Die Volksstimme setzt ihre Serie über die Elbe und die Schifffahrt fort. Der erste Absatz ist der zweite Teil vom Serienteil 20 "Kettenschleppschifffahrt auf der Elbe" vom 10. März. Danach folgt Teil 21.

Buckau. Der 20. August 1866 gilt als der Tag des Beginns der Kettenschifffahrt im Stadtgebiet Magdeburgs und damit auf der Elbe. In Dresden hatte die "Kettenschleppschiffahrt der Oberelbe zu Dresden" (KSO) ebenfalls eine Konzession, hier vom sächsischen Ministerium, erhalten und nahm am 1. November 1869 den regulären Betrieb mit zwei Kettendampfern, No I in Dresden, No. II in Buckau im gleichen Jahr erbaut, zwischen Loschwitz und Merschwitz auf. Beide Gesellschaften verlängerten ihre Ketten, die VHMDC bis Hamburg, die KSO zwischen der sächsischen Grenze bei Schmilka bis nach Buckau und auf der Saale von Halle bis zur Mündung in die Elbe. In Böhmen hatte sich die Österreichische Nordwest-Dampfschiffahrts-Gesellschaft mit der Strecke von der Moldaumündung bis Herrnskretschen / Schmilka etabliert, so dass 1885 die Schleppkette auf 730 km Elbe und 110 km Saale lag.

Auf Grund der zunehmenden Verbesserungen der freifahrenden Raddampfer mit höheren Kesseldrücken, Zweifach- beziehungsweise Dreifachexpansionsmaschinen, beweglichen Schaufeln im Schaufelrad und der unvorhergesehenen größeren Abnutzung der Kette wurde die Ketten-schleppschifffahrt auf den Strecken mit geringerem Gefälle unwirtschaftlich, nach und nach eingestellt und die Kette geborgen. Zuerst gab man die Strecke zwischen dem Abzweig des Ihle-Kanals bei Niegripp (E. km 346) und Hamburg auf, nachdem das Preußische Ministerium für öffentlichen Arbeiten sowie für Handel und Gewerbe am 06.September 1898 die Genehmigung dazu erteilt hatte. In der Folge wurden immer mehr Teilstücke aufgegeben.

Letzter Kettendampfer der Elbe

Zuletzt blieben nur die weiter unten erwähnten Teilstücke in Abschnitten mit sehr hohem Gefälle in Betrieb.

Im Magdeburger Handelshafen, nun auch Wissenschaftshafen genannt, wurde in der Nähe der unter Denkmalsschutz stehenden Hubbrücke über die Hafeneinfahrt mit den abgeborgenen Resten vom Rumpf der Kettendampfer "Gustav Zeuner" weitgehend dem Original entsprechend nachgebaut.

Die wiederholt zu hörende und zu lesende Behauptung, die "Gustav Zeuner" sei der letzte Kettendampfer der Elbe, ist sowohl richtig als auch falsch.

Richtig ist, dass der Rumpf der "Gustav Zeuner", erbaut 1894 auf der Werft in Übigau (Dresden), ursprünglich mit einem bellingrathschen Kettengreifrad von 2320 Millimeter Durchmesser und mit zeunerschen Turbinenpropellern zur Fahrt außerhalb der Kette (Talfahrt) versehen, wohl der letzte noch vorhandene Schiffskörper eines Elbe–Kettendampfers ist.

Nachdem ab 1930 auch die Kettendampfer zur "Neuen Norddeutsche und Vereinigte Elbschiffahrt Aktiengesellschaft, Hamburg und Dresden" gehörten, erfolgte seine Umbenennung in "NNVE 6". Damals war das Greifrad, welches einen erheblichen Instandhaltungsaufwand auf Grund der vielen beweglichen Teile verursacht hatte, schon gegen die parallel liegenden gleichlaufenden Kettentrommeln ausgetauscht worden.

Bereits 1931 wurde er außer Dienst gestellt und an P. Michaelis, Fährmann und Betreiber einer Badeanstalt in Magdeburg/Fermersleben, verkauft. Von seinem dortigen auf Betonpfählen hochwasserfreiem Liegeplatz, mit Aufbauten als Bootshaus versehen, wurde der stark korrodierte Schiffskörper nach der Wende geborgen und am Handelshafen wieder aufgebaut. (Fortsetzung folgt)

 

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