Bei drei Informationsveranstaltungen vor Ort stellt das Stadtplanungsamt in den nächsten Wochen die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung für Süd und Südost vor. Das Interesse hielt sich beim Auftakt für die Leipziger Straße in Grenzen: Nicht einmal 20 Bürger waren am Donnerstag gekommen. Ob sie ahnten, dass sich die Untersuchung auf das Gebiet "Insel" mit dem früheren SKET-Gelände beschränkt?

Leipziger Straße. Wer am Donnerstag auf Ideen der Verkehrsplaner gehofft hatte, wie künftig die Verkehrsströme im ganzen Stadtteil Leipziger Straße gesteuert werden sollen, ging enttäuscht nach Hause. Die "Verkehrsuntersuchung Süd" beschränkte sich im Wesentlichen auf das Gebiet "Insel" mit dem früheren SKET-Gelände. Für Roswitha Baumgart, Abteilungsleiterin Verkehrsplanung im Stadtplanungsamt, kein Problem: "Hier gibt es den größten Handlungsdruck."

Denn mit der Ansiedlung von "regiocom" (950 Mitarbeiter am Standort Marienstraße), der Evangelischen Sekundarschule (Planung: 264 Schüler) und der Erweiterung von SKET-Enercon auf das SKET-Nordgelände erwarten die Planer weitere Investoren auf dem Areal (35,2 der 43,2 Hektar sind noch frei). Dafür aber muss es erschlossen sein. Verkehrsplaner Dietmar Buschmann stellte dafür den Neubau von drei Straßen durch das SKET-Gelände vor, die von der Warschauer Straße aus über die Freie Straße bis zur Dodendorfer Straße in Höhe Fermersleber Weg führen. Eine Direktverbindung zur Salbker Straße empfehlen die Verkehrsplaner nicht, um die Wohngebiete nicht zu belasten. Stattdessen begnügt man sich mit einer Fuß- und Radwegverbindung. Für alle drei Erschließungsstraßen mit Anbindung an die Dodendorfer Straße sind, so Baumgart, Fördermittelanträge gestellt (Gesamtkosten 5,7 Millionen Euro).

Im Verkehrskonzept fest eingeplant, aber kostenseitig noch nicht geschätzt, ist der Ausbau des Fermersleber Wegs von der Dodendorfer Straße bis zum Magdeburger Ring, um die erhoffte Ansiedlung von Firmen verkehrstechnisch anzubinden. Baumgart weiß sehr wohl, dass das besonders zwischen Ring und Semmelweisstraße schwierig wird: "Dort reicht die Straßenbreite nicht aus, bei einer Realisierung müssten Kleingärten weichen."

"regiocom"-Geschäftsführer Klemens Gutmann und ein Vertreter der Evangelischen Sekundarschule hoffen indes auf eine Bushaltestelle in der Dodendorfer Straße, um mehr Mitarbeiter/Schüler zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen.

Buschmann machte deutlich, dass die meisten Straßen im Umfeld "ziemlich marode" sind: "Da ist noch viel zu tun, aber die städtischen Mittel sind begrenzt." Derzeit leben im Viertel "Insel" 400 Menschen, aber über 1200 arbeiten hier.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die Verkehrsplanungen (Zielzeitraum bis 2025) die Lenkung der Verkehrsströme außerhalb der "Insel" ausblenden. Offen blieb z. B., wie die Stadt den Ausbau der Leipziger Straße zwischen Hallischer Straße und Fuchsberg einordnet, wie die Zukunft der Warschauer Straße aussieht oder wie man dem zunehmenden Verkehr durch die Bernhard-Kellermann-Straße begegnen will. Kontrovers diskutiert wurde das Linksabbiegeverbot von der Leipziger Chaussee in die Schilfbreite oder die gekappte Geradeaus-Verbindung von der Bernhard-Kellermann-Straße in den Klostergraben. Eine Bürgerin fasste ihren Eindruck so zusammen: "Geplant wird nur da, wo sich eventuell Unternehmen ansiedeln. Aber dort, wo die Menschen wohnen, wird nichts gemacht."

Weitere Veranstaltungen gibt es demnächst für die Stadtteile Hopfengarten und Salbke.

 

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