Die Schließung von Möbelplattenproduzent Varioboard ist nicht mehr abzuwenden. Alle 182 Mitarbeiter haben bereits die Entlassungspapiere. Eine Insolvenz soll es aber nicht geben. Das Werk wird geschlossen und bewacht. Ziel – zu einem wirtschaftlich besseren Zeitpunkt wieder produzieren oder verkaufen.

Altstadt/Rothensee. Zwar liefen gestern bei Varioboard GmbH in Rothensee noch die Schleifmaschinen und Sägen. Aber die einst gewaltige Dampfsäule stand längst erheblich dezimiert am Himmel. Ein untrügliches Zeichen der eskalierten Lage: Der Möbelplattenhersteller hat die direkte Produktion definitiv eingestellt.

Es werden noch Restaufträge erledigt, dabei die unterschiedlichen Kündigungsfristen der Mitarbeiter berücksichtigt, sagte Geschäftsführer Wilhelm Taubert. In etwa zwei Monaten werde das Werk (Investition 186 Millionen Euro) endgültig geschlossen und von einer Sicherheitsfirma bewacht. Bis dahin werden die Maschinen und Anlagen "konserviert". Sämtliche Teile werden gesäubert und so hergerichtet, damit sie mit minimalem Aufwand wieder in Betrieb genommen werden können.

Es werde angestrebt, das Werk bei wirtschaftlich besserer Lage neu zu starten oder es zu verkaufen, sagte Taubert weiter. Ersteres wird von Realisten eher bezweifelt. Eine Insolvenz werde aber nicht angemeldet, die Löhne und Lieferanten bezahlt, hieß es weiter.

Die bitteren menschlichen Folgen des Firmen-Niedergangs: Alle 182 Beschäftigten haben die Kündigung erhalten. Einen Sozialplan gebe es nicht, die Stimmung liege am Boden, sagte ein Arbeiter, der anonym bleiben will. Er habe aber seine Rechtschutzversicherung zwecks Klage eingeschaltet. Jens-Uwe Lentge, 11 Jahre im Betrieb, Anlagenbediener: "Das trifft uns alle hart." Er hoffe auf einen neuen Job, sagte er.

Heute haben sich 10 Mitarbeiter der Arbeitsagentur zum konzertierten Vor-Ort-Einsatz angemeldet. Sie wollen die Belegschaft vermitteln. Die Lage soll in anderen Branchen gut aussehen. Die 9 Lehrlinge jedoch können bei Tauberts branchennaher Firma in Möckern einsteigen.

Im Stadtrat hatte der Verlust von Varioboard nach einer Anfrage des Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka eine Debatte ausgelöst. Es sei zwar intensiver Kontakt mit dem Unternehmen gepflegt worden, sagte OB Lutz Trümper. Aber die Nachricht über die Entlassungen sei völlig überraschend gekommen. Die Stadt werde in Zusammenarbeit mit dem Land Hilfe anbieten. Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche sagte, dass auch Aktivitäten für die Gewinnung möglicher Investoren ausgelöst werden, u.a. über das Wirtschaftsbüro Shanghai.

Seit zweieinhalb Jahren zeichnet sich die Negativentwicklung beim Faserplattenproduzenten ab. Von der Weltfinanzkrise hat sich das Werk wie die gesamte Branche nie voll erholt. Im Frühjahr 2009 wurde Kurzarbeit gefahren. Zwischen 2008 und 2010 ging der Umsatz um 13 Millionen Euro zurück. Die Preiskonkurrenz aus China drückte, gleichfalls die Verdreifachung der Holzpreise. Außerdem bröckelten Absatzmärkte.

Eine von der EU geforderte Investition zur Verringerung des Staub-Ausstoßes drohte. Kosten: über 10 Millionen Euro. Das wäre nicht mehr bezahlbar gewesen, räumte Taubert ein.

 

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