Die Literaturwelt trifft sich ab Donnerstag bei der Leipziger Buchmesse. Auch aus Magdeburg werden Autoren, Illustratoren und Verlage in der sächsischen Metropole Einblicke in ihr literarisches Schaffen geben. Dazu gehört u. a. Sabine Raczkowski, deren Geschichten als Buch der Reihe "Tatort Ost" beim Mitteldeutschen Verlag veröffentlicht worden sind.

Magdeburg. Er heißt Wilde und ist ein ganz Gemütlicher. Zu seinem Namen kam er aus Platzgründen. Als Sabine Raczkowski ihn erfand, hatte sie eine genaue Zahl von Buchstaben zu beachten, jeder einzelne zählte – bei einem Schreibwettbewerb. Wie die Magdeburgerin darüber erzählt, lässt etwas von ihrem feinen Humor ahnen. Erlebbar wird dieser dann, wenn man Wildes Geschichten liest. Kriminalgeschichten aus Magdeburg. Naja, jedenfalls so mehr oder weniger. Denn ein Ausflug in die Altmark ist auch dabei.

"Die rote Schatulle" heißt das Buch, in dem der Kommissar die Hauptrolle spielt. 12 Geschichten sind darin enthalten, facettenreich erzählt, unterhaltsam, mit Magdeburger Flair. Geschrieben zwischen 2005 und 2009, jetzt erstmals in einem Buch zusammengetragen.

Die Herangehensweise an die Geschichten ist sehr unterschiedlich, erzählt die Freizeitautorin. Manchmal sieht sie etwas, das sie inspiriert, manchmal sind es Worte oder Erinnerungen, die den Ausschlag für eine Geschichte geben.

Wer nun glaubt, die Autorin hat immer Zettel und Stift dabei, um sich Ideen oder Formulierungen zu notieren, die ihr unterwegs einfallen, der irrt. Sabine Raczkowskis Hobby ist eigentlich Arbeit. Sie setzt sich an den Computer und dann "malt" sie sich Geschichten aus. Dabei versucht sie, in die handelnden Personen hineinzuschlüpfen und das Leben aus diesem Blickwinkel zu sehen. Dabei schwankt sie zwischen Erlebtem und Erdachtem.

"Das Schreiben ist ein hervorragender Ausgleich zu meiner Arbeit", sagt die Mittvierzigerin. "Dabei kann ich gut entspannen."

Als Beruf hat sie Tischler mit Abitur gelernt, später ein Ingenieurstudium der Holztechnik absolviert. Heute arbeitet sie in einer großen Holzverarbeitungsfirma der Stadt.

Im Urlaub erste Geschichten aufgespürt

Ihre Schreiblust wurde durch Reisetagebücher angefüttert. Im Urlaub begann sie aufzuschreiben, was sie erlebt hat. Zunächst, um es nicht zu vergessen. Dann zur Unterhaltung. Wenn sie unterwegs ist, beobachtet sie, was um sie herum geschieht, denkt sich aus, welche Geschichten die Menschen haben, die ihr begegnen …

2004 schloss sich Sabine Raczkowski der Magdeburger Schreibwerkstatt an, zu der sich Literaten monatlich im Literaturhaus treffen. Ein Volksstimme-Artikel über die Veröffentlichung "Ort der Augen" brachte sie darauf. Den hatte sie sich ausgeschnitten und an den Kühlschrank gehängt. Dort hing er zwei Jahre, bevor sie den ersten Schritt zum Autorentreff wagte. Unterm Arm trug sie die Anfänge eines Romans, den sie unbedingt veröffentlichen wollte. Sie las daraus und der Leiter der Schreibwerkstatt, damals noch Erich-Günther Sasse, war von ihrem Talent gleich angetan und motivierte sie weiterzumachen.

Mittlerweile sind mehrere Geschichten und auch Lyrik von ihr erschienen. Sie verfasst auch herrlich-satirische Gedichte. Ein Theaterstück für Kinder hat sie bereits geschrieben, und Liedtexte. Einer davon wurde von Charlies Crew übernommen und ist auf der CD "Tafelmusik" enthalten, eine Benefizveröffentlichung zugunsten Obdachloser und kranker Kinder. Aufführungspremiere des Titels "Wenn du nicht da bist" war im Dezember 2010 im vollen Opernhaus.

Mit Titus Simon in der Tabledance-Bar

Ach ja, und einen Roman will sie noch immer schreiben. Der soll sich jetzt aber um Kommissar Wilde drehen. "Ich habe so viele positive Reaktionen auf seine Geschichten bekommen", begründet sie, "und viele Leute fragten, wie es denn nun weitergeht mit ihm."

Sabine Raczkowskis Buch ist eins von dreien, die der Mitteldeutsche Verlag aus der Magdeburger Region mit zur Buchmesse nimmt. Außerdem dabei: "Absturz der Hütchenspieler" von Prof. Titus Simon von der Hochschule Magdeburg-Stendal sowie "Gestundete Zeit: Ein Roman um Sophie von La Roche" von Manfred Köppe aus Schönebeck.

In Leipzig werden Raczkowski und Simon am Sonnabend auch aus ihren Büchern lesen. Jedoch nicht in einer Messehalle, sondern an einem eher ungewöhnlichen Ort: in einer Tabledance-Bar. Allerdings vor deren Eröffnung. "Das wird bestimmt spannend", sagt sie, und der Schalk lacht ihr aus den Augen dabei. Auf jeden Fall eine schöne Geschichte.