Die Sanierung einer Villa auf dem Betriebsgelände des Förderanlagenbau Magdeburg (FAM) an der Sudenburger Wuhne erlebt ganz nebenbei eine Premiere: Erstmals absolviert hier mit Lidia Gontscharenko eine Auszubildende aus Russland ein Betriebspraktikum in Deutschland. Für den Bildungsverbund Haustechnik Sachsen-Anhalt eine Chance für hiesige Unternehmen, Kontakte nach Russland zu knüpfen.

Sudenburg. "Neun Jahre lang habe ich Deutschunterricht gehabt. Bisher dachte ich immer, dass ich die Sprache ganz gut beherrsche. Ein Irrtum." Lidia Gontscharenko (19) ist seit 5. März zum ersten Mal in Deutschland und hat schnell gemerkt, dass das mit der Sprache schwieriger ist, als sie dachte: "Mein Lehrer war wohl nicht besonders gut." Verstehen könne sie alles, was um sie herum gesprochen wird, aber mit dem Sprechen, naja, das klappe noch nicht so richtig.

Zum Glück hat sie mit Willy Weber acht Stunden am Tag einen Mann an ihrer Seite, der Geduld hat und ihr mit stoischer Ruhe ein bisschen Deutsch beibringt. Willy ist 22, Anlagen-Mechaniker für Sanitär- und Heizungstechnik und für Lidia eine Mischung aus Vorarbeiter und Nachhilfelehrer.

Lidia aus Barnau bei Nowosibirsk absolviert bis zum 28. Mai ein Auslandspraktikum in der Schönebecker Heizungs- und Sanitärfirma von Jörg Lustinetz. Zu Hause macht sie gerade eine Lehre als Installateur an einem Berufsschul-College. Mit ihr sind vier weitere Schüler aus Barnau auf Initiative des Bildungsverbundes Haustechnik Sachsen-Anhalt nach Magdeburg gekommen. Drei arbeiten bei "Onnen & Onnen, zwei bei Jörg Lustinetz. Petra Laabs, Mitarbeiterin des Bildungsverbundes, hat die Praktika für die fünf jungen Leute organisiert: "Dank der Förderung von Land und EU ist dieses Auslandspraktika-Projekt möglich. Ziel ist es, einen Azubi-Austausch zwischen beiden Ländern zu initiieren. Nicht nur, um den jungen Leuten Auslandskompetenzen zu vermitteln, sondern auch, um Beziehungen von Unternehmen beider Länder aufzubauen. Russland ist schließlich ein Zukunftsmarkt."

Im Fall des eher kleinen Unternehmens von Jörg Lustinetz (Slogan "Baden wie die Götter") sieht der Firmenchef allerdings eher keine Aufträge aus Sibirien: "Ich mache mit, weil ich auch meinen Azubis die Möglichkeit geben möchte, Auslandserfahrung zu sammeln. Ich hoffe, dass ich schon bald junge Leute aus meinem Unternehmen nach Barnau schicken kann. Und wer weiß, vielleicht ergeben sich daraus ja doch Geschäftskontakte."

Vorerst aber betrachtet Jörg Lustinetz eher amüsiert das Geschehen in seiner Firma: "Meine jungen Mitarbeiter sind angesichts der jungen Mädchen plötzlich ganz besonders motiviert. Die geben nicht nur Sprachunterricht, sondern zeigen ihnen die Stadt und die Diskos der Umgebung."

Auch ein Anruf der russischen Botschaft lässt Jörg Lustinetz in diesen Tagen schmunzeln: "Ein Attaché wollte wissen, was ich für eine Firma habe. Er hatte auf dem Kopfbogen ,Baden wie die Götter‘ gelesen und wohl vermutet, dass es sich um ein horizontales Gewerbe handelt. Nachdem ich ihm gesagt habe, dass wir eine Sanitär- und Heizungsfirma sind, war er beruhigt."

 

Bilder