeburg. "Die Grünen Helfer sind eine unerlässliche Ergänzung in der Patientenbetreuung", sagt Pflegedienstleiterin Renate Groß. "Wir sind stolz darauf, dass wir diesen ehrenamtlichen Dienst haben." Im Jahr 2003 wurde er als Pilotprojekt an der Universitätsklinik gestartet. Damals gab es 100 Bewerber, von denen letztlich 30 auf den Stationen tätig wurden.

Von Beginn an dabei ist Ralf Rektorik, mittlerweile Koordinator der Grünen Helfer. Einmal in der Woche ist er in seiner Freizeit für die Patienten der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie da, fragt nach ihren Wünschen und auch Sorgen, verwickelt sie unaufdringlich ins Gespräch und versucht herauszuhören, ob sie Hilfe oder Beistand brauchen. Wenn ein Gespräch erst einmal zustande kommt, so sagt er, erzählen viele Patienten von ganz allein, was ihnen auf der "Seele" liegt. Vielen hilft das.

Dabei sind die Themen unterschiedlich. Frauen reden gern von ihren Kindern und Enkeln, von ihrem Leben. Männer sprechen über Grundstücke, Häuser, Arbeit. Gemeinsam ist: Sie machen sich Gedanken darüber, was ist, wenn sie sich nicht mehr kümmern können.

Zuhören ist das Wichtigste, sagt Ralf Rektorik. Dabei gehe es nie um medizinisches Fachwissen. "Wir fragen nicht nach den Krankheiten, das geht uns nichts an", betont der 66-Jährige. Erzählt jemand von sich aus darüber, ist es etwas anderes. Auch medizinische Beratung ist tabu, ebenso wie Sterbebegleitung. "Dafür gibt es Fachleute, die Klinik-Seelsorge, Sozialdienste, Psychologen." Pflegedienstleiterin Renate Groß betont: "Die Grünen Helfer machen dem Fachpersonal keinen Arbeitsplatz streitig." Ihr Ehrenamt umfasst weder medizinische Kenntnisse noch Leistungen. "Es ist eine Ergänzung, ein Service für die Menschen, für sie unentgeltlich." Die "grünen Engel", wie sie von Patienten auch genannt werden, übernehmen, was nicht zum Arbeitsbereich des Pflegepersonals gehört. Vorlesen, spazieren gehen, vielleicht auch kleine Einkäufe. Und reden.

Die meisten Grünen Helfer sind Frauen. "Männer leiden oftmals zu sehr mit", ist Rektoriks Erfahrung. Männer wollen Lösungen. Es macht ihnen zu schaffen, wenn sie keine bieten können. "Frauen können mit Extremsituationen besser umgehen." Männer können schwer umschalten und nehmen gedanklich zu viel mit ins Privatleben, sagt Rektorik. Er sieht sich ein wenig als Ausnahme, da er berufliche Erfahrungen mitbringt, u. a. in der Jugendhilfe und im Obdachlosenheim gearbeitet hat. Auch zwei männliche Studenten hatten sich als Grüne Helfer sehr bewährt. "Leider hat neben dem Studium die Zeit nicht mehr gereicht."

Es ist nicht einfach, für das Ehrenamt geeignete Helfer zu finden. Man muss nicht nur zuhören können, auch kommunikativ sein, auf fremde Leute zugehen können und sollte eine gefestigte Persönlichkeit sein. "Wer eigene Probleme mit sich herumträgt, kann anderen nicht helfen." Verschwiegenheit ist natürlich Grundvoraussetzung, betont Rektorik. "Was hier besprochen wird, verlässt die Klinik nicht."

Von den anfangs 30 Grünen Helfern ist heute nur noch die Hälfte in den Stationen der Medizinischen Kliniken tätig. Davon betreuen neben Rektorik zwölf Frauen die Patienten auf den Stationen, zwei sind im Empfangsbereich vom Haus 60 tätig, helfen Neuankömmlingen bei der Orientierung.

Wer sich für das Ehrenamt interessiert, kann sich jederzeit unter der Telefonnummer 6 72 12 20 der Uniklinik melden. Da sie nicht ständig besetzt ist, ist ein Anrufbeantworter geschaltet. Nach einem ersten Kennenlerngespräch bleibt eine Woche Bedenkzeit. Besteht das Interesse auf beiden Seiten weiterhin, folgt die konkrete Information und erste Gänge in Begleitung. Schulungen gibt es natürlich auch und Gruppengespräche zur Entlastung der eigenen Psyche und zum Erfahrungsaustausch.

Der Name Grüne Helfer leitet sich übrigens ab von der Farbe der Kittel, womit sie sich vom medizinischen Fachpersonal optisch unterscheiden.