Am 30. April ist Tag des Schiffshebewerks. Er könnte ein entscheidender Termin im Kampf um seine Wiederinbetriebnahme werden. Volksstimme-Redakteur Karl-Heinz Kaiser befragte den Vorstand des Fördervereins Technische Denkmale. Antworten gaben Reiner Riegg, 1. Vorsitzender, Jürgen Canehl, 2. Vorsitzender, und Rüdiger Hartewig, Pressesprecher.

Volksstimme: Was erwartet am 30. April die Besucher des Tags des Schiffshebewerks?

Förderverein: Ein buntes Programm, das die Stadt als Hauptakteur und der Förderverein gemeinsam vorbereitet haben (siehe Kasten). Lutz Trümper wird es um 12 Uhr eröffnen. Voraussichtliches Ende: 16 Uhr.

Volksstimme: Gibt es aus Vereinssicht besondere Höhepunkte?

Förderverein: Erstmals startet eine Fahrradsternfahrt aus Magdeburg, Haldensleben, Wolmirstedt, Burg und Barleben zum Hebewerk. Führungen durch das stillgelegte Schiffshebewerk sind geplant. Die Weiße Flotte fährt um 10 Uhr zum Schiffsfahrstuhl, um 16 Uhr zurück zum Petriförder. Ruderer, Kanuten, Wassersportler wollen kommen. Außerdem – das ist die ganz große Besonderheit – hat der Verein zuständige Persönlichkeiten aus dem Bundesverkehrsministerium und aus der Wasser- und Schifffahrtsdirektion eingeladen. Von diesen wird das eigentliche Highlight erwartet.

Volksstimme: Und das wäre ...? Etwa die Ankündigung, dass die Wiederinbetriebnahme bevorsteht?

Förderverein: Genau das erwarten wir. Die Einladungen sind abgeschickt, Darin ist die Bitte formuliert, den Magdeburgern zu sagen, dass der Bund ihren Wünschen nachkommt. Immerhin haben 56 000 Elbestädter und Bürger der Region für den Erhalt des einmaligen und funktionsfähigen Denkmals unterschrieben. Die Liste liegt dem Bund vor.

Verein sieht Bund jetzt in der Pflicht

Volksstimme: Und, glauben Sie, dass dies geschieht?

Förderverein: Der Verein sieht den Bund jetzt in der Pflicht, den Menschen direkt zu sagen, was nun eigentlich Sache ist. Seit Jahren gibt es immer wieder neue Gespräche, mal werden Barrieren ab-, ein andermal wieder welche aufgebaut. Noch immer ist die Klage von Wassersportlern und Weiße Flotte anhängig. Im März nun hat Oberbürgermeister Lutz Trümper nach seinem Gespräch mit dem zuständigen Staatssekretär hoffnungsvolle Ergebnisse aus Berlin mitgebracht, die Volksstimme hatte darüber berichtet.

Volksstimme: Aber es ging ja noch um ungeklärte Haftungsfragen.

Förderverein: Das ist die einzige Frage, die noch offen steht. Wie wir wissen, arbeiten daran die Beigeordneten Holger Platz, Klaus Zimmermann und Rainer Nitsche sehr zielstrebig.

Volksstimme: Alles andere ist geklärt?

Förderverein: Der Staatssekretär hat zugesagt, dass der Bund mit eigenem Personal den Betrieb übernimmt. Die Stadt, das Land und die Region bringen gemeinsam die 300 000 Euro u. a. für Personalkosten pro Jahr auf.

Volksstimme: Es gab ja schon einmal einen Zick-Zack-Kurs. Diesmal dürfte vom Bund kein Zurück mehr zu erwarten sein?

Förderverein: Und das sollte endlich, wie gesagt, ein zuständiger Vertreter offen sagen. Im Übrigen haben sich inzwischen die Bedingungen geändert. Wirtschafts- und touristische Schifffahrt haben nunmehr eine gleichrangige Position auf den Wasserstraßen. Das ist Gesetz und ganz entscheidend auch für dieses Problem.

Volksstimme: Inwiefern?

Förderverein: Das Schiffshebewerk soll ja entscheidend den Wassertourismus fördern. Weil es stillgelegt ist, müssen enorm viele Touristen mit kleinen Motorbooten oder muskelgetriebenen Wasserfahrzeugen einen Bogen um Magdeburg machen. Grund: Sie kommen entweder gar nicht oder nur mit größten Schwierigkeiten durch die Sparschleuse. Ein dem Verein vorliegendes Gutachten aus Gelsenkirchen besagt, dass deshalb Magdeburg und der Region jährlich um die 100 000 Touristen verloren gehen. Hinzu kommen die Belange der Weißen Flotte, der nach der Hebewerksstilllegung vor gut 5 Jahren eine Attraktion verloren geht. Übrigens: Die Landesregierung Brandenburg und der Regierende Bürgermeister von Berlin haben Unterstützung für den Erhalt der durchgehenden touristischen Ost-West- Wasserverbindung über das Schiffshebewerk Magdeburg signalisiert.

Geöffnet werden soll von Mai bis Oktober

Volksstimme: Was, wenn der Bund die Forderungen trotzdem ignoriert?

Förderverein: Der Verein wird weiter um die saisonale Wiedereröffnung von Mai bis Oktober kämpfen, auch mit Aktionen. Das schon am Tag des Schiffshebewerks. Es wird in einem solchen Fall lautstarken Protest mit Schiffssirenen und Fahrradklingeln geben. Gehofft aber wird, dass diese "Instrumente" am 30. April aus Freude über eine positive Botschaft aus dem Bundesministerium erschallen werden.