Ein Krippenanbau für 52 Kleinkinder ist gestern im Kindergarten "Waldschule" an der Leipziger Chaussee übergeben worden. Am kommenden Montag werden die ersten 22 Krippenkinder erwartet. Das Projekt ist mit 90 Prozent aus dem Krippenaufbauprogramm des Bundes gefördert worden.

Reform. Beinahe allergisch reagiert Oberbürgermeister Lutz Trümper, wenn man ihn auf einen Mangel an Kita-Plätzen oder auf übervolle Grundschulen in Süd anspricht. Auch gestern bei der Übergabe eines Krippenneubaus für den Kindergarten "Waldschule" zwischen Freibad Süd und Fort II nahm er in seiner Eröffnungsrede zur öffentlichen Debatte über die Schul- und Kita-Planung der Stadt Stellung: "Jedes Kind bekommt in Magdeburg einen Kita-Platz und es wird überhaupt nicht eng in den Grundschulen. Aber man muss schon die Normen einhalten, die das Land festlegt. Das ist im Privaten auch nicht anders, denn niemand baut sich ein Haus mit 500 Quadratmetern, wenn er nur eines mit 100 braucht."

Dass es zumindest bei der Versorgung mit Krippenplätzen "enger" für die Eltern wird, zeigt das Beispiel "Waldschule" exemplarisch. Noch vor sechs Jahren war der Kindergarten von der Stadt zur Schließung vorgesehen. Begründung: Kein Bedarf. Die GWG Gartenstadt Reform sah das anders und setzte alle Hebel in Bewegung, um die "Waldschule" zu erhalten. Am Ende übernahm sie das Gebäude sogar in eigenen Besitz, um die Kindereinrichtung zu retten. Der Krippenanbau geht auf eine Initiative des Johanniter-Landesverbandes als Träger der Einrichtung und der GWG Reform zurück. Sie stellten einen Förderantrag aus dem Krippenaufbauprogramm des Bundes und bekamen 915000 Euro bewilligt. 91500 Euro davon zahlte die GWG Reform. Ursprünglich sollte in den Neubau, der für 45 Kinder ausgelegt ist, die Krippe "Bienenhaus" aus dem Förderstedter Weg umziehen. Doch der explodierende Bedarf macht das unmöglich. Das "Bienenhaus" bleibt erhalten und dank einer Sondergenehmigung können in den Neubau der "Waldschule" nun sogar 52 "neue" Kinder einziehen. Kita-Leiterin Hella Konitzni aber sagt: "100 Anmeldungen lagen uns vor." Wo die anderen 48 angemeldeten Kinder unterkommen, blieb gestern offen. Jugendamtsleiter Detlef Claus: "Alle Eltern, die es wünschen, bekommen einen Kita-Platz."

OB Trümper sieht solche Tatsachen nicht als Kritik an den Planungen seiner Experten, sondern als "erfreulichen Trend der Geburtenentwicklung": "Wir stehen wieder bei 2000 Geburten im Jahr. Und sollten es noch mehr werden, dann bauen wir eben noch eine Krippe." Ohnehin hoffe er auf einen Geldsegen vom Land: "Die neue Regierung hat ja versprochen, bis 2016 alle Kindergärten im Land zu sanieren."

Im Fall der "Waldschule" ist die Stadtkasse ohnehin geschont worden. Nachdem Bund und GWG die Baukosten übernommen hatten, musste die Stadt lediglich 69000 Euro für die Einrichtung aufbringen. "Teuer" kommt die Kommune indes die Kinderbetreuung zu stehen. Nach Angaben von OB Lutz Trümper muss die Stadt dafür jährlich 50 Millionen Euro aufbringen.

   

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