Magdeburg. Die desolate Vorstellung der Blau-Weißen gegen Havelse hat offenbar ungeahnte Konsequenzen. Die Lage eskaliert. Den hart gesottenen Anhängern der "Magdeburger Jungs", die sich selbst der sogenannten Kategorie C zurechnen und nicht den Ultras angehören, platzte nun endgültig der Kragen, wie ein Sprecher ges- tern der Volksstimme sagte.

Die Gruppierung hatte schon in früheren Zeiten für Schlagzeilen gesorgt, sich in den letzten Jahren aber zurückgezogen. Sie war jedoch stets eine eingefleischte Club-Anhängerschar geblieben und will eigenen Worten zufolge "nicht tatenlos zusehen", wie ihr Club in die fünfte Liga abstürzt.

Die Anschuldigungen sind massiv. So sollen sich einzelne Spieler des aktuellen Regionalligakaders nicht leistungssportgerecht verhalten, sondern stattdessen nachts in Magdeburger Discos und Gaststätten aufgehalten und darüber hinaus "unter Alkoholeinfluss gestanden" haben. "Einige von uns sind Türsteher und haben das mit eigenen Augen gesehen. Die Spieler sollen Gras fressen und das FCM-Trikot in Ehren tragen und sich kein Gel in die Haare schmieren", so der entrüstete Fan-Sprecher zur Volksstimme. Von der Kritik ausdrücklich ausgenommen sind Matthias Tischer, Stephan Neumann und Christian Beer.

Die Anhänger wollten sich die Spieler schon gestern beim Training "vorknöpfen", kamen aber zu spät, weil die Mannschaft möglicherweise einen Tipp bekommen und das MDCC-Gelände vorzeitig verlassen hatte.

Heute nun soll ein erneuter Vorstoß unternommen werden. Ziel ist es, so betonte der Sprecher, die Spieler zur Rede zu stellen und von ihnen die feste Zusage zu erhalten, dass sie sich in den restlichen Spielen den "A ..." aufreißen und den Klassenverbleib schaffen.

Die Tatsache, dass diese seinerzeit oft nicht gerade zimperliche Fangruppierung nun wieder aktiv geworden ist, zeigt, wie aufgeheizt die Stimmung in der Stadt ist. Das amateurhafte Auftreten des FCM gegen Aufsteiger Havelse hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Wobei es solch massiven Fan-Protest gegen Spieler einer ers- ten Mannschaft aus Magdeburg zuletzt vor knapp 20 Jahren bei einem Zwischenfall in Lichterfelde, als die FCM-Kabine gestürmt wurde, gegeben hat. Daran sollen auch einige der jetzt handelnden Personen beteiligt gewesen sein.

Ein weiterer Grund, warum Wut und Zorn sich so richtig entladen, ist die vom Präsidium ausgelobte Sonderprämie von knapp 10 000 Euro (Volksstimme berichtete). Die Fans empfinden es als eine Frechheit, dass es zum einen eine Belohnung dafür geben sollte, dass der FCM nicht absteigt und die Akteure zum anderen das Angebot überhaupt angenommen und nicht von vornherein abgelehnt haben.