Solch ein Spiel kann man verlieren. Hätte sich der FCM in alle seine Regionalligaspiele so massiv und entschlossen "hineingekniet" wie am Mittwochabend bei der unglücklichen 0:1-Pokalniederlage beim HFC – ein Platz im Mittelfeld der Tabelle wäre ihm sicher. Das Aus im Viertelfinale hat jedoch einen Vorteil: Jetzt können sich die Elbestädter auf den Klassenerhalt konzentrieren.

Magdeburg. Präsidium zurückgetreten, der Aufsichtsratsvorsitzende hatte gekündigt, Trainer-Rauswurf, eine bislang erfolglose Suche nach einem hauptamtlichen Sportdirektor und nun das vorzeitige Aus im Landespokal – der FCM befindet sich in einer der turbulentesten Spielzeiten seit seiner Gründung im Jahre 1965. Doch eine Hoffnung bleibt, der Klassenerhalt ist nun das einzige erstrebenswerte Ziel. Allerdings ohne Angreifer Shergo Biran.

Der mit viel Vorschusslorbeeren und hohen Erwartungen von Dynamo Dresden zum FCM gewechselte Torjäger blieb, in Halle in der 85. Minute eingewechselt, auch in seinem vierten Spiel ohne Treffer. Viel schlimmer: Nach seinem Ausraster kurz vor Abpfiff war man sich gestern selbst im Fußball-Landesverband unschlüssig, ob dem "Sündenbock" nun eine Sperre auch für die kommenden Punktspiele droht.

Angebracht ist an dieser Stelle eine Eloge auf den Schiedsrichter dieser brisanten, hochemotional geführten Partie. Anfangs von Hallenser Seite argwöhnisch beäugt, war es vor allem dem souveränen Schönebecker Stefan Sauerzweig und seinem Team zu danken, dass das insgesamt zehnte Duell im Sachsen-Anhalt-Pokal zwischen den Dauerrivalen FCM und HFC zwar äußerst körperbetont, aber nie unfair über die Bühne ging. Selbst als in der Verlängerung mit einem Mann in Unterzahl die Waden stahlhart wurden und der FCM teilweise mit acht Feldspielern in Strafraumhöhe versuchte, sich torlos ins Elfmeterschießen zu retten, während die Angriffswogen des HFC im Minutentakt anrollten, behielt der unaufgeregt leitende Referee das 150 000-Euro-Spiel (TV-Gelder für das Erreichen des DFB-Pokals) unter Kontrolle.

Drei Schlüsselsituationen hatten schließlich den Ausschlag gegen den FCM gegeben: Erstens. Instenberg muss in der 103. Minute zum freistehenden Ujazdowski abspielen, statt es allein zu versuchen, Zweitens.. Biran muss sich bei seinem Ausraster (89.) unter Kontrolle behalten, Drittens. Becker und Köhne schaffen es nicht, Kanitz vom Ball zu trennen, behindern sich vielmehr gegenseitig, so dass der Hallenser die Flanke zum Boltze-Treffer (115.) geben kann.

Sehr ungehalten war FCM-Präsident Peter Fechner: "Na klar bin ich enttäuscht, denn es war für uns mehr drin. Die Mannschaft hat gekämpft und ein gutes Spiel gezeigt, aber durch eine folgenschwere Undiszipliniertheit am Ende verloren."

Deutlicher wurde Ex-FCM-Trainer Klaus Urbanczyk: "Birans Reaktion geht gar nicht. Das bleibt für jeden Trainer immer ein Risiko – ein Bärendienst für den FCM."

Reiner Haseloff, Sachsen-Anhalts im Wittenberger Ortsteil Piesteritz lebender designierter Ministerpräsident, der sich mit rot-weißem HFC-Schal geschmückt hatte, sah das Aus des FCM mit einem Augenzwinkern sportlich: "Grün-Weiß Piesteritz wird nun wohl im Finale auf den HFC treffen. Das gefällt mir sehr, denn Halle ist für uns Piesteritzer berechenbarer als der FCM."

Dessen Präsident legte sich gestern auf Volksstimme-Nachfrage auf einen Termin für die Installation des hauptamtlichen Sportlichen Leiters fest: "Bis Ende April wollen wir die Stelle besetzt haben."