Warum ist in Magdeburg nichts los? Warum wird man als Spinner abgestempelt, wenn man Träume hat? Warum sollte man hinnehmen, was einem nicht gefällt? Und warum ist es zwischen Mädchen und Jungs manchmal so kompliziert? Fragen, die in der ersten Magdeburg-Telenovela eine Rolle spielen. "Es geht um Dein Leben!" heißt sie und hatte am Sonnabend umjubelte Uraufführung. In den Hauptrollen: Schüler dieser Stadt.

Magdeburg. "Seid stolz auf das, was ihr geleistet habt!" Nadine Tiedge und Anke Schuler haben als Schulsozialarbeiterinnen das Projekt betreut und betonen: "Nur ihr wisst, wie viel Zeit und Arbeit in diesen Filmen steckt, wie viel Regen es gab, wie kalt es war, wie viel Tee nötig war, um wieder warm zu werden, wie lange ihr warten musstet, wie oft man wiederholen muss. Und nicht zuletzt: So viel Text habt ihr sicherlich noch nicht einmal für die Schule gelernt bisher." Das Lachen der Schüler im Saal ist die beste Antwort auf diese Worte. Und stellvertretend geben Vanessa Bode und Akash Kumar Auskunft: Es hat Spaß gemacht und deshalb haben sie auch gelernt. 15 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren haben in der dreiteiligen Telenovela mitgewirkt. Dass es Schüler/-innen aus zwei Schulen waren (Leibniz- und Müntzer-Schule), fällt im Zusammenspiel nicht auf.

Gedreht wurde eine Woche lang im Herbst, zusammengeschnitten auf drei Filme à 20 Minuten. Im Mittelpunkt steht das Engagement von Jugendlichen, die sich mit Gegebenem nicht abfinden wollen. "Dass es junge Leute aus Magdeburg sind, die Stellung beziehen für ihre Stadt, macht diesen Film zu etwas Besonderem", sagt Kabarettist Lars Johansen, der eine kleine Gastrolle übernommen hat bei der Telenovela. (Telenovela ist eine spezielle Form von Fernsehserie).

Wie in einer richtigen TV-Serie geht es natürlich um Intrigen und Eifersucht, aber ebenso um Freundschaft, Mut und natürlich Liebe. Dabei wurde keine Imitation gedreht. Die Akteure stehen synonym für die Jugendlichen der Stadt, ihre Gedanken und Ansichten. Denn die Geschichten für die Serie wurden während eines viertägigen Drehbuchworkshops im vergangenen Jahr von den Schüler/-innen selbst entwickelt, gemeinsam mit Jürgen von Bülow. Der Jugend- und Drehbuchautor hat bisher u. a. für den "Marienhof" und den "Tigerenten-Club" geschrieben. Für die Premiere am Sonnabend kam er aus Stuttgart angereist. "Dieses Filmprojekt war sehr spannend für mich", sagt er, insbesondere "aus dem Süden hierher zu kommen und euch und eure Ansichten kennenzulernen." Acht Tage habe er mit ihnen auf engstem Raum verbracht, viele Bilder gesehen, Gespräche geführt. Daraus Geschichten zu schreiben, war für ihn eine besondere Herausforderung, erzählt von Bülow.

Regisseur Toni Bihler kommt aus Leipzig. Mit Laiendarstellern zu arbeiten, habe er sich wesentlich schwerer vorgestellt, formuliert er ein Kompliment an die Jugendlichen. "Greifbar wird es, weil es ihre Geschichte ist, ihre Stadt", so Bihler. "Diese Erfahrung war großartig."

Beim Schreiben der Geschichte habe er genau die Bilder der Jugendlichen vor Augen gehabt, erzählt Jürgen von Bülow. Vielleicht wirkt es deshalb so passig im Film. Wobei man von Schülern natürlich nicht erwarten kann, dass sie professionelle Schauspielleistungen hervorbringen. Das wäre auch fehl am Platz. Vielmehr zeigen sie ihre ganz persönliche Seite. Und dafür gibt es bei der Uraufführung sogar immer mal wieder Szenenapplaus. Manchmal auch ein Lachen, das verrät, dass sich hinter den Kulissen wohl einiges mehr abgespielt hat, als sich dem Zuschauer zeigt. Bis auf die Zusammenschnitte am Ende der Aufführung, für die es regelrechte Lachsalven gibt bei der Präsentation im Moritzhof.

Da ist ein interessantes Stück Jugend- und auch Stadtgeschichte entstanden. Fazit: Unbedingt ansehen!

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