Vor fünf Jahren wurde die Magdeburger Freiwilligenagentur eröffnet. Bis heute hat sich das Büro in der Einsteinstraße zu einer Zentrale entwickelt für alles, was mit Freiwilligenarbeit zu tun hat. Mit rund 1000 freiwilligen Mitstreitern.

Magdeburg. Recht klein hat es angefangen, begleitet allerdings von großen Zweiflern: Kann eine Freiwilligenagentur in Magdeburg funktionieren? Sie kann. Das haben Birgit Bursee und ihr Team in den vergangenen fünf Jahren bewiesen.

Mittlerweile sind 948 Frauen und Männer als freiwillige Helfer registriert. Rund zwei Drittel davon sind vermittelt, zum Teil in mehrere Bereiche: Insgesamt 869 angenommene Tätigkeiten werden derzeit von Freiwilligen ausgeübt, ist von Agenturleiterin Birgit Bursee zu erfahren.

Die Geschäfts- und Beratungsstelle in der Einsteinstraße 9 ist Zentrale sowohl für Menschen, die in ihrer Freizeit Gutes tun möchten, als auch für Vereine und Organisationen, die Hilfe benötigen. Denn im Mittelpunkt steht die Netzwerkarbeit. Viele Fäden laufen mittlerweile bei der Freiwilligenagentur zusammen, so dass sie u.a. auch das Soziale Netzwerk der Stadt betreut. Auf der Internetseite www.info-netz-magdeburg.de) kann man z.B. die Ansprechpartner für Fragen wie Schuldnerberatung oder Informationen zum Elterngeld finden (was nicht zum Aufgabenbereich der Freiwilligenagentur gehört; die Übersicht wird von der Agentur jedoch ständig aktualisiert).

Die Einsatzgebiete der Ehrenamtlichen reichen vom Kinder- und Jugendbereich (beispielsweise ehrenamtliche Lernpaten an Grundschulen, Lese- und Hausaufgabenhelfer) über Freizeitangebote, Projekte von freien Theatern bis zu Hilfe in Soziokulturellen Zentren oder im Sportbereich. Bis hin zur Notfallseelsorge.

Ein großes Feld ist der Besuchsdienst für Senioren. "Dafür könnten wir noch Hunderte Freiwillige gebrauchen", meint Birgit Bursee. Dabei geht es nicht um Pflegedienste, sondern um Besuche in Alten- und Pflegeheimen. Zum Vorlesen, Kartenspielen, Reden.

Keine Konkurrenz für Berufstätige

300 registrierte Angebote gibt es bei der Freiwilligenagentur, der aktuelle Bedarf schwankt, um die 200 sind es derzeit. Aktiv sind die Ehrenamtlichen in 184 Einrichtungen, bei 146 Trägern.

Kritiker befürchten bei den Worten "freiwillig" und "Ehrenamt" Konkurrenz für Berufstätige, eine Bedrohung für Arbeitsplätze. "Das hören wir immer wieder", bestätigt Birgit Bursee. Doch was die Agentur vermittelt, sind "ausschließlich Zusatzangebote". Beispielsweise Lernpaten im Hort: "Auch ohne Paten findet die Betreuung statt – aber mit ist es eben besser, individueller, vielfältiger." Jede Einsatzmöglichkeit werde vorab geprüft auf Geschäftlichkeit. "Sowie wir bemerken, dass es sich um einen kontinuierlichen Einsatz handeln soll, der unverzichtbar ist, lehnen wir ab."

Auch ist der Einsatz zeitlich beschränkt. 90 Prozent der Freiwilligen engagiert sich fünf Stunden in der Woche, so Bursee. "Das ist keine Konkurrenz für Arbeitsplätze."

Um das Thema Ehrenamt mehr in die Öffentlichkeit zu rücken, wurde in dieser Woche in der Freiwilligenagentur eine Ausstellung eröffnet. Sie zeigt Magdeburger/-innen, die in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig sind. Auch als Anerkennung für ihr Engagement. Denn: "Ein Dankeschön ist der einzige Lohn, den sie erhalten."

Zur Ausstellung gehören 100 Porträts plus Grußwort vom Schirmherrn OB Lutz Trümper auf 28 Flächen à 85 cm Breite und 220 cm Höhe (sogenannte "roll up", die einfach für den Transport zusammen- und vor Ort wieder aufgerollt werden). "Wir möchten die Ausstellung möglichst dort zeigen, wo viele Menschen sie sehen und sich informieren können", sagt Birgit Bursee. So beispielsweise im Rathaus und in der Stadtbibliothek. Gern seien auch Organisationen und Vereine eingeladen, sie bei Veranstaltungen aufzustellen.

"Interessenten können sich jederzeit bei uns melden", betont Bursee: in der Einsteinstraße 9, Telefon 5 49 58 40.