Altstadt. Rote Nelken am Revers, Bratwurst auf dem Grill, flatternde Fähnchen an Infoständen von Gewerkschaften und Parteien. Gelöste Stimmung herrschte gestern bei der Maiveranstaltung des Gewerkschaftsbundes auf dem Alten Markt. Einzig der frische Wind, der ab und an über den Platz fegte, stand als Symbol dafür, dass es hier doch um mehr ging als ein rundum gemütliches Volksfest. Es sind raue Zeiten auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote sei zwar auch in Magdeburg erfreulich gesunken, stellte OB Lutz Trümper als Gastredner der Maikundgebung fest. Doch bei genauerem Hinsehen seien unter den geschaffenen Arbeitsplätzen viele befristete sowie Leiharbeiterjobs und solche, von denen man nicht leben könne und daher vom Staat aufstocken lassen müsse. "Allein in Magdeburg müssen sich mehr als 8000 Arbeitnehmer zusätzlich Geld vom Jobcenter holen. 2000 davon arbeiten 40 Stunden, und es reicht trotzdem nicht zum Leben", so Trümper, der dies als "katastrophale Situation" bezeichnete und die Verbesserung der Löhne auf ein Niveau vergleichbarer Länder wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein forderte. "Dann hätten wir im Durchschnitt pro Kopf 4000 Euro jährlich mehr in der Tasche und es würden nicht mehr so viele junge und vor allem gute Leute abwandern", sagte er. Diese Angleichung müsse in 4 bis 5 Jahren geschafft werden. "Für diesen Kampf wünsche ich den Gewerkschaften und auch Parteien viel Erfolg", so Trümper, der selbst SPD-Mann ist.

Klare Worte kamen zudem von Hartmut Meine, IG-Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die Billiglohnpolitik sei gescheitert, sagte er. "Sie führt zur Abwanderung der Menschen in Regionen mit guten tariflichen Arbeitsbedingungen und hat schon heute dramatische Auswirkungen in den Betrieben. Fachkräfte sind kaum noch zu finden." Er forderte, Firmen nicht mehr zu fördern, die den Tarifvertrag ablehnen und Beschäftigten Dumpinglöhne zahlen.

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