Weitreichende Kompetenzen und ein riesiger Berg Arbeit – die 13 Mitglieder des neu gegründeten Seniorenbeirates müssen erst zueinander finden und haben den Eindruck, die Stadtverwaltung lasse sie außen vor. Der zuständige Beigeordnete Hans-Werner Brüning weist das zurück. Er fürchtet eine Überforderung des ehrenamtlichen Gremiums.

Magdeburg. Für Vorstand Al-fred Westphal war es eine Szene mit Symbolkraft: Auf der Stadtratssitzung am vergangenen Freitag stellte er den Antrag, das Thema "Belebung der Goldschmiedebrücke" in den Seniorenbeirat zu überweisen und erntete dafür verwirrte Blicke aus der Stadtverwaltung. Der Beirat könne sich ja damit beschäftigen, aber eine Überweisung? Mittels Satzung konnte Westphal den Beigeordneten Platz schließlich überzeugen, dass das Gremium Organstellung hat.

Bei der Sitzung des Seniorenbeirates am Mittwoch redete Westphal den Beiratsmitgliedern dann ins Gewissen: "Wir müssen uns klarwerden, wer wir sind. Ich schätze, 80 Prozent der Verwaltung kennen die seniorenpolitischen Leitlinien nicht. Aber wir brauchen regelmäßig Vorlagen von der Verwaltung, die uns tangieren", forderte er. "Wir können selbst intervenieren, Anträge stellen, zuarbeiten", mahnte Alfred Westphal – und handelte sich prompt den Vorwurf der ehemaligen FDP-Stadträtin Sabine Paqué ein, er als Stadtrat dominiere den Seniorenbeirat.

Doch Westphal blieb dabei: "Wir sind noch nicht richtig in Gang gekommen." Andere Beiräte und auch die frisch gewählte Vorsitzende Cornelia Dag sahen das ähnlich. "Das müsste in der Dienstbesprechung des Oberbürgermeisters angesprochen werden", regte Jürgen Hildebrand an. Sozialbeigeordneter Hans-Werner Brüning, von seiten der Verwaltung zuständig für den Seniorenbeirat, hält das für unnötig. "Ich habe den Beirat ausführlich in der Verwaltung und der OB-Runde vorgestellt", sagte Brüning der Volksstimme. Seine größte Befürchtung: Das Gremium könne bereits in der Findungsphase überfordert und enttäuscht werden. Der Beirat müsse sich schrittweise entwickeln.

Das ehrenamtliche Gremium sehe sich einem Riesenberg an Stadtrats- und Verwaltungsarbeit gegenüber, sei aber gleichzeitig ein Beratungs- und kein Arbeitsgremium. Brüning will OB Trümper deshalb Vorschläge für eine praktikable Routine unterbreiten und denkt an ein Mittel ähnlich der lange praktizierten Kinderfreundlichkeitsprüfung, allerdings in abgespecktem Maße.

Cornelia Dag kündigte indes an, mit Flyern und im Internet weiter auf den Seniorenbeirat aufmerksam zu machen.

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