Was lange währt wird wirklich gut? Nach unsäglich langem Hin und Her und dem Pantheum-Skandal hatte eine Berliner Firma vor gut zwei Jahren die ehemalige Reichsbahndirektion Materlikstraße ersteigert. Dann war erst mal Ruhe. Jetzt zeichnet sich offenbar der Durchbruch ab: Das Gebäude wurde an zwei Investoren verkauft, erfuhr gestern die Volksstimme.

Altstadt. Nicht Hotel, nicht Kultureinrichtung, Museum oder Studentenwohnheim und (nach der abschreckenden Pantheum-Insolvenz-Erfahrung) schon gar nicht eine Musicalspielstätte – in die ehemalige Reichsbahndirektion zieht ein medizinisches Forschungszentrum ein. Labors, wissenschaftliche Arbeitsplätze, Büros und Patientenzimmer werden das Innere der Prachtimmobilie am Schleinufer prägen.

Das erklärte gestern auf Volksstimme-Nachfrage der bisherige Eigentümer und Projektentwickler quart AG aus Berlin. In Kürze soll es eine offizielle Vorstellung des Projektes geben, sagte Geschäftsführer Thomas Mix und erklärte vorab: Das Gebäude sei an zwei Investoren verkauft worden. Diese stammen aus alten Bundesländern und wollen in Magdeburg einsteigen. Das medizinische Forschungszentrum ist bereits in der Landeshauptstadt präsent.

Thomas Mix zeigte sich euphorisch: Diese Nutzung bringe etwas richtig Gutes für Magdeburg, das Vorgesehene passe durchaus in das Areal in Elbnähe. Damit sei man sich, so Mix, auch mit der Stadt einig.

Seine Firma hatte nach jahrelangem Leerstand wegen des gescheiterten Pantheum-Projektes den Komplex vor gut zwei Jahren auf einer Versteigerung erworben.

Über die Suche nach geeigneten Investoren verstrich viel Zeit. In Magdeburg keimte zeitweilig der Gedanke auf, dass möglicherweise doch zu viel versprochen wurde.

"Wir haben, bei unserem Anspruch, viel hinter den Kulissen gearbeitet, zahlreiche Verhandlungen geführt", berichtet Thomas Mix. Zuletzt sei man mit einer 3-Sterne-Hotel-Kette auf der Expo im Gespräch gewesen. Genauso waren seinen Angaben zufolge Verhandlungen zur Einrichtung einer privaten Hochschule an der Tagesordnung. Oberbürgermeister Lutz Trümper hat die neuen Pläne für die Reichsbahndirektion bereits mit Freude zur Kenntnis genommen. Es sei nur zu begrüßen, dass dort etwas passiert, sagte er auf Anfrage der Volksstimme.

Es gebe auch, so Trümper weiter, Verhandlungen über den Zukauf städtischer Flächen für einen Patientengarten. Die seien allerdings noch nicht abgeschlossen, erklärte er. Lutz Trümper äußerte sich zufrieden darüber, dass nunmehr nach dem Haus der Lehrer ein weiteres großes Objekt solide genutzt werde. Das Erscheinungsbild am Schleinufer werde sich natürlich enorm zum Vorteil verändern, sagte er.

Auf die Frage, wann es zu ersten Bauaktivitäten kommen wird, nannte Thomas Mix den Monat Juni dieses Jahres. Dann sollen die Arbeiten insgesamt starten, erklärte er.

Die quart AG Projektentwicklungen und Beteiligungen mit Sitz in Berlin ist in Magdeburg übrigens keine unbekannte Größe.

Sie hat sich in der zurückliegenden Zeit vor allem um denkmalgeschützte bzw. ältere Bausubstanz einen Namen gemacht.

Im Auftrag des Unternehmens wurden die Gebäude der Schönebecker Straße 2 (2004/2005), Kleiner Stadtmarsch 9 (2005 bis 2007) sowie die Immobilie Eichendorffstraße 12 im Stadtteil Herrenkrug (2007 bis 2009) saniert.

 

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