Der Vandalismus rund um das "Salbker Lesezeichen" sorgt seit Wochen für Schlagzeilen. Als Urheber unter Generalverdacht: Jugendliche. Am Freitag drehten junge Salbker den Spieß um: Sie trafen sich, um am"Salbker Lesezeichen" zu putzen. Mit dabei: Jugendliche der Freiwilligen Feuerwehr Süd, vom Opelverein und viele andere aus der Gegend.

Salbke. Jens Klapputh, Kontaktbeamter der Polizeistation Süd, schaut am Freitag sehr zufrieden in die Runde: "Die Jugendlichen wissen, dass sie für die Verschmutzung des Lesezeichens verantwortlich sind. Sie mit leichtem Druck zu verpflichten, hier aufzuräumen, ist viel wirksamer, als eine Strafe oder Anzeige. Diese Putzaktion gibt den Mädels und Jungs die Chance, ihre Fehler wiedergutzumachen. Es ist doch in ihrem Interesse, wenn das Lesezeichen wieder sauber und ordentlich ist."

Die Idee, die jungen Salbker anzusprechen und sie aufzufordern, ihren eigenen Dreck wieder wegzuräumen, hatte Jens Klapputh und eine Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendeinrichtung "Haus Thieberg" in Salbke.

Ziemlich überrascht waren die Organisatoren und der Bürgerverein Salbke, Fermersleben, Westerhüsen, als am Freitag gegen 18 Uhr über 30 junge Leute anrückten. "Es ist richtig toll, dass so viele von ihnen mitmachen," ist der KOB begeistert.

Die Volksstimme hörte sich unter den jungen Leuten um. Der 15-jährige Daniel Vorreyer nennt Salbke schon immer seine Heimat: "Obwohl ich persönlich nicht oft am Lesezeichen bin, habe ich mitgeputzt. Es ist ein beliebter Treffpunkt und so soll es doch auch bleiben." Auch Tino Ueckert, 17 Jahre, aus Westerhüsen, war fleißig mit dabei: "Wenn es hier sauber ist, komme ich natürlich gern mit Freunden her. Darum hoffe ich, dass es jetzt länger so schön sauber bleibt."

Die 14-jährige Jasmin Hoyer ist oft am Lesezeichen: "Ich hoffe, dass wir es gemeinsam schaffen, für Ordnung zu sorgen, damit wir uns hier wieder wohlfühlen!" Am Freitag ist sie gemeinsam mit ihrer Freundin Linda Merthen (13) da. "Herr Klapputh hat uns angesprochen und uns zu dieser Aktion motiviert. Natürlich möchten wir uns auch weiterhin am Lesezeichen treffen und wissen, dass es mit all diesem Dreck und den Schmierereien nicht weitergehen konnte."

Ohne dass es direkt einer von den jungen Leuten zugibt, so ist zwischen ihren Worten das schlechte Gewissen durchaus herauszuhören. Die Bereitschaft, beim Aufräumen mit anzupacken, wird auch von Rainer Mann, Vorsitzender des Bürgervereins, sehr begrüßt: "Es ist ein wichtiges Zeichen für das Lesezeichen."

Um die Teenager auch künftig bei der Sauberkeit im "Lesezeichen" zu unterstützen, will der Verein für neue und größere Müllcontainer sorgen. Außerdem wurden professionelle Graffiti-Künstler angesprochen, um die beschmutzten Wände zu besprühen. Am Freitag wird deutlich, dass die jungen Leute Einsicht zeigen und Besserung geloben. Ob sie es umsetzen, wird die Zeit zeigen.

Das "Salbker Lesezeichen" ist eine Art offenes Bücherregal und ein Jugendtreffpunkt, das 2008/2009 am Salbker Engpass entstand. Das "Lesezeichen" ist ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtplanungsamtes zur Brachflächengestaltung, der Architektengruppe KARO aus Leipzig sowie der Magdeburgerin Sabine Eling-Saalmann (Architektur + Netzwerk). Es gibt eine Bühne, Büchervitrinen und Sitzterrassen für die Nutzer. 2010 erhielt das "Lesezeichen Salbke" den bedeutenden europäischen Architekturpreis "European Prize for Urban Public Space".

   

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