"Tanz in den Mai mit Silvia", verkündeten seit Wochen die Plakate am Neustädter See. Das "Malteser Stübchen", ein Nachbarschaftszentrum in Nord, versprach "tolle Musik und einen schönen Tag, Beginn: 14 Uhr". Die Volksstimme schlug gestern pünktlich zum ersten Takt am Seeufer auf, um Silvia und ihre Gäste beim Tanz zu erleben.

Neustädter See. "Heute bringen wir die Hüften und alle Ersatzteile mal ordentlich in Bewegung!", sagt Monika Riefstahl in ihrer kurzen Eröffnungsrede, und die versammelten Seniorinnen aus Nord applaudieren. Musiker Rudolf Knapp greift nun zu seinem Schifferklavier und spielt zum Tanz in den Mai im "Malteser Stübchen" den Schneewalzer für die sogleich kräftig schunkelnde Frauenschar.

Der "Hahn im Korb", der bisher einzige Mann in der Kaffeerunde im Hochhaus Am Seeufer 9, habe heute leider, leider keine Zeit, erzählen die Frauen. Dafür gibt Akkordeonspieler Rudolf sein Bestes, und als alle dann "Es gibt kein Bier auf Hawaii ..." singen, kommen die ersten ins Schwitzen vom Singen und Schunkeln.

In Nord Gehör verschafft

Sie grinsen vergnügt in die Runde: Silvia Wulff, die Leiterin des kleinen Stadtteiltreffpunktes mit Seeblick, und Monika Riefstahl, die sich als Seniorenbetreuerin des Vermieters Wobau für das "Stübchen" und seine zumeist älteren Besucher engagiert und daher als "Moni" bei den Maltesern schon zum Inventar zählt. Der Maitanz im Norden der Stadt ist mal wieder ein Selbstläufer. Rudolf Knapp stimmt schon den nächsten Gassenhauer an. Und noch auf der Promenade am Ufer kann man sein Akkordeon an diesem Nachmittag hören.

Auch sonst habe sich das vom Malteser Hilfsdienst und der Wobau vor anderthalb Jahren gegründete "Stübchen" im Viertel Gehör verschafft und einen guten Namen gemacht, erklärt das Duo Silvia und Monika. "Besonders beliebt ist die wöchentliche Wanderung am Mittwoch 10 Uhr. Bei Wind und Wetter stapfen wir um den See. Ich muss mir immer wieder eine neue Route ausdenken, aber da ich seit 30 Jahren hier in Nord wohne, ist das kein Problem", sagt Monika Riefstahl. Anschließend kehren die Wanderer meist noch hungrig zum gemeinsamen Mittagessen ins "Malteser Stübchen" bei Silvia Wulff ein. Geselligkeit bieten ebenso Veranstaltungen wie der Kaffeeklatsch jeden Dienstag ab 14 Uhr. "Da wird wirklich geklatscht und getratscht, was das Zeug hält, aber so soll das sein", sagt die Leiterin des Hauses.

Gemeinsam statt einsam

Den Kaffeeklatsch lässt sich auch Gerda Rondio (81), die Am Seeufer wohnt, nur in Ausnahmefällen entgehen: "Wir sind eine lustige Runde hier. Im Sommer grillen wir draußen am See. Nur beim Sport mache ich nicht mit." Jutta Herzberg (60) schaute als interessierte Besucherin vor einiger Zeit vorbei. "Ich wurde sofort herzlich aufgenommen und habe mich von Anfang an hier wohl gefühlt", erzählt sie. Deshalb kommt sie inzwischen meist mehrmals in der Woche ins "Stübchen".

Dessen Konzept geht aus Sicht von Monika Riefstahl gut auf: "Unser Anliegen ist es ja, die Menschen aus der Vereinsamung in ihren Wohnungen herauszuholen und Nachbarschaftsbeziehungen zu stärken. Inzwischen treffen sich einige Stammgäste privat zu Ausflügen oder Feiern. Solche Geschichten sind für uns eine schöne Bestätigung."

Das "Malteser Stübchen", Am Seeufer 9, hat geöffnet: Montag bis Donnerstag 10 bis 16 Uhr, Freitag von 10.30 bis 14.30 Uhr. Weitere Infos unter Telefon 5 90 55 32.