Der Feuerteufel, der die Bewohner des Hauses Cracauer Straße 57 im Februar und März in Angst und Schrecken versetzt hatte, ist gefasst. Dreimal brach in den vergangenen vier Wochen am und im Haus ein Feuer aus, zweimal mussten Bewohner mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Nun konnte die Kripo einen 23-jährigen Magdeburger als Tatverdächtigen festnehmen.

Magdeburg. Warum der Mann es speziell auf dieses Haus abgesehen hatte und ob er noch für andere Brände in der Stadt verantwortlich ist, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen gestern bis Redaktionsschluss nicht sagen. Fest steht: Der 23-Jährige ist hinlänglich polizeibekannt und wollte sich bei seiner Vernehmung gestern Nachmittag nicht zu den Tatvorwürfen äußern.

Kurz nach Mitternacht hatte der Magdeburger, offenbar sturzbetrunken, zum vorerst letzten Mal gezündelt. Dieses Mal ging Gerümpel im Keller- und Treppenbereich des Mehrfamilienhauses in der Cracauer Straße 57 in Flammen auf.

Zwei Anwohner, beide ebenfalls 23 Jahre alt, bemerkten das Feuer und alarmierten die restlichen Hausbewohner. Gleichzeitig schlug der Rauchmelder in ihrer Wohnung an.

Der Hausflur war bereits stark verraucht, die giftigen Dämpfe drangen in die Wohnungen vor, sodass die beiden Zeugen sich mit einem Sprung aus dem Fenster ins Freie retten mussten.

Eine schwangere 21-Jährige, ihr zweijähriger Sohn sowie eine 50-jährige Frau mussten wegen des Verdachts einer Rauchgasvergiftung zur Beobachtung vorsorglich in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Nachdem die Berufsfeuerwehr den Brand im Keller abgelöscht hatte, suchten Spezialisten der Kripo vor Ort nach Spuren. Bereits beim zweiten Brand im Haus in der Nacht zum 4. März gingen die Beamten davon aus, es mit einem Feuerteufel zu tun zu haben.

Sie konnten noch in der vergangenen Nacht den 23-jährigen Magdeburger, der selber nicht Bewohner des Hauses ist, als mutmaßlichen Brandstifter identifizieren. Der Tatverdächtige wurde zunächst vorläufig festgenommen und gestern Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Bis zur Anklageerhebung bzw. zum Abschluss der polizeilichen Ermittlungen wird er in Untersuchungshaft sitzen.

"Wir prüfen, ob der Tatverdächtige für weitere Branddelikte aus zurückliegender Zeit in Frage kommt. Die Ermittlungen dauern an", sagte Polizeisprecher Stefan Brodtrück. In jedem Fall soll der Mann für die Feuer am 4. März und 16. Februar verantwortlich sein. Spätabends geriet damals an der Außenwand ein Fahrradanhänger in Brand, die Wand wurde beschädigt, sechs Bewohner mussten mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Zweieinhalb Wochen später gingen im Dachstuhl Kleinmöbel und Gerümpel in Flammen auf. Durch das Feuer wurden die Elektroanlage und Teile des Dachstuhls stark beschädigt. Auch die Wände und Decken des Treppenhauses wurden in Mitleidenschaft gezogen.

"Nun können sich die Mieter wieder sicher fühlen", zeigt sich Helene Herich, Sprecherin des Hauseigentümers Prelios, über die Festnahme erleichtert. Sie geht von einem hohen Schaden im fünfstelligen Bereich infolge der Brände aus. Nach Abschluss der Ermittlungen und Schadensregulierung durch die Versicherung sollen zügig die Reparaturarbeiten beginnen. Eine Notsicherung sei bereits erfolgt.