Frankfurt/Main - Im deutschen Profifußball ist in der vergangenen Saison das Geld gesprudelt wie nie zuvor, doch angesichts der Wirtschaftskrise zeichnet sich das Ende des Booms ab.

Die 36 Clubs der Ersten und Zweiten Liga verzeichneten erneut einen Rekordumsatz und erlösten erstmals mehr als zwei Milliarden Euro. Dies gab die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Frankfurt/Main bekannt. Gestiegen sind jedoch die Schulden und die Zahl jener Clubs, die Rote Zahlen schreiben. "Die echten Auswirkungen werden wir 2009/2010 sehen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. "Aber wir wissen, was auf uns zukommt. Wir können mit Sicherheit sagen, dass es keinen dramatischen Einbruch geben wird."

Mit 2,03 Milliarden Euro erzielten die Vereine zum fünften Mal nacheinander einen Rekorderlös, im Vergleich zur Vorsaison stieg dieser um 5,3 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag der Umsatz noch bei 818 Millionen. Allerdings sind auch die Verbindlichkeiten der Clubs gestiegen und so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr: In der Ersten Liga zum 30. Juni 2009 auf über 610 Millionen Euro, im Unterhaus auf knapp 100 Millionen. "Das ist eine Entwicklung, die wir im Auge haben", betonte Seifert.

Die Zahl der Vereine, die eine positive Bilanz ausweisen konnten, ist von fünfzehn auf elf beziehungsweise von neun auf fünf zurückgegangen. Ein Grund dafür sind nach Angaben Seiferts die um 30 Prozent gestiegenen Transferzahlungen auf über 250 Millionen Euro. "Die Bundesliga hat noch nie so viel in die Qualität der Kader investiert", sagte der 40 Jahre alte Geschäftsführer. Bei den Gehältern hätten die Clubs jedoch "Augenmaß" bewiesen. Hier gab es nur eine geringe Steigerung auf 821 Millionen Euro. "Das ist ungefähr 50 Prozent dessen, was in der Premier League bezahlt wird", meinte Seifert mit Verweis auf die englische Liga.

Unter dem Motto "Robust in Krisenzeiten" hatte die DFL ihren Bericht zur wirtschaftlichen Situation im Lizenzfußball vorgestellt. "Die Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei. Die Bundesliga wird sich nicht davon abkoppeln können", erklärte Seifert. "Die Weichen für einen finanziell gesunden Profifußball in Deutschland sind jedoch gestellt." Die Saison 2008/2009 sei finanziell die beste gewesen, die es bisher gab - "aber es kommen auch wieder andere Zeiten. Es wird schwierig sein, die Erfolgsstory immer weiter zu schreiben."

Ungebrochen ist der Zuschauerboom: 12,8 Millionen Fans in der Ersten Liga und 4,8 Millionen in der Zweiten Liga sahen in der vergangenen Spielrunde die Begegnungen - mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Mit einem Schnitt von fast 42 000 Besuchern liegt die Bundesliga auch deutlich an der Spitze der fünf besten Ligen Europas. Die Einnahmen durch Fernsehgelder lagen bei bei 594 Millionen und stagnieren seit drei Jahren nahezu. Rekordwerte gab es bei den Erlösen aus der Werbung (573 Millionen) und aus dem Spielbetrieb (424,5 Millionen). 13,6 Millionen Menschen sehen sich hierzulande nach DFL-Informationen an jedem Spieltag die Bundesliga in verschiedenen Fernsehsendungen an.