Für dieses Jahr haben die Träger der freien Jugendarbeit in Magdeburg 100 000 Euro mehr beantragt, als die Stadt an Haushaltsmitteln für sie eingeplant hat. Die Verwaltung erarbeitete deshalb Einsparvorschläge, für die der Unterausschuss Jugendhilfeplanung im Januar grünes Licht gab. Auf der Sparliste fand sich auch der Verein Kornblume wieder, der nun ums Überleben kämpft.

Magdeburg. "Ist das Jahr der Jugend nur ein schlechter Witz?" Mit dieser provokanten Frage machten die Ehrenamtlichen des Vereins Kornblume ihrem Ärger über die Stadt Luft. Grund: Seit 20 Jahren organisiert der Verein mehrmals pro Jahr Ferienfreizeiten im Harzer Selketal, bei denen er behinderte und nichtbehinderte Kinder zusammenbringt. Jahr für Jahr erhielt "Kornblume" dafür Fördermittel von der Stadt, sammelte Spenden und warb Sponsoren an. So konnte der Verein mehr als 3000 Kindern schöne Ferien ermöglichen.

Obwohl "Kornblume" für 2011 bereits von sich aus 4836 Euro weniger beantragte, strich das Jugendamt nach Zustimmung des Unterausschusses Jugendhilfeplanung Mitte Januar weitere 6840 Euro. "Unsere Schmerzgrenze ist damit deutlich überschritten", schrieb Vereinsmitglied André Desenberg deshalb in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister, die Stadträte und das Jugendamt. Man habe Verständnis für notwendige Sparmaßnahmen, dies dürfe aber nicht auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen geschehen. "Unsere Arbeit ist wichtig und wird immer wichtiger", sagt auch Nicole Jacobs. "Kornblume" fördere Akzeptanz und Toleranz, entlaste die Eltern behinderter Kinder. Die Nachfrage ist Jahr für Jahr größer als die Zahl angebotener Plätze. "Mit den verbliebenen Geldern können wir noch drei Sommerferienreisen durchführen, müssen aber die Herbst- und Winterangebote streichen", erklärt André Desenberg. Gingen die Kürzungen so weiter, befürchten er und die anderen Vereinsmitglieder über kurz oder lang das Verschwinden des Vereins. Schon das Aussetzen einzelner Ferienfreizeiten zerstöre unwiderruflich die über Jahre gewachsene Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen und anderen Trägern der Jugendarbeit. In seinem offenen Brief äußert der Verein auch scharfe Kritik am Jugendamt. Das letzte Trägergespräch liege diverse Jahre zurück, auf die vom Verein im Anhörungsschreiben geäußerten Argumente mit keiner Silbe reagiert. "2011 wurde sehr öffentlichkeitswirksam das Jahr der Jugend ausgerufen, gleichzeitig stehen etablierte Maßnahmen vor dem Aus", ärgert sich André Desenberg.

"Die Kritik des Vereins kommt für uns mehr als überraschend. Wir hatten mit dem Verein Kornblume eine kontinuierliche Rücksprache", sagt Jugendamtsleiter Detlev Klaus auf Volksstimme-Anfrage. Auf seinen offenen Brief erhalte der Verein ein Antwortschreiben. Klaus verweist auf das Beratungsergebnis im Unterausschuss Jugendhilfeplanung. Dessen Mitglieder hatten am 17. Januar grünes Licht für die vom Amt gemachten Sparvorschläge gegeben.