Mit einem Leserbrief an die Volksstimme hat Domkantor Barry Jordan die Debatte über die Nutzung des Domplatzes neu entfacht. Er wirft dem Theater vor, den Dom als Wahrzeichen der Stadt lediglich als Kulisse zu missbrauchen. Jordan und die Domgemeinde ärgert, dass während des sechswöchigen Sommertheaterbetriebes nahezu keine Abendveranstaltungen im Dom möglich sind.

Magdeburg. "Nicht ohne bitteren Beigeschmack" sei der Erfolg des jährlichen Sommermusicals für ihn, schreibt Barry Jordan. Der Gewinn des Domplatzes als Kulturraum bedeute den Verlust des Domes selbst für den gleichen Zweck. Im Grunde falle für den Dom fast der gesamte nutzbare Zeitraum bis zu den Sommerferien aus, so der Domkantor.

Dom- und andere Chöre verlören dadurch ihre Heimstatt, auch andere Anbieter werden durch das Theater verdrängt, zum Beispiel der MDR-Musiksommer, der an einem Sonnabend um 17 Uhr beginnen müsse, statt zur "Primetime".

"Die Frage, ob das Theater, im Auftrag der Stadt arbeitend, den Dom für sechs Wochen stilllegen darf, ist das eine. Ich stelle auch die Frage, ob die Kulturlandschaft dadurch gewinnt, dass man sein Wahrzeichen nur als Kulisse (miss)braucht, wenn man es auch verwenden könnte", wird Barry Jordan am Ende seines Briefes deutlich.

Für Jordans Kritik hat Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper kein Verständnis. "Über Jahre hinweg haben die Magdeburger Bevölkerung und der Stadtrat eine Belebung des Domplatzes immer wieder eingefordert. Mit stetigem Erfolg hat das Theater Magdeburg dem nun Rechnung getragen und führt nun die Open-Air-Veranstaltungen im Sommer auf dem Domplatz durch.

Damit ist es gelungen, den Domplatz als Veranstaltungsfläche ins Zentrum zurückzuholen und Bürgerinnen und Bürger für Theaterprojekte zu interessieren, die das Theater am Universitätsplatz sonst nicht regelmäßig aufsuchen", schreibt Trümper.

Der Zuspruch und die öffentliche Resonanz auf die vom Theater Magdeburg angebotenen Open-Air-Veranstaltungen sprächen eindeutig für den eingeschlagenen Weg des Theaters, findet der OB. Der Auffassung, dass die kulturelle Nutzung des Domplatzes dem Kulturangebot des Domes insbesondere im Konzertbereich schadet, widerspricht Lutz Trümper deutlich. "Zum einen kann die Domgemeinde nicht für sich in Anspruch nehmen, dass neben den geschützten Sonn- und Feiertagszeiten mitten in der Innenstadt rund um den Dom sozusagen eine Bannmeile gezogen wird, in der praktisch keinerlei öffentliches Leben mehr stattfinden kann", so Trümper.

Zum anderen habe es konkrete Abstimmungen mit der Domgemeinde gegeben. Im Rahmen dieser Abstimmungen zwischen dem Theater Magdeburg und Herrn Jordan für das Jahr 2011 sei in den meisten Fällen auf die Konzert- und Veranstaltungsbedürfnisse des Domes durch das Theater Rücksicht genommen worden. Dies betraf laut OB den Verzicht auf Doppelvorstellungen mit Rücksichtnahme auf Orgelkonzerte, Abstimmungen mit dem Universitätschor und Abstimmungen mit dem MDR bezüglich eines Konzertes der Kings’ Singers.

"Magdeburg sollte stolz darauf sein, dass sich die kulturellen Angebote in ausgesprochen vielfältiger und verschiedener Weise entwickelt haben. Auch der Magdeburger Dom gehört mit seinen musikalischen Angeboten, seien es Orgel- oder Chorkonzerte, zur Kulturlandschaft der Stadt. Sonderrechte oder ein Anspruch auf einen veranstaltungsfreien Domplatz lassen sich daraus jedoch nicht ableiten", stellt Oberbürgermeister Lutz Trümper klar.

 

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