Noch im Mai soll die Entscheidung über die umstrittenen Pläne für eine neue Einkaufsmeile auf dem ehemaligen Schlachthofgelände getroffen werden. Mit 9000 Quadratmeter Ladenfläche sind 15 Discounter geplant. Genug Zündstoff für eine öffentliche Debatte. Zahlreiche Leser, Anwohner und Innenstadthändler meldeten sich dazu gestern am Volksstimme-Telefon zu Wort, so dass die Redaktion sortiert: Heute lesen Sie die Meinung der Stadtfelder, am Montag die der Innenstadthändler.

Stadtfeld-Ost. Zahlreiche Leser meldeten sich gestern zu Wort. Deshalb veröffentlicht die Redaktion die Wortmeldungen der Innenstadthändler separat am Montag. Diese Meinungen äußerten gestern die anderen Leser am Telefon:

Inge Sorge aus Brückfeld: "Ich bin 85 Jahre alt und wohne am Heumarkt. Hier gibt es keine einzige Einkaufsmöglichkeit mehr, die zu Fuß zu erreichen ist. Das müsste sich besser verteilen."

Dietrich-Eike Lingner aus Stadtfeld: "Ich bin der Meinung, dass ein Garten- und Baumarkt auf das Gelände kann. Alles andere brauchen wir in Stadtfeld wirklich nicht mehr. Lebensmittelmärkte und Discounter gibt es wirklich genügend."

Joachim Weißenstein: "Ich möchte dem Vorhaben zustimmen. Der Mix von Wohnen und Einzelhandel ist ideal. Es ist ein großes Einzugsgebiet und Kaufland ist ja auch schon da. Die Leute überlegen es sich zweimal, ob sie zum Einkaufen mit den teuren MVB-Tarifen in die Innenstadt fahren. In dem Bereich wohnt es sich sicher sehr schön."

Anja Bohrmann aus Stadtfeld: "Die Infrastruktur in unserem Stadtteil reicht völlig aus. Hier gibt es so viele Märkte und Discounter, da brauchen wir nicht noch mehr davon. Wozu will man denn dort auf dem Schlachthofgelände noch einen weiteren Einkaufspark wie Florapark und Bördepark einrichten? Einfamilienhäuser wären an dieser Stelle viel angebrachter."

Peter Kleinert aus Stadtfeld: "Wir brauchen so ein neues Einkaufszentrum einfach nicht. Außerdem möchte ich meinen, dass es einen Stadtratsbeschluss gibt, der keine weiteren Neubauten für Einkaufsmärkte mehr zulässt. Nur weil ein Investor nach Magdeburg kommt und ein paar Scheine auf den Tisch legt, wird sofort der Weg geebnet, ob es sinnvoll ist oder nicht. Dafür habe ich einfach kein Verständnis mehr."

Mirko Hiehlmann aus Stadtfeld: "Ich bin gegen den Neubau des sogenannten Fachmarktzentrums, weil es in dem Stadtteil einfach genügend Einkaufsmöglichkeiten gibt. Gewachsene Strukturen werden dadurch nur unnötig zerstört. Was wir in Magdeburg genau nicht brauchen, das sind doch solche neuen Einkaufsmärkte!"

Marcel Guderjan: "Ich bin schon allein deshalb gegen eine neue, vor allem völlig sinnlose Ansiedlung an dieser Stelle, weil sie die Innenstadt platt macht. Das können wir nun wirklich nicht gebrauchen."

Gerd Fiedler aus der Großen Diesdorfer Straße: "Ich bin in Stadtfeld geboren und kenne die Verhältnisse. Sie können mir glauben, dass dieses Einkaufszentrum völlig überflüssig ist. Schlimmer ist es aber, dass es für viele Einzelhändler in Stadtfeld das Aus bedeutet. Das Resultat werden vor allem die älteren Bewohner in der Mitte des Stadtteils zu spüren bekommen, wenn die kleineren Märkte und Geschäfte platt gemacht sind. Die Folge sind dann lange Wegstrecken. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Kreativer wäre es doch, dort einen Kindergarten zu bauen. Das wäre für Stadtfeld doch viel wichtiger."

Thomas Naumann aus Stadtfeld: "Ich wohne in der Ebendorfer Straße. Sie können mir glauben, dass es in Stadtfeld mehr als genügend Einkaufsmöglichkeiten gibt. Sehen Sie sich doch mal die Liebknechtstraße an, da kommt man schon jetzt nicht mehr über die Straße."

Dirk Naumann aus Stadtfeld: "Ich weiß doch gar nicht, wohin ich zum Einkaufen fahren soll, so viele Märkte gibt es in Stadtfeld, und jetzt soll noch ein Zentrum dazukommen. Warum werden an dieser Stelle keine Wohnungen gebaut?"

Jens Burkart aus Stadtfeld: "Als Anwohner der Einfamilienhaussiedlung Toepfferspark – in unmittelbarer Nähe des ehem. Schlachthofgeländes gelegen, kann ich das Vorhaben nur ablehnen. Wenn man die Bebauungskonzepte der Stadt und speziell das für das Schlachthofgelände bewertet, so muss man zu der Erkenntnis kommen, dass unseren Stadtplanern scheinbar nichts Besseres einfällt, als alle derzeit ungenutzten Flächen sinnlos mit Beton und kurzweiligem Massen-Einzelhandel zu bepflastern. Im Schlachthofgelände ist kein neuer Einzelhandel, sondern es sind pfiffige Ideen gefragt, die die Lebens- und Wohnqualität der Menschen hier verbessern. Da ist die Bereitstellung von innerstädtischem Bauland für eine Eigenheimsiedlung an dieser Stelle schon mal ein Anfang – jedenfalls besser als noch weiteres fruchtbares Ackerland im Umland dem Beton zu opfern. "