Neben Berlin gibt es in Deutschlands Osten nur ein regelmäßiges Japanfest – das in Magdeburg. Auch in diesem Jahr war es wieder geplant, für das nächste Wochenende. Aufgrund der Geschehnisse in Japan haben die Veranstalter jedoch ihr Programm geändert. Neben Kunst und Kultur steht der Benefizgedanke im Vordergrund, Hilfe für die Menschen in Japan. Ergänzt vom Theater Magdeburg.

Magdeburg. "Wir können nicht einfach feiern als sei nichts gewesen", sagt Christina Deike vom Verein JapanCulture, der das alljährliche Fest veranstaltet. Und so wurde das Programm noch einmal unter die Lupe genommen und schließlich kurzerhand zur Benefizaktion erklärt.

JapanCulture e. V. wird nicht wie geplant an drei, sondern an zwei Tagen Gastgeber sein. Dabei bleibt der Freitag, 1. April, vom Ablauf her unverändert, allerdings als Benefizabend: Der Eintritt ist für die Besucher kostenfrei, um Spenden wird gebeten. Eine Spendenbox wird zudem während des gesamten Festes aufgestellt. "Wir hoffen auf reges Interesse und dass wir den Menschen in Japan helfen können." Die Einnahmen werden an das Deutsche Rote Kreuz übergeben. Dorthin gibt es direkte Kontakte von Vereinsmitgliedern, auch Erfahrungen mit der Hilfe des DRK und somit Gewissheit, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird, so Christina Deike.

Beginn ist um 18 Uhr mit der Eröffnung der Fotoausstellung "150 Unseen Tokyo" von Ryuichiro Louis Iijima, der auch anwesend sein wird. Es folgt ein Koto-Konzert mit Naokoo Kikuchi. Eine Koto ist eine mit Seide bespannte Wölbbrett-Zither. Das Spiel ist japanische Kunst, traditionell vorgetragen am Kaiserhof.

Am Sonnabend lädt JapanCulture e. V. ab 14 Uhr ins Kulturzentrum Moritzhof ein. Die Veranstaltungen werden in einem besinnlichen Rahmen stattfinden. Es gibt u. a. Workshops für Kaligrafie, Ikebana und Origami, es wird zur Teezeremonie geladen und japanische Filme gezeigt.

"Die Besucher können beispielsweise mit Kaligrafie lernen, ihren Namen auf Japanisch zu schreiben", wirbt Christina Deike. Ikebana ist eine spezielle Blumensteckkunst, die vorgestellt wird. Mit dem traditionellen Origami möchten die Veranstalter 1000 Kraniche falten. "Sie gelten als Glücksbringer und sollen Hoffnungsträger sein für die Menschen in Japan."

1000 Kraniche und ein gepflanzter Kirschbaum

Zum Gedenken an die Opfer der Katastrophen auf der asiatischen Insel wird es zudem einen separaten Bereich für Kerzenlichter geben. Außerdem können die Besucher Wunsch-Karten anfertigen, die aufgereiht und im Moritzhof aufgehängt werden.

Als Zeichen der deutsch-japanischen Freundschaft wird auf dem Moritzplatz am Sonnabend gegen 16.30 Uhr ein Kirschbaum gepflanzt. Im Land der aufgehenden Sonne ist die Kirschblüte symbolträchtig; der Baum soll aber auch für die Freundschaft in Magdeburg stehen, fest verwurzelt, wachsend und stärker werdend. "In einer schweren Zeit wie jetzt ist es wichtig, international zusammenzuhalten", sagt Christina Deike und freut sich, dass sich prominente Gäste für die Pflanzzeremonie angesagt haben: Magdeburgs OB Lutz Trümper und Mari Miyoshi, Kulturbeauftragte der japanischen Botschaft.

Abends folgen Sportvorführungen (Aikidô, Kendô) und als Attraktion eine Musikaufführung mit Taikôs, einer Trommelkunst, und einer Feuershow (gegen 21 Uhr).

Für die Unkosten am Sonnabend wird ein moderater Eintrittspreis erhoben: 5 Euro für den ganzen Tag, ermäßigt 4 Euro, und Cosplayer (Anhänger der japanischen Manga-/Anime-Kunst) zahlen 3,50 Euro.

Der Brunch und die Vortragsreihe am Sonntag werden auf Grund der aktuellen Begebenheiten nicht stattfinden, informiert Christina Deike. Zum einen haben die Referenten Freunde oder Verwandte in Japan. Zum anderen sind Themen wie "Tokio im Wandel der Zeit" nicht haltbar. Geplant ist, die Vortragsreihe im Herbst nachzuholen, unter Einbeziehung der jetzigen Ereignisse und ihrer Auswirkungen.

Statt Brunch und Party Literarisches Konzert

Die After-Show-Party, die zum Abschluss im Schauspielhaus geplant war, entfällt. Stattdessen wird das Theater Magdeburg, das vielfältige Kontakte nach Japan hat, ein Benefizkonzert geben. Es beginnt am Sonntag um 11 Uhr im Schauspielhaus. Unter dem Motto des Erich-Kästner-Zitates "Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es" werden Künstler aus verschiedenen Sparten des Theaters zu erleben sein. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kimbo Ishii-Eto, der lange Zeit in Japan gearbeitet hat, findet ein literarisches Konzert statt mit Musik aus mehreren Jahrhunderten und Kontinenten – von Deutschland bis Japan.

Auch dafür ist der Eintritt frei und um Spenden wird gebeten. Der Erlös dieses Konzerts kommt ebenfalls der Japan-Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes zugute. Platzkarten gibt es bereits an den Theaterkassen.