Kurz vor 21 Uhr war Magdeburgs erster Bürgerentscheid unter Dach und Fach. Mit einer Mehrheit von 75 Prozent setzten sich die Wiederaufbaugegner durch. Mit dieser klaren Entscheidung war im Vorfeld nicht gerechnet worden. An die Entscheidung ist der Stadtrat nun ein Jahr gebunden.

Altstadt. Als Tobias Köppe, Vorsitzender des Kuratoriums zum Wiederaufbau der Ulrichskirche, seinen Stimmzettel am Sonntag gegen 9. 30 Uhr in die Wahlurne im Kulturhistorischen Museum wirft, ist er noch optimistisch. Köppe sieht dem Bürgerentscheid einerseits gelassen, andererseits mit Spannung entgegen : " Heute ist der große Tag der Entscheidung ", sagt er und spekuliert. " Ich denke, dass wir gerade in den letzten Tagen vor der Wahl noch einmal mit vielen Magdeburgern sprechen konnten, ihnen unsere Pläne näherbringen konnten. Ich hoffe, es wird für uns ausgehen. "

Knapp zwölf Stunden später hat sich diese Hoffnung zerschlagen. Die Magdeburger erteilen den Wiederaufbauplänen eine klare Absage. Nur etwa jeder vierte Wähler kann dem ehrgeizigen Projekt etwas abgewinnen. Drei Jahre intensiver Arbeit des Kuratoriums erhalten damit einen kräftigen Dämpfer. Noch in Unkenntnis des späteren Ergebnisses baut Köppe schon mal vor : " Auf jeden Fall akzeptieren wir den Ausgang der Abstimmung, wir sind ja Basisdemokraten. "

Die Basisdemokratie war es auch, die Rolf-Dieter Weske angetrieben hatte, einen Bürgerentscheid über die Ulrichskirche herbeizuführen. Weske ist einer von mehreren Mitgliedern einer Bürgerinitiative, die über ein Bürgerbegehren den Bürgerentscheid erst möglich gemacht hatte. Weske : " Von Anfang an war es mein Wunsch, dass die Magdeburger selber über diese wichtige Frage abstimmen können. Dabei ging es mir gar nicht so sehr um das Ergebnis, sondern mehr um das Mitspracherecht. Deshalb habe ich mich auch für die Unterschriftensammlung engagiert. Der Tag des Bürgerentscheids ist ein guter Tag für Magdeburg und ein guter Tag für die Demokratie ", sagt der engagierte Nordwestler, als er in einem Wahllokal in der Ostrowskistraße in " Texas " seinen gefalteten Stimmzettel in der Wahlurne verschwinden lässt. Guten Tag, Magdeburg

So geht es weiter

• Der erfolgreiche Bürgerentscheid hat die Wirkung eines Stadtratsbeschlusses und verpflichtet den OB, den Bürgerentscheid wie einen Ratsbeschluss umzusetzen. Der Bürgerentscheid darf innerhalb eines Jahres nur durch einen ( erneuten ) Bürgerentscheid geändert werden. Auch der Stadtrat ist erst nach dieser Jahresfrist berechtigt, den Beschluss durch einen eigenen Beschluss zu ändern oder aufzuheben.