Von sechs Zivildienstleistenden zu 700 Mitarbeitern – in den 20 Jahren seines Bestehens wuchs der vor ca. einem Jahr aus drei Kreisverbänden neu gebildete Regionalverband der Johanniter-Unfall-Hilfe Magdeburg/Altmark/Börde/Harz enorm und ist aus Rettungsdienst und Kinderbetreuung nicht mehr wegzudenken. Anlässlich der morgen ab 17 Uhr im Kulturwerk Fichte stattfindenden Festveranstaltung sprach Volksstimme-Redakteur Andreas Stein mit dem Regionalvorstand Reinhard Doberenz.

Volksstimme: Herr Doberenz, seit 20 Jahren ist die Johanniter-Unfall-Hilfe in Magdeburg aktiv. Woher kennen Sie die Bürger?

Reinhard Doberenz: Wir haben mit sechs Zivis angefangen, arbeiteten nach der Wende zunächst im Rettungsdienst und Krankentransport, später kamen die sogenannten sozialen Dienste und die Trägerschaft für Kitas, die Erste-Hilfe-Ausbildung und die Jugendarbeit dazu. Man kann wirklich sagen, wir sind sehr präsent in Magdeburg.

Volksstimme: Welche Probleme plagen den Verband heute?

Reinhard Doberenz: Eigentlich kann ich nur Positives berichten. Wir haben uns in den vergangenen Jahren beständig vergrößert, beobachten aber, dass die Anforderungen z. B. in der Betreuung und Pflege älterer Mitbürger immer mehr steigen. Unser Angebot wollen wir deshalb entsprechend erweitern.

Volksstimme: Zu Spitzenzeiten in den 90er Jahren hatten Sie 80 Zivildienstleistende. Mit Aussetzung der Wehrpflicht fallen sie als Hilfskräfte weg. Wer füllt die Lücke?

Reinhard Doberenz: Wir bieten noch eingeschränkt ein Freiwilliges Soziales Jahr an, aber das reicht natürlich nicht aus. Deshalb mussten wir unsere Tätigkeitsbereiche völlig umstrukturieren und haben dafür hauptamtliche Kräfte eingestellt.

Volksstimme: Die Johanniter twittern und sind auf Facebook, entgegen dem Trend wächst die Zahl Ihrer jungen Ehrenamtlichen. Wie schaffen Sie dieses Kunststück?

Reinhard Doberenz: Wir sind einfach präsent, angefangen von den Kitas und Horten über die Erste-Hilfe-Ausbildung in den Schulen und die Johanniter-Jugend bis zu den Katastrophenschützern. Wir werden gerade hier im Elberaum oft gebraucht und die Menschen sehen, dass unsere Hilfe wirklich etwas bewirkt. Wir freuen uns natürlich immer über neue Gesichter und haben vor allem Bedarf im Sanitäts- und Versorgungsdienst. Egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, jeder kann sich melden.

Volksstimme: Als gemeinnützige und mildtätige Organisation brauchen die Johanniter auch die Geldspritzen ihrer Fördermitglieder. Doch davon gibt es immer weniger ...

Reinhard Doberenz: Das ist richtig und liegt nicht nur an der wirtschaftlichen Situation der Menschen, sondern auch an der demografischen Entwicklung hier in Sachsen-Anhalt. Doch ich bin zuversichtlich, dass wir auch weiterhin durch gute und solide Arbeit neue Fördermitglieder finden.

Volksstimme: Ein Blick in die Zukunft: Wo steht die Johanniter-Unfall-Hilfe in 20 Jahren?

ReinhardDoberenz: Hilfs-organisationen wie unsere wird es hoffentlich noch lange geben – solange es noch Bedarf dazu gibt. Und auch in der Region brauchen die Menschen in Notsituationen unsere Hilfe, zum Beispiel im Rettungsdienst oder in der Altenpflege. Die Strukturen der Hilfsorganisationen, die wir hier in Deutschland haben, sind ein Schatz, der gehütet werden sollte.

Für mich ist klar: Nur über bezahlte Leistungen wird es im Sozialwesen auch künftig nicht gehen. Wir brauchen zusätzlich die Ehrenamtlichen und ihr Engagement. Es gibt genug zu tun.