Sudenburg (jja). In der Serie "Magdeburger Straßennamen und ihre Bedeutung" hatte die Volksstimme in ihrer Ausgabe vom 22. März 2011 die Herkunft der Namen von Kroatenweg und Kroatenwuhne berichtet. Dazu erhielt die Redaktion jetzt eine interessante Ergänzung von Frithjof Schüler.

Der Volksstimme-Leser bezweifelt die Interpretation der Volksstimme, dass die Straßennamen auf eine Sage aus dem Dreißigjährigen Krieg zurückgehen. Der Sage nach soll ein kroatischer Kanonier verantwortlich für den Straßennamen sein. Seine Zielgenauigkeit soll laut der Sage Ursache für den Verlust der südlichen Spitze des Magdeburger Doms gewesen sein. Über den Wahrheitsgehalt der Sage sagt diese Geschichte natürlich wenig aus.

Volksstimmme-Leser Frithjof Schüler argumentiert mit Fakten aus der jüngeren Geschichte: "Dass es tatsächlich einen ,Kroatenberg‘ gegeben hat, ist durch ein Foto meines Vaters Hermann Brösel belegbar. Er wurde sogar als Rodelberg genutzt. Dieser Kroatenberg war eine markante Erhebung in dem ansonsten nach Süden flach abfallenden Gelände. Weithin sichtbar stand ein imposanter Baum auf dem Gipfel des Kroatenberges. Dieser Kroatenberg war ein altes steinzeitliches Hügelgrab."

Frithjof Schüler wurde als Bauleiter für die Tiefbau- und Erschließungsarbeiten für das gesamte Gelände der späteren "Stasi-Zentrale" Kroatenweg beauftragt. Er schreibt: "Das Projekt war natürlich streng geheim und kein Mensch wusste genau, was dort eigentlich gebaut werden sollte. Es gab keine exakten Bauanlaufberatungen und Bauunterlagen oder gar Lagepläne und dergleichen. Ich musste nun die Beräumung des Mutterbodens veranlassen und habe meine Planierraupen-Maschinisten mit dem Hinweis eingewiesen, dass das mir aus meiner Jugendzeit bekannte Relikt aus der Steinzeit von dem Abtrag verschont wird. Ich tat dies aus eigenem Ermessen, um das Hügelgrab zu schonen. Der Bauauftrag war natürlich damit nicht fertiggestellt, und ich hoffte, dass der von mir informierte Denkmalschutz die Vernichtung des Hügelgrabes verhindern könne. Die Information an den Denkmalschutz grenzte ja fast schon an Sabotage, fand natürlich keine begeisterte Aufnahme bei dem Investbauleiter der Stasi, worauf eine Beschwerde bei meinem Oberbauleiter unvermeidlich war. Dies führte zwangsläufig zu einer Überprüfung meiner Person mit dem Ergebnis, dass ich wohl für ein derart sensibles Bauobjekt nicht geeignet wäre. Meine Ablösung als Bauleiter erfolgte umgehend, ich wäre politisch unzuverlässig und ein Unsicherheitsfaktor. Mein damaliger Chef und Oberbauleiter, vor ca. sechs Jahren verstorben, wies dann die Maschinisten in einer Nachtschicht an, den Kroatenberg abzutragen und einzuplanieren."

Hermann Brösel habe als alter Sudenburger daraufhin seinen langjährigen Freund und Heimatforscher Werner Priegnitz informiert, der aber am Morgen danach nur noch die Reste des Hügelgrabes besichtigen konnte. Lediglich eine Tonscherbe eines Schurtopfkeramikgefäßes, noch im Besitz von Frithjof Schüler, konnte der Vater als Erinnerung an das Hügelgrab sichern. Frithjof Schüler stellte der Redaktion zwei Aufnahmen von Januar 1971 zur Verfügung, die die Reste des Hügelgrabes belegen.

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