Altstadt. Strahlend blauer Himmel. Die Sonne scheint. Die Temperaturen klettern am Thermometer? Denkste! Nichts klettert. Jedenfalls nicht am Riesenthermometer am Universitätsplatz, das jahrelang zuverlässig und markant Temperatur und Luftdruck anzeigte. Barometer und Wärmefühler sind seit Monaten defekt.

Nichts als eine leere, schwarze Anzeigetafel sehen die Menschen, die den Universitätsplatz passieren und sich fragen: Wie ist so was nur möglich – ausgerechnet an der Universität, die mit Otto von Guericke einen der wichtigsten Luftdruckforscher des 17. Jahrhunderts im Namen führt?

Warum gingen Thermometer und Luftdruckmesser die Puste aus? Und warum schaffen es Guerickes Erben – 13 000 studieren dort derzeit – seit Monaten nicht, die Anzeige wieder flottzumachen?

Schuld soll ausgerechnet auch noch das Wetter sein, das die Anzeige selbst vorhersagen soll. Das wurde zumindest im Dezember gemutmaßt. Beim eisigen Winter 2010 sollen angeblich Bauteile des Gerätes durch die Kälte zerstört worden seien. Kurzzeitig zeigte das Thermostat im vergangenen Dezember 63,6 Grad Celsius – plus wohlgemerkt – bei realen eiskalten minus 6,7 Grad Celsius an. Das war am 29. Dezember 2010.

Diese angeblichen Wärmegrade mitten im Winter führten zur Erheiterung, aber nicht zu einer Reparatur. Ganz im Gegenteil. Die Fehlanzeige war dann selbst der Universität zu viel. Daraufhin wurde die Anzeige außer Betrieb genommen – bis heute. Auf Volksstimme-Nachfrage versicherte die Universitäts-Verwaltung damals, man bestelle das defekte Bauteil nach und repariere das Thermometer.

Vier volle Monate und ein paar Temperaturunterschiede später hat sich jedoch nichts geändert, stellte nicht nur Volksstimme-Leser Rolf Legerlotz fest: "Otto von Guericke würde sich im Grabe umdrehen, sähe er diese Schmach, dass die Universität, die seinen Namen trägt, nicht in der Lage ist, die Anzeige wieder in Ordnung zu bringen. Gibt es an der Universität keine Dozenten und Studenten der Fachrichtung Maschinenbau, Elektrotechnik oder Informatik, die im Rahmen ihrer Praktika die Datenübertragung von einer gewöhnlichen Wetterstation auf die Anzeigetafel realisieren können?", macht der Leser seinem Ärger weiter Luft.

Das zuständige Dezernat der Universität räumt ein, dass es sich nicht nur um ein defektes Bauteil handele, sondern um eine komplette Neubestellung des Messgerätes. Sogar von einer Einzelanfertigung ist die Rede, da lediglich der äußere Rahmen bestehen bleiben würde, sagte Jan Wilhelm, Leiter des Dezernats für Allgemeine Angelegenheiten der Universität.

Doch die beauftragte Firma könne derzeit keinen endgültigen Fertigstellungstermin angeben, die Universität müsse warten. Und somit auch die Passanten, die zu Fuß, mit der Straßenbahn oder auch mit dem Auto an der Anzeigetafel vorbeikommen.

Erhitzte Gemüter sind in der Sache also auch weiterhin zu erwarten – auch ohne Temperaturanzeige.