Die russisch-orthodoxe Gemeinde in Magdeburg (300 Mitglieder) sieht sich vor dem finanziellen Ende, wenn der Abriss des bereits aufgebauten Fundaments erfolgt. Darauf machte Erzbischof Feofan aus Berlin in einem der Volksstimme vorliegenden Brief aufmerksam. Die Frist zur Beräumung des Grundstücks läuft am 29. April aus. Nach eigenen Angaben seien dann 645 000 Euro in den Sand gesetzt worden.

Alte Neustadt. Nach der Stadtratsentscheidung in der März-Sitzung, den Neuerwerb des Grundstücks in der Gareisstraße zum Bau der russisch-orthodoxen Kirche abzulehnen, muss nun das Fundament bis spätestens 29. April abgerissen sein. Diese letzte Räumungsfrist gab die Landeshauptstadt der russisch-orthodoxen Gemeinde.

Nach Angaben der russisch-orthodoxen Kirche stehe die Gemeinde "Allerheiligen" damit vor einem finanziellen Fiasko. Denn bisher seien bereits 645 000 Euro reine Spendengelder in das Projekt investiert worden. Davon mussten schon jetzt 50 000 Euro Fördermittel aus dem Stadtumbau Ost zurückgezahlt werden, 160 000 Euro sind mit dem Rückbau des Fundaments noch an Lotto Toto zurückzugeben.

Wenn man von einer Rückbaukostensumme von 90 000 Euro ausgeht, müsste die russisch-orthodoxe Kirche damit nochmals 250 000 Euro bezahlen, nur um die Schulden zu begleichen. Kosten, die von der Gemeinde nicht gezahlt werden könnten, da anders als bei deutschen Kirchenträgern es keine festen Einnahmen durch Steuern oder Ähnliches gibt. "Die Gemeinden finanzieren sich ausschließlich durch Spenden", erklärt Wolfgang Langhoff vom gleichnamigen Magdeburger Ingenieurbüro, der das Projekt in den letzten Jahren begleitet hat. Aus diesem Grund sei es für ihn besonders bedauerlich, dass mit dem Stadtratsbeschluss und der Räumungsverfügung mehr als eine halbe Million Euro jener Spendengelder aller Konfessionen abgeschrieben werden. "Vor allem viele kleine Leute aus Russland haben für den Kirchenbau gespendet. Was glauben Sie, unter welchem enormen Erklärungs-Druck die Magdeburger Gemeindemitglieder jetzt stehen, wenn das Fundament nun einem Parkplatz weichen muss", meint er. Die Rückzahlungssumme von 250 000 Euro Fördermitteln werde der Gemeinde außerdem finanziell das Genick brechen und damit einen Kirchenbau an anderer Stelle unmöglich machen, ist er überzeugt.

Ein "Umsetzen" des Fundamentes komme bautechnisch nicht in Frage. Dieses ist mit Bohrpfählen fest in den teilweise noch vorhandenen Überresten der früher an dem Ort befindlichen deutsch-reformierten Kirche verankert. Ein Abriss sei unumgänglich.

Nach seinem Kenntnisstand sei die russisch-orthodoxe Kirche inzwischen auf dem Stand, mit dem Bau beginnen zu können. Selbst neue Baumstämme habe man gekauft. Mittlerweile gebe es Sponsorenverträge, die der Stadt auch vorgelegt werden könnten. Das Geld für den Kauf des Grundstücks könnte sofort auf ein Notaranderkonto überwiesen werden. "Nur für den Abriss eines Fundaments wird eben keiner spenden, was für mich auch logisch ist", ist Langhoff überzeugt.

Das oberste Kirchenhaupt der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Erzbischof Feofan, schreibt in einem der Volksstimme vorliegenden Brief an verschiedene Stadtpolitiker: " … Im Jahr 2010 wurden nun neue Sponsoren für den Neubau gefunden. Auf Wunsch dieser haben wir im Herbst 2010 einen Kaufantrag für das Grundstück an Oberbürgermeister Lutz Trümper gestellt. Der Stadtrat hat den Kaufvertrag durch seine Fachausschüsse prüfen lassen. Die Empfehlungen aller beteiligten Ausschüsse waren für die Kirche positiv. Trotzdem wurde durch den Stadtrat beschlossen, keine Kaufverhandlungen mehr aufzunehmen."

In dem Brief heißt es weiter: "Die russisch-orthodoxe Kirche möchte das Grundstück, auf dem bereits 645 000 Euro investiert worden sind, nicht geschenkt haben, sondern kaufen und den Bau der Holzkirche beenden. Der politischen Entscheidung des Stadtrates lagen sicher die Interessen der Universität und Handwerkskammer zu Grunde. Aus unserer Sicht können die verschiedenen Interessen, auf dem großen Grundstück, zum Nutzen aller verbunden werden."

Finanzbeigeordneter Klaus Zimmermann bestätigte gestern der Volksstimme die Abriss-Fristsetzung der Verwaltung. Sollte der Rückbau durch die Gemeinde nicht erfolgen, werde eine "Ersatzvornahme" geprüft. Die Stadt würde in diesem Fall in Vorleistung gehen und die Kosten der Kirche in Rechnung stellen.

   

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