Am 7. Mai beginnt– außer in den überfluteten Strandbädern – in Magdeburg die Freibadsaison 2011. Kurz vorher ist noch einmal die Diskussion über die Öffnungszeiten entbrannt. Flexibel, grundsätzlich von 10 bis 19 Uhr oder sogar bis 21 Uhr, das ist die Frage. Aus dem Rathaus wird zur Klärung sogar ein Öffnungszeiten-Versuch vorgeschlagen.

Magdeburg. Eine Freibadsaison zu planen, ist nicht einfach. Der Grund: Wettergott Petrus ist nicht gerade ein verlässlicher Partner. Bei warmem Sonnenschein bilden sich Schlangen vor den Kassenhäuschen, wird es kühl, ziehen nur noch ganz Hartgesottene ihre Bahnen durch die Schwimmbecken. Die Stadt Magdeburg hat dazu noch die Geißel "Haushaltsloch" im Nacken, die sie zwingt, die Personalkosten schärfstens im Blick zu behalten.

Darum stößt eine Anfrage der Stadtratsfraktion von SPD-Tierschutzpartei-future auch in der Rathausverwaltung auf ein sehr verhaltenes Echo. Die Fraktion wollte wissen, ob es möglich sei, dass ein Freibad der Stadt "regelmäßig bis 21 Uhr" geöffnet werden könnte.

"Nein", sagt Kulturbeigeordneter Rüdiger Koch, der auch für die Freibäder zuständig ist. Bei der derzeitigen Personalstärke sei dies nicht möglich, auch wenn alle Kräfte zu 100 Prozent ausgelastet würden. Und: Es wäre maximal sogar nur möglich, ein Freibad für die kompletten Regelöffnungszeit von 10 bis 19 Uhr eine Saison lang täglich geöffnet zu halten.

Im Klartext: Der Stellenplan gibt nicht mehr her, da zu wenige Mitarbeiter für den Bäderbetrieb beschäftigt werden können. Insgesamt stehen für alle Frei- und Strandbäder pro Saison 59 Saisonkräfte zur Verfügung. Das entspreche rund 34 Vollzeitstellen, erklärt Rathaussprecherin Cornelia Poenicke dazu. Dazu kommen dann noch einige Mitarbeiter der städtischen Hallenbäder, die in ihren Stammbädern während der sommerlichen Schließzeiten nicht benötigt würden. Diese Personalstärke reicht für einen "normalen" Bäderbetrieb aus. Normal bedeutet, dass an einigen heißen Tagen die Freibäder bis 20 oder 21 Uhr geöffnet bleiben könnten, an vielen kühlen Tagen aber schon vor 19 Uhr schließen.

Als Beispiel nennt Rüdiger Koch das Carl-Miller-Bad. Von 108 Saisontagen waren im vergangenen Jahr drei geschlossen, an 23 Tagen wurde vor 17 Uhr geschlossen, an 22 Tagen um 17 Uhr, an zehn Tagen um 18 Uhr und nur an 13 Tagen um 20 oder 21 Uhr. An allen anderen Tagen war das Millerbad demnach bis 19 Uhr geöffnet. In den anderen städtischen Freibädern sehe die Bilanz ähnlich aus. Dadurch, dass an vielen Tagen in der Saison die Bäder wegen kühlen Wetters deutlich früher schließen, werden die Saisonkräfte zum Teil auch nur "nach Bedarf" beschäftigt. Das wollte der Stadtrat ab 2007 so haben, um die Wirtschaftlichkeit der Freibäder zu verbessern. Das Haushaltsloch und der Sparzwang "lassen schön grüßen".

Rat muss entscheiden

Durch diese Beschäftigungsweisen konnten beispielsweise in der Saison 2010 rund 77000 Euro an Personalkosten eingespart werden, rechnet der Kulturbeigeordnete vor.

Zurück zu den Öffnungszeiten. Eine Saison lang ein Freibad durchgehend täglich bis 21 Uhr offen zu halten, sei nicht möglich, aber, schlägt die Verwaltung vor, ein Bad könnte komplett während der Saison 2011 von 10 bis 19 Uhr geöffnet werden. Allerdings nur versuchsweise, um zu ermitteln, wie sich die Kosten entwickeln würden. Aber, prognostiziert Rüdiger Koch, dieser Versuch werde mit Sicherheit für die Stadt ein Zuschussgeschäft, denn erfahrungsgemäß besuchen bei kühlem Wetter nur wenige Bürger die Freibäder. Den Mehrausgaben für Personal stünden dann Mindereinnahmen beim Eintrittskartenverkauf gegenüber. Folglich erhöhe sich der Zuschussbedarf für das Bad.

Obwohl sich die "Haushaltskatze" dabei in den "finanziellen Schwanz" beißt, schlägt die Verwaltung vor, für den Öffnungszeiten-Versuch das Carl-Miller-Bad auszuwählen.

Klar ist auch, wenn es sich um Mehrausgaben aus der Stadtkasse handelt, ist eine politische Entscheidung gefordert. Das heißt, der Stadtrat müsste entscheiden, ob der Öffnungszeiten-Versuch im Carl-Miller-Freibad gewagt wird oder nicht, denn das Ganze wird Geld kosten.