Drei neue Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderungen mit Intensivbetreuung hat die Lebenshilfe Magdeburg in einem Hochhaus am Schrotebogen eröffnet. Für die acht neuen Mieter ist das WG-Leben ein wichtiger Schritt, um sich vielleicht einmal den Traum von den "eigenen vier Wänden" erfüllen zu können. Die Volksstimme besuchte die neuen Mieter in Nord.

Neustädter See. Es ist früher Abend in einem Hochhaus am Schrotebogen. Es duftet nach Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck. Christian Jamrath steht in der nagelneuen Küche, schneidet Möhren und Kohlrabi. Im Bad rattert die Waschmaschine im Schleudergang. Die weiß gestrichenen Wände sind noch weitgehend kahl. Erst vor zwei Wochen ist der junge Mann mit seinen Mitbewohnern in die neue Wohngemeinschaft, kurz WG, eingezogen.

Es ist eine besondere WG. Die Lebenshilfe ermöglicht sie. Und für Bewohner ist es ein Meilenstein hin zu einem selbstbestimmteren Leben, so etwas wie die erste Wohnung. Denn zuvor lebten sie im Wohnheim für Menschen mit Behinderungen.

Im selben Hauseingang haben Anja Kuhrt und Anja Wilke eine Frauen-WG gegründet. Stolz zeigen sie ihre selbst eingerichteten Zimmer. CDs von Tokio Hotel haben bei Anja Kuhrt einen Ehrenplatz im Regal gefunden. Daneben reihen sich Manga-Comics aneinander. "Die sammle ich", sagt die junge Frau, die wie die Bewohner der anderen Lebenshilfe-WGs in einer der Werkstätten des gleichnamigen gemeinnützigen Unternehmens arbeitet.

Im gemeinsamen Wohnzimmer steht ein "Mensch ärgere dich nicht"-Spiel auf dem Tisch. Mit Betreuerin Yvonne Riemer, die die beiden Mädchen heute unter ihren "Fittichen" hat, ist noch eine Partie geplant. Aber die Mitarbeiterinnen der Lebenshilfe, die bis auf die Nacht immer vor Ort sind, helfen ihnen vor allem, im ersten eigenen Haushalt zurechtzukommen. Einkaufen, Kochen, Waschen, Putzen – all das steht im Gegensatz zum vorherigen Wohnheimleben nun für die Bewohnerinnen nach der Arbeit noch unverrückbar auf dem Tagesplan.

Gerade eröffnete die Lebenshilfe am Schrotebogen in Nord drei neue Wohnungen für so genanntes Intensivbetreutes Wohnen. Acht neue Mieter zogen in frisch renovierte Räume und werden in der nächsten Zeit noch mit Details der Einrichtung beschäftigt sein.

Das Mindestalter, um hier ein WG-Zimmer in Reichweite des Neustädter Sees zu bekommen, ist 18 Jahre, erzählt Hausleiterin Marika Kühne. "Insgesamt wohnen hier am Schrotebogen 56 von der Lebenshilfe betreute Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen, zum Teil im hier ansässigen Wohnheim, zum Teil in den Außenwohngruppen", so Marika Kühne.

"Das Ziel und der Wunsch von vielen, vor allem jungen Bewohnern ist es natürlich, einmal allein in wirklich eigene vier Wände zu ziehen, vielleicht mit einem Lebenspartner. Dafür bietet die Lebenshilfe auch ambulant betreutes Wohnen an. Dort gibt es nur eine punktuelle Betreuung für die sonst eigenständig lebenden Mieter. Das Intensiv Betreute Wohnen in den kleinen Wohngemeinschaften wie hier am Schrotebogen kann ein wichtiger Schritt in diese Richtung sein."

Für die beiden Anjas, Christian und Co. ging mit dem Einzug in die neuen Wohnungen am Neustädter See jedenfalls schon ein kleiner Traum in Erfüllung. Anja Wilke sagt nach den ersten zwei Wochen: "Ich fühle mich in unserer Wohngruppe richtig wohl."

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