Cheftrainer Ruud Kaiser hat während seiner Amtszeit beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Magdeburg häufig bemängelt, "dass Fakten verdreht werden". An dem Fakt, dass seine Mannschaft in akuter Abstiegsgefahr schwebt, dass sie in der Rückrunde erst einmal gewonnen, in fünf von sieben Spielen gar kein Tor geschossen und zuletzt beim 0:2 gegen Plauen eine leblose Vorstellung abgeliefert hat, ist indes nicht zu rütteln. Genau deswegen steht der 50-jährige Holländer jetzt auch zur Disposition.

Magdeburg. Noch in dieser Woche soll es einen Krisengipfel geben, bei dem über Kaisers Zukunft entschieden wird (Volksstimme berichtete). Die wichtigsten Fragen lauten: Trauen es die Verantwortlichen Kaiser noch zu, die Mannschaft in der laufenden Saison vor dem Abstieg – und nur darum geht es – zu bewahren und in der darauffolgenden nach oben zu führen? Und wenn nicht, wer könnte bis zum 30. Juni übernehmen? Da die Kassen leer sind, ist wohl nur eine interne Lösung realistisch, die da Carsten Müller (Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums) oder Wolfgang Sandhowe (Trainer der U 23) heißen dürfte.

Noch ist es nicht soweit, und die kürzlich gezeigten guten, engagierten Auftritte der Mannschaft gegen Leipzig (2:1) und Wolfsburg (0:0) sind keineswegs in Vergessenheit geraten. Doch Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Und da gab es eben am Sonntag dieses alarmierende 0:2 gegen Plauen, das den Eindruck vermittelte, beim Club ginge es nicht aufwärts, sondern abwärts.

Bedenklich auch so manche Einschätzung des Trainers nach den Spielen. So sprach Kaiser im Anschluss an die Plauen-Partie von drei Großchancen in der ersten Halbzeit. Die meisten Beobachter hatten nicht eine einzige registriert ...

Ein offizielles Statement vom neuen Aufsichtsratschef ist trotz der prekären Lage allerdings nicht zu erhalten. Lutz Petermann, Geschäftsführer der FAM Förderanlagen Magdeburg GmbH, ließ via Sekretariat lediglich ausrichten, "sich mit allen Fragen bezüglich des FCM an die dortige Pressestelle zu wenden". Sprecher Stephan Lietzow begründete: "Die Gremien des Clubs haben sich darauf geeinigt, sich nicht zu äußern, damit in der Öffentlichkeit kein konfuses Bild entsteht." Gleichwohl legte Lietzow Wert auf die Feststellung, dass der Verein "handlungsfähig bleibt". Es habe zum künftigen Präsidenten Peter Fechner auch während dessen Abwesenheit (kehrt morgen aus dem Malaysia-Urlaub zurück) permanenten telefonischen Kontakt gegeben. Lietzow: "An dieser Stelle sparen wir nicht ..."

Apropos sparen: Sollte sich der Club tatsächlich von Kaiser trennen, wird‘s richtig teuer, denn dessen Vertrag läuft noch bis 2012 (die Situation wäre dann die gleiche wie beim Ende März 2009 entlassenen Paul Linz, der noch eine komplette Saison bezahlt werden musste), und der Nachfolger stellt natürlich ebenfalls entsprechende Ansprüche.

Kurios: Das Vertragsverhältnis wäre nur dann vorzeitig beendet, wenn der FCM absteigt, denn der Kontrakt, so Lietzow, gilt nur für die 4. bzw. 3., aber nicht für die 5. Liga. Diesen Super-Gau will der FCM allerdings unter allen Umständen verhindern.

Übrigens: Die Turbulenzen rund um den Trainer haben auch auf den heutigen Fanabend (19 Uhr, Club 65) Auswirkungen. So wird der Holländer nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Lietzow in Anlehnung an die wütenden "Kaiser-raus-Rufe" während und nach der Partie gegen Plauen: "Wir wollen ihn damit auch ein wenig schützen."