Eine Tagesausgabe der Volksstimme, ein paar Geldmünzen und die Baupläne – das waren die Zutaten für die kupferne Kapsel, die gestern für vermutlich sehr lange Zeit in der Stadtmauer am Fuße der Strombrücke versenkt wurde. Ein besonderer Moment an historischer Stätte. 1727 war hier das älteste Pegelhäuschen des Landes gebaut worden. Fast 300 Jahre stand es. Das marode Original wurde abgetragen und wird nun nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Gestern war Grundsteinlegung.

Altstadt. "Holt mal noch ein paar Steine!", ruft der Polier aus der Traube von Zuschauern, während OB Lutz Trümper behände die Maurerkelle schwingt, um die soeben in die Stadtmauer eingelassene Zeitkapsel einzubauen. Friedrich Koop, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg (WSA), kommentiert den symbolischen Akt derweil am Mikro. Unter den Augen von interessierten Magdeburgern und begleitet vom Gesang des Shantychores wurde damit gestern der offizielle Startschuss für den Neubau des Pegelhauses am Fuße der Strombrücke gegeben.

Die Arbeiten haben Mitte März mit mehrmonatiger Verspätung begonnen. Das Hochwasser zu Jahresbeginn verzögerte das Projekt, doch zur gestrigen Grundsteinlegung präsentierte sich bereits eine volle Baustelle. "Dieses gemeinsame Projekt von Wasser- und Schifffahrtsamt und der Stadt Magdeburg bringt uns nicht nur einen Zweckbau mit moderner Messtechnik, womit wir den Binnenschiffern u. a. sagen können, wie viel Wasser sie unter dem Kiel haben. Dieses Bauwerk wird auch ein echtes Highlight für die Magdeburger", verspricht WSA-Leiter Friedrich Koop den Gästen. Kern des Projektes ist der Neubau des Pegelhauses, dessen Original an gleicher Stelle fast 300 Jahre gestanden hatte. 1727 war die Messstation an der Elbe gebaut worden. 1896 erhielt sie als eine der ersten einen Schwimmpegel, der die Messungen an die Pegeluhr übertrug und automatisch aufzeichnete. So wussten die Schiffer auf ihren Kähnen oder die Magdeburger an Land immer, wie viel Wasser die Elbe gerade trägt. Historische Werte hat der Pegel an der Strombrücke seither verzeichnet: den niedrigsten im Juli 1934 mit 48 cm (umgerechnet auf die heutigen "Pegelnullpunktverhältnisse"), die höchsten im Winter 1941 (mit Eisaufschichtung) 7,01 Meter und im August 2002 mit 6,80 Meter. Elf Jahre zuvor, 1991 waren die letzten größeren Arbeiten am Pegel vorgenommen worden. Eine digitale Großanzeige fand hier u. a. ihren Platz. "Nach 20 Jahren wird es nun Zeit für eine sorgfältige Überarbeitung", bemerkt WSA-Chef Koop. Auch für OB Lutz Trümper war der Baustart für das Pegelhaus gestern ein bemerkenswertes Ereignis. "An dieser historischen Stätte sind wir in der Pflicht, etwas Besonderes zu bauen", sagte er. Stadt und WSA lassen sich das Projekt insgesamt rund 370000 Euro kosten. Dafür wurde nun bereits das alte Pegelhaus abgetragen, ebenfalls ein Teil der Stadtmauer davor. Sie wird jetzt auf ursprüngliche Höhe von ca. 2,80 Meter und versehen mit den alten Schießscharten wieder aufgebaut. Die Mauer schließt am historischen Torhaus ab, das ebenfalls saniert wird. Durch das Torhaus bzw. einen in der Stadtmauer neu geschaffenen Durchgang mit Treppe gelangen Besucher künftig die wenigen Meter hinab zum Pegelhäuschen, das somit für sie künftig viel besser erlebbar sein wird. Sie können das sechseckige Pegelhaus umlaufen, sogar einen Blick hinein werfen auf die Messtechnik und auf dem kleinen Elbbalkon mit schönster Aussicht verweilen. Planungsamtsleiter Heinz-Joachim Olbricht zeigte gestern schon mal den neuen Aussichtspunkt. In den nächsten Monaten wird hier am neuen Pegelhaus und dem Umfeld gearbeitet, im Juli soll Eröffnung sein. Allerdings wird die Pegelanzeige künftig an einer Stele angebracht. Zur Eröffnung im Juli gibt es erst mal ein Provisorium. Wenn die erhofften Fördermittel eintreffen, soll 2012 die Stele mit Pegelanzeige aufgestellt werden.

Zwei weitere übrigens am Buckauer Thiemplatz sowie im Wissenschaftshafen.

   

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